Posts mit dem Label arabische Revolution werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label arabische Revolution werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. November 2011

Das war die 43. Kalenderwoche: Quoten und Werte – von Europa bis China


zusätzliche Links finden Sie weiter unten
Während hierzulande allen Ernstes immer noch darüber gestritten wird, ob nun eine (Frauen-)Quote bei der Besetzung eines Führungspostens zum Tragen kommen soll oder ob Qualifikation entscheidet und zwar nur Qualifikation, sehen die Diskutanten im französischen Deauville bereits über den Tellerrand. 1400 TeilnehmerInnen folgten der Einladung des Frauen-Forums und zeigten in der Frage, wie denn die "gläserne Decke" zu überwinden sei, Flagge. Der Quote wird lediglich die Bedeutung eines "Türöffners" zugestanden, der den Blick auf die Qualifikation überhaupt erst frei gibt. Ohne über Werte, Evaluierung von Kompetenz und Kommunikation nachzudenken, nützt jedoch auch das Öffnen von Türen wenig. Handlungen und Verhaltensweisen von Frauen stehen meist unter dem Generalverdacht der Schwäche. Haben Sie Erfolg, müssen sie beim nächsten Karriereschritt wiederum Beweise ihres Könnens liefern, während Männer hingegen eher mal durchgereicht werden – denn: "der kann's ja, hat er ja schon gezeigt".
Warum sollte z.B. das Denken und Sprechen in der von Frauen bevorzugten Wir-Form schwächer sein, als die eher von Männern favorisierte Ich-Version? Reflexartig wird Unsicherheit unterstellt. Kann sein, muss aber nicht. Ein Wir schließt die Meisten ein, ein Ich alle anderen aus. Vor dem Hintergrund aktueller Krisen, könnte ja mal der Blick in die Kristallkugel gewagt werden. Nur mal so zum Spaß, nur mal um zu sehen, ob und inwieweit die Entwicklung in der internationalen Finanzwelt und der EU den gleichen Verlauf genommen hätte, wären deutlich mehr Frauen an den Prozessen beteiligt gewesen – und zwar über Jahrzehnte. Das Denken in der traditionellen Größer-weiter-mehr-nach-mir-die-Sinnflut-Kategorie dürfte derzeit kaum zielführende Antworten liefern. In Frankreich haben bereits einige Unternehmen sog. weibliche Kompetenzen schätzen gelernt und lassen ihre MitarbeitER und Führungskräfte zum Thema Einfühlungsvermögen oder sogar Intuition coachen. Mehr zur Tagung und Interviews in dem sehenswerten Beitrag von EuroNews: Auch Frau steht ihren Mann http://www.youtube.com/watch?v=NmCb1tjE91M
Auf eine Umwertung der Werte müssen nun die ägyptischen, tunesischen, jemenitischen und libyschen... Frauen hoffen, konnten sie doch während des arabischen Frühlings ihre Stärken zeigen und erleben, wie sich Gleichberechtigung anfühlen könnte; denn dank Internet und Facebook hatten auch sie die Möglichkeit dabei zu sein. Mit dem gleichberechtigten Austausch scheint es nun im arabischen Herbst erst einmal wieder vorbei zu sein. Im Prozess der Neuordnung stecken wiederum Männer die Claims ab und die – immerhin demokratisch herbeigeführte – Legitimation einer islamistischen Partei in Tunesien, lässt fürchten, dass die traditionellen Werte wieder aufleben. Ob die Scharia als Grundlage künftiger Gesetze in den einzelnen Ländern Frauen zu mehr Rechten verhilft bleibt abzuwarten, fällt die Interpretation doch sehr unterschiedlich aus. Der Blick in die Kristallkugel: Wie wäre es wohl um die Auslegung des Korans, seiner Gebote und Verbote bestellt, wenn sich Musliminnen, z.B. während einer internationalen Tagung, darüber verständigen würden?
Schaut man noch weiter östlich, bis ins ferne China – nun dank Eurorettung viel näher - können einem dagegen die Tränen kommen. Während in den Glitzermetropolen die reiche und erfolgreiche Chinesin nicht den Yuan scheut, beim Erwerb von Parfum und Designerhandtaschen, scheinen Menschen weiblichen Geschlechts auf dem Land wenig oder nichts wert zu sein. Wenn ein behindertes Kind oder gar ein Mädchen das Licht der Welt erblicken will, erlaubt die Ein-Kind-Politik ein zweites Kind. Was diskriminierend und banal klingt, wird seit 31 Jahren z.T. rigoros durchgeführt. Ein Beamtenapparat achtet peinlich auf die Erfüllung der Quote und verübt damit de facto einen Genozid. Die Praxis der Zwangsabtreibung, führt u.a. zur Verschleppung von Schwangeren in Krankenhäuser, wo der sieben oder acht Monate alte – weibliche – Fötus wie ein Geschwür herausgeschnitten wird. Kommt es dennoch zur Geburt eines Mädchens, so wird die Mutter - als gute Ehefrau - in einigen Familien gezwungen, das Kind auszusetzen oder zu töten. Die Gewalt gegenüber chinesischen Frauen in Zahlen: durchschnittlich 13.000.000 Abtreibungen pro Jahr werden im Jahr 2020 zu ca. 40.000.000 Junggesellen im heiratsfähigen Alter führen, sozialer und demografischer Sprengstoff inklusive. Zudem nehmen sich, laut Statistik täglich 500 Frauen das Leben. Im Jahr: 182.500. Damit hat die Volksrepublik die höchste Selbstmordrate unter Frauen weltweit.

Wahlsieg der Islamisten: Wohin steuert Tunesien?
Alfred Hackensberger  
Was bedeutet der Wahlsieg der islamistischen Partei Ennahdha für die Rechte der Frauen in Tunesien? Was für die Wirtschaft und den Tourismus?
Zornig bin ich - und traurig zugleich", sagt Moufida Abassi sichtlich getroffen. "Die Wahlen sind eine Katastrophe." http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2071405/Wahlsieg-der-Islamisten-Wohin-steuert-Tunesien.html

Frauen fordern Männergesellschaft heraus
von: Christina Schmitt
Frauen standen bei der Revolution in Ägypten mit in der ersten Reihe. Jetzt fordern sie in einer Männergesellschaft ihre Rechte ein .

LIBYEN NACH GADDAFI
"Scharia und Demokratie sind vereinbar"
INTERVIEW | FLORIAN GOSSY
Scharia als Basis des Rechts: Nahost-Experte Udo Steinbach glaubt nicht an einen politischen Rückfall ins finstere Mittelalter

Neustart mit Scharia
Von Kathrin Haimerl
... Und der Übergangsrat verkündet, dass er die Zukunft mit Hilfe der Scharia gestalten will. Doch wer darf sich dann noch erhobenen Hauptes bewegen?

AFGHANISTAN
Wahlen zwischen Ruinen
Afghanistans Unternehmer organisieren sich, um sich von der Politik zu emanzipieren.
Von Tilman Wörtz

400 MILLIONEN KINDER WENIGER
Chinas Regierung feiert 31 Jahre der Ein-Kind-Politik
Meilin Klemann
01.11.2011
... Unter dieser Politik wurden in den letzten 31 Jahren nach Schätzungen der "National Population and Family Planning Commission of China" 400 Millionen Babys abgetrieben.

Spannungen durch Chinas Geburtenkontrolle
Autorin: Xiegong Fischer
China verfolgt seit 30 Jahren eine strikte Politik zur Familienplanung. Zu ihrer Durchsetzung üben Behörden eine scharfe Geburtenkontrolle aus. Selbst vor Zwangsabtreibungen schrecken sie nicht zurück.

Die Tragödie der Töchter – wahre Geschichten aus China
In ihrem neuesten Buch 'Wolkentöchter' fordert Xinran unsere Aufmerksamkeit für die unzähligen weiblichen Babys, kleinen und großen Mädchen, die in China vernachlässigt, ausgesetzt oder sogar getötet worden sind und werden. Es sind wahre Geschichten, die noch immer auf dem Land in China passieren.

Und was sonst noch passiert ist.

Politik:

Auch Frauen machen Fehler. Natürlich. Auch Frauen unterliegen in Führungspositionen Zwängen – wie ihre männlichen Kollegen. Natürlich. Wie sollte frau aber damit umgehen? Misserfolge als Etappensieg verkaufen? In bewährter Manier gleich die eigene Person in Frage stellen? Oder die nüchterne Analyse des Sachverhalts und das ebenso nüchterne Eingeständnis, darüber was gelungen ist und was nicht. Schwach? Oder doch eher glaubwürdig?
In der FAS vom 30. Oktober stellt sich Tanja Gönner, ehemalige Umwelt- und Verkehrsministerin in Baden-Württemberg, im Interview der persönlichen Niederlage. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.10.2011, Nr.43, S.7

Staatssekretär Hecken trifft den Vorstand des Deutschen Frauenrats
Am 24. Oktober traf der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Josef Hecken, den neu gewählten Vorstand des Deutschen Frauenrats. Inhalt des Gesprächs waren die wesentlichen Themen, die aktuell die Agenda der Gleichstellungspolitik bestimmen.

Missbrauchsbeauftragte Bergmann geht
Die verwaiste Stelle
Von Christian Füller
War da was? Eineinhalb Jahre lang erschütterte die Debatte über sexuelle Gewalt die Öffentlichkeit, die Bundesregierung richtete die Stelle einer Missbrauchsbeauftragten ein. Nun hat Christine Bergmann ihre letzten Arbeitstage - Nachfolge und Ausgestaltung ihrer Stelle sind völlig unklar.

SPD-Präsidium
Hoffnungen jenseits von Steinbrück
Die SPD-Führung wünscht sich Aydan Özoguz als stellvertretende Vorsitzende. Sigmar Gabriel will in der Integrationspolitik wieder Meinungsführer sein.
Von MAJID SATTAR
Aus gegebenem Anlass hatte das SPD-Präsidium am Montagmorgen einen besonderen Gast. Es handelte sich um eine aus Hamburg stammende Person, die bald offiziell in die Führungsriege der Partei aufsteigen soll, auch weil deren Vorsitzender Sigmar Gabriel Bedarf sieht, Leute mit speziellem sozialdemokratischem Hintergrund künftig sichtbarer und zahlreicher in den Führungsgremien der SPD zu installieren.

120 Jahre Erfurter Programm
Blick zurück nach vorn
von Jennifer Mansey
Wieder ein runder Geburtstag: Seit 120 Jahren heißt die Partei Sozialdemokratische Partei Deutschlands, seit 120 Jahren kämpft sie für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern – 120 Jahre, in denen Generationen für eine gerechtere Gesellschaft gestritten haben.

Wirtschaft:

Neue IBM-Chefin Ginni Rometty
Feindin der Bequemlichkeit
Ginni Rometty wird die erste Frau an der Spitze von IBM. Der scheidende Chef Palmisano gab sich Mühe, die Berufung nicht als Quotenentscheidung erscheinen zu lassen.
Von ROLAND LINDNER

Frauen als "Agenten des Geschlechterwandels"
"Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert - die Zeichen stehen auf Frau": KEB und Frauen-Union luden zu Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ulrike Detmers ein
Landau. KEB-Kreisvorsitzende Ernie L. Egerer konnte in der Stadthalle viele Gäste zur Veranstaltung mit dem Thema "Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert - die Zeichen stehen auf Frau" willkommen heißen. Darüber referierte mit Prof. Dr. Ulrike Detmers aus Gütersloh eine profilierte Persönlichkeit, die besonders begrüßt wurde. Grußworte sprachen Josef Brunner, Schirmherr und 1. Bürgermeister, sowie Siegfried Moßandl, 1. Vorsitzender der IHK im Landkreis Dingolfing-Landau.

Bildung:

Auf UNI.DE wird diskutiert: Frauenquote – ja oder nein?
by PR-Gateway
Das Studentenportal UNI.DE fragt die Studenten: Macht eine gesetzliche Frauenquote Sinn oder sollen die Unternehmen wie bisher freiwillig bestimmen, wen sie in Führungspositionen einsetzen und wen nicht?
Der Ruf nach einer gesetzlich geregelten Frauenquote für Stellenbesetzungen in Führungspositionen wird immer lauter und tritt erneut durch ein Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft in den Fokus. Frauen in Spitzenpositionen sind unterpräsentiert. Die Chefetagen vieler Unternehmen sind noch immer reine Herrenclubs.

Frauen für MINT-Berufe gewinnen - Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen
(PresseBox) Ilmenau, Die Thüringer Koordinierungsstelle Naturwissenschaft und Technik, kurz: Thüko, veranstaltet am 17. und 18. November an der Technischen Universität Ilmenau eine Tagung zur MINT-Motivation von jungen Frauen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und das Hauptanliegen der Thüko ist es, mehr junge Frauen für entsprechende Studiengänge und Berufe zu interessieren. http://www.pressebox.de/pressemeldungen/technische-universitaet-ilmenau/boxid/458763

Medizin:

Besonderer Hinweis:
Ob Kopfschmerzen, Rheuma oder Herzerkrankungen; verlaufen unterschiedlich bei Männern und Frauen und werden auch unterschiedlich wahrgenommen. Ein weites Feld für Therapien und Arzneimittel!
Mehr unter: Anna Fischer. Gender in der Medizin

Kunst & Kultur:

Doris Dörrie rät Frauen zum Abschied von Träumen
Regisseurin: "Frauen irren oft Wünschen hinterher"
München (AFP) © 2011 AFP
Die Regisseurin Doris Dörrie rät Frauen als Rezept zum Glücklichsein zum Abschied von Träumen. "Wir Frauen irren oft in Wunschvorstellungen herum", sagte die 56-Jährige in einem Interview der Münchner Illustrierten "Bunte". "Wir bilden uns ein: Wenn ich zehn Kilo weniger wiege, wenn ich jünger aussehe oder den richtigen Mann finde, dann bin ich endlich glücklich. Das macht aber eher unglücklich."

Wie die Politik Ehen belastet
Kabarettabend mit Edgar und Irmi im Huttenschloss
Kabarettabend: Neuigkeiten aus Politik und Gesellschaft bringen Edgar und Irmi am Samstag, 5. November, im Huttenschloss.
(hr) Zum Kabarettabend mit Edgar und Irmi lädt die Tourist-Info am Samstag, 5. November, um 20 Uhr ins Huttenschloss. Das Kabarett-Duo aus der Rhön beleuchtet neue Entwicklungen in Politik und Gesellschaft.
http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Wie-die-Politik-Ehen-belastet;art768,6395901

Sonntag, 6. März 2011

Das war die 9. Kalenderwoche: arabische "feministische Revolution" – Wissenschaft in Deutschland – Quote qua Brüssel?

100 Jahre internationaler Frauentag! Die Franzosen haben die Theorien der Aufklärung sozusagen in die Praxis umgesetzt und vorgeführt, wie menschlich das von König und Adel beanspruchte Gottesgnadentum ist. Egalité, Fraternité und Liberté galten aber anfänglich wohl eher für die Hommes, denn konkrete politische Teilhabe war für die Femmes nicht vorgesehen. Am 19. März 1911 fand schließlich der erste internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen wurde eingefordert.
2011: Revolution in den arabischen Ländern. Vermeintlich allmächtige Regierungschefs werden gezwungen, das Land zu verlassen. Und die Frauen sind dabei. Frauen sind nicht nur Hilfskrankenschwestern im Verborgenen sondern auch Anführerinnen und Organisatorinnen auf der Straße, dem Tahrir-Platz oder im Internet. Demokratie, echte Demokratie kann nur gelingen, wenn Frauen und Männer gleichermaßen daran beteiligt werden, erläutert die ägyptische Genderforscherin Sarah Faraq ihre Beobachtungen während der Demonstrationen. Besonders bemerkenswert erschien ihr, dass Frauen ein ungewohnter Respekt entgegengebracht wird - sie bei den Versammlungen keinen oder wenigstens deutlich weniger Belästigungen ausgesetzt sind, als im vorrevolutionären Alltag. Drücken wir die Daumen, dass dem Land der Schwung der Neuerung dazu verhilft, überkommene religiös motivierte Vorschriften aus den Gesetzesbüchern streichen zu können. Hoffen wir, dass bestehendes Gesetz konsequent angewendet wird: dass schulpflichtige Mädchen ihrer Pflicht nachkommen dürfen und nicht durch frühe Heirat sowie mit Hilfe von Bestechung der kontrollierenden Beamten von Bildung ausgeschlossen werden.
Aber nicht nur Ägyptens Frauen fordern ihren Anteil an Mitsprache in Politik und Gesellschaft. Der Aufstand gegen Diktatoren wie Gaddafi hat gleich eine zweite, implizite Revolution losgetreten. Mit dem Ruf "Democracy now" kämpfen Frauen wie die Anwältin Salwa Bugaighis aktiv am Aufbruch in der arabischen Welt mit. Neben Bugaighi gehören noch zwei weitere Frauen dem Revolutionsrat an. Eine „feministische Revolution des Nahen Ostens“? Im Westen reibt man und auch frau sich die Augen. Vielleicht gilt es, das ein oder andere Klischee zu überdenken und sich neu einzunorden – pardon: einzuosten. Hierfür sei folgende Analyse sehr empfohlen: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/639613/Der-unvermeidliche-Frauenaufstand?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/635829/index.do&direct=635829
Wenn also eine "kritische Masse" an Frauen das Wahlrecht erlangt, gebildet und berufstätig ist, lässt sich das irgendwann am Lebensstandard und an der Stabiltiät einer Gesellschaft ablesen, aber auch an ihrer demografischen Entwicklung. Das ruft Traditionalisten und Gegner einer Frauenquote auf den Plan. Aber ohne geht’s auch nicht mehr, wie die Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V (vbw) „Arbeitslandschaft 2030“ zeigt. Allein Bayern wird es im Jahr 2015 an einer halben Millionen Fachkräfte mangeln und bundesweit sind 600.000 mehr Frauen in Arbeit nötig als heute. Das wird noch mehr Unternehmen veranlassen, ihre Strukturen zu verändern. Diejenigen, die es schon geschafft haben, fahren gut dabei. Nicht etwa weil Frauen besser seien als Männer, betont Dr. Angelika Niebler, Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frau im Europäischen Parlament, sondern weil sie durch eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge den gesamten Entscheidungs-Horizont erweiterten. Und das lässt sich sogar bilanzieren. http://www.b4bschwaben.de/Mittelstand/Regionale-Wirtschaftsnachrichten/Augsburg/arid,60525_puid,1_pageid,13.html
Diese Entwicklung gäbe dem griechischen Vorsokratiker Heraklit Recht, der die Welt in ständiger Bewegung sah. "Alles fließt", so sein Beitrag zur Zitatensammlung. Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft an der TU - Berlin, erkennt in der Forderung nach einer Frauenquote dagegen radikalen Feminismus, will wieder zum "gesunden Menschenverstand" zurückkehren und falsche Denkansätze aufzeigen. "Die eigentlichen Opfer der Frauenquote sind die Frauen", so das Fazit des Philosophen; denn ein Unterschied zwischen Männern und Frauen sei nun einmal, wenn Kinder da sind. Dann seien 80 Stunden-Wochen als Führungskraft gar nicht machbar. Eine der schwierigsten philosophischen Übungen besteht darin, den Prozess des eigenen Denkens zu reflektieren. Das spielt einem so manchen Streich. Norbert Bolz scheint im Unterschied zu Heraklit von der Prämisse auszugehen, dass es sich bei Gesellschaftsstrukturen um unveränderliche Naturgesetze handelt. In- und außerhalb Europas zeigt sich aber, dass eine gerechtere Teilhabe von Frauen zwangsläufig gesellschaftliche Verhältnisse und Werte verändert. Eine zunehmende Anzahl junger Väter wollen z.B. an der Kindererziehung beteiligt sein und würden daher individuelle Teilzeitregelungen begrüßen. Das war nicht immer so. Und dass bei der Berufung von ProfessorEN ausschließlich die Qualifikation zählt – bei rund 50% Uni-AbsolventINnen – nun ja: hier sei ein Zwischenhelau erlaubt ....
Der erfolgreiche Wissenschaftler und sympathischer Gast in Talkrunden, scheint eher den Status quo Universitäten erhalten zu wollen – so lässt seine Argumentation jedenfalls vermuten. Die Einwerbung von Forschungsmitteln erfordert profunde Kenntnis in Revierkämpfen, die rigiden Vorgaben durch Bologna verlangen mehr Bürokratie und Kräfte, die nicht mehr für Weiterbildung und wissenschaftliches Arbeiten zur Verfügung stehen. Inoffiziell geforderte Auslandsaufenthalte und nicht zuletzt die Unsicherheit, zu Beginn einer wissenschaftlichen Karriere, stellen Akademikerinnen vor die Wahl: entweder ein Leben, zu dem auch Familie gehört oder eine wissenschaftliche Karriere. Wer würde eine solche Entscheidung von einem angehenden AkademikER erwarten? Einblick in die Realität der Uni-Frauen gibt Christiane Bender, selbst Professorin an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg: DIE ZEIT, 24.2.2011 Nr. 09 http://www.zeit.de/2011/09/C-Uni-Frauen
Aber: "alles fließt" wie der Bericht des Verbandes der chemischen Industrie zeigt. "Der Nachwuchs in der Chemie ist weiblich", so das erfreuliche Resultat. Die jungen Frauen folgen in die Fußstapfen einer Madame Curie, forschen und wollen Innovationen voranbringen. Allein zwischen 2000 und 2009 sind immerhin 123 Professorentitel an Frauen gegangen.
Damit sich der Anteil an Frauen in den Führungsetagen und auch in anderen Bereichen europäischer Unternehmen erhöht, hat Viviane Reding, Vizepräsidentin der EU-Kommission, Konzernführer zum Gespräch geladen. Fazit: ein drastisch höherer Anteil an Frauen wird sich nicht von heute auf morgen umsetzen lassen, aber um Europa im globalen Wettbewerb zu halten, müssen deutsche, italienische, spanische, französische,... Konzernchefs richtig aktiv werden. Ist die Gnadenfrist verstrichen, setzt es die Quote und zwar durch Brüssel unter Beteiligung demokratisch gewählter Frauen.

Weitere Links:

Immerhin hat der Europäische Gerichtshof Fakten geschaffen
Versicherungs-Urteil des EuGH Männer, Frauen, Menschen

Und auch hier wittert mann Ungerechtigkeit und wirtschaftlichen Unverstand; denn nun müssten Frauen ja einen höheren Betrag zur Autoversicherung leisten. Gerne! Wenn wir dadurch nicht mehr durch höhere Beiträge einer zwingend notwendigen Kranken- und Rentenversicherung für Geburt und eine im Schnitt gesündere Lebensweise abgestraft werden.

Dass es zur wirklichen Gleichstellung noch ein weiter Weg ist zeigt sich schon in der beschämend ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen für die gleiche Arbeit und die insgesamt immer noch spärliche Beteiligung von Vätern an den Familienaufgaben

Für die linken Frauen ist die Gleichstellung noch lange nicht abgeschlossen. Sie fordern daher gleichen Lohn für gleiche Arbeit – das käme auch manchem Mann zugute....

Gewerkschaft baut Führung um

Die Frauenbeauftragte Ingrid Roll erkennt in der aktuellen Quotendebatte, "alte Themen neu verpackt". Kinderbetreuung, Lohngleichheit, Teilzeitarbeit, Altersarmut stehen schon lange auf der Agenda.
Frauenpräsenz ist wichtig

Genau diese Zustände wurden und werden durch die soziale Rolle gepaart mit Steuergesetzen zementiert.
Die Aufholjagd dauert sehr lange

Onkel Tom war eine Frau
Frauen und Männer sind gleichberechtigt - so haben wir es gelernt. Eine Frauenquote ist mit diesem Prinzip nicht vereinbar. Aber heißt das wirklich, dass wir sie nicht brauchen? Die Geschichte eines persönlichen Sinneswandels.
Von Lena Bopp

„Ich möchte heute wieder als Frau auf die Welt kommen!“ zeugt vom Selbstbewusstsein der Stadträtin Gudrun Hellmuth, die zwar die Mängel kennt, aber keine Quote möchte.
Ihre Thesen zur Diskussion beschreiben den derzeitigen Zustand kurz und knapp.

Emotionaler Meinungsaustausch der auch die Differenzen in den Fraktionen zutage treten ließ.
»Gesetzliche Überregelung«
Warten auf Vorschläge
Noch lange nicht am Ziel

Im Nachbarland Österreich ist es um die Anzahl der Führungsfrauen noch schlechter bestellt, hier scheint sich aber die Diskussion eher an der konkreten Praxis zu orientieren.

"Ich mache auch Politik für Männer"
"Quote ist für mich Qualität", sagt die Frauenministerin. Sie kann sich ab 2014 Sanktionen beim Ignorieren der Frauenquote vorstellen.

Empfehlenswert ist auch die Lektüre des Interviews mit Maria Schaumayer. Aus der ehemaligen Quotengegnerin wurde eine Befürworterin, konnte sie doch als weltweit erste Präsidentin einer Nationalbank männliche Führungspraxis aus nächster Nähe beobachten. Aufklärung, ohne globale Frauenrechte ist für sie unvollständig. http://diestandard.at/1297819477917/Ex-Quotengegnerin-Maria-Schaumayer-Mir-fiel-die-Rolle-der-Eisbrecherin-zu

100 Jahre Frauentag Science ORF gibt eine historische Übersicht vom 1911 erfochtenen Wahlrecht –

Die Vision zum Frauentag: "2011 - das war Mittelalter"

Selbst im Motorrennsport tut sich was: Ecclestone denkt an Frau als Nachfolger