Freitag, 23. November 2012

Männliche oder weibliche Blutzelle.... ?


Wussten Sie, dass Aspirin bei Männern prophylaktisch gegen Herzinfarkt wirkt, bei Frauen jedoch das Schlaganfallrisiko herabsetzen kann?

Im Bereich der pharmazeutischen Forschung scheinen tradierte und als selbstverständlich geltende Ansätze einer fundamentalen Neuausrichtung zu harren. Während sich das Studiendesign in den 1980er Jahren zur Untersuchung entzündungshemmender Wirkstoffe ausschließlich auf männliche Tiere und Patienten beschränkte, zeigt eine neuere Prüfung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dass hier Potential verschenkt wurde. In der weiblichen Blutzelle fehlt schlicht das Testosteron, das es männlichen Blutzellen leichter macht, mit einer Entzündung fertig zu werden. Ein pharmazeutischer Wirkstoff hätte diese Rolle im weiblichen Organismus übernehmen und möglicherweise vielen an Allergien erkrankten Frauen das Leben erleichtern können, Dank einseitiger Versuchsanordnung, die weibliche Tiere und damit weibliche Blutzellen (wie selbstverständlich?) ausschloss, blieb eine Zulassung für den Wirkstoff versagt und Entwicklungsgelder schienen zunächst vergeblich investiert.

Überhaupt offenbarten die Vorträge während des Symposiums "Gendermedizin 2012" am Institut für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) der Charité in Berlin, dass der weibliche Organismus vermutlich nur im Bereich der Gynäkologie eine angemessene Beachtung findet und eine Zusammenschau der physiologischen Zusammenhänge eher ein Novum sind.

Wer aber bestimmt, welche Fragen wie in der Forschung gestellt werden? Dass sich das weibliche und männliche Gehirn unterscheiden, ist seit rund 100 Jahren bekannt. Dem im Schnitt 100g leichteren weiblichen Gehirn wurde lange Zeit schlicht die Fähigkeit zur höheren Intelligenz abgesprochen – nach dem bequemen Motto: Quantität gleich Qualität. Das traut sich nun keiner mehr zu sagen. Dass sich das männliche Gehirn leichter mit der Erfassung von Strukturen tut, während Frauen eher über ein besseres Sprachgedächtnis verfügen, stellte  Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer als den heutigen wissenschaftlichen Standard vor. 
Hier sei die ketzerische Frage erlaubt, ob nicht eine erzieherische und gesellschaftliche Beeinflussung – also eben der Gendereffekt – umgekehrt gerade die entsprechenden Gehirnareale besonders bevorzugt? Oder ob tatsächlich die physiologische Veranlagung bestimmte Reize von vornherein begünstigt und damit die dafür zuständigen Bereiche besonders stark ausbildet? Das könnte wiederum zu der Frage verleiten, inwieweit die Ansprache von Mädchen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht und die der Jungen in den Fächern Deutsch und Fremdsprachen zu gestalten wäre, um ein nachhaltiges Interesse zu wecken? 
Aber zurück zur Medizin: die Fähigkeit und das Bedürfnis die vielfältigen Symptome zu beschreiben, wie sie eine Frau im Falle eines Herzinfarkts bei sich beobachtet, kann in der Notaufnahme zur Falle werden und eine adäquate Behandlung verzögern – wenn nicht verhindern, wie die Direktorin des GiM, Prof. Dr. Vera Ragitz-Zagrosek, schilderte. Denn auf die "typischen", beim "männlichen" Infarkt auftretenden Symptome trainiert, fehlt in der Praxis (noch) die Routine, um die Schilderungen schnell genug zuordnen zu können und eine Fehldiagnose zu vermeiden. Würde das Infarktrisiko auch für Frauen deutlicher wahrgenommen, ließen sich durch rechtzeitige Prävention nicht nur die Sterblichkeitsraten reduzieren, sondern die Erkrankung womöglich vermeiden und somit die für die Behandlung anfallenden Kosten sparen. Das ist die gute Nachricht: Frauen stehen – rollenbedingt – präventiven Maßnahmen offener gegenüber und wären als Arbeitskraft (Stichwort: demographische Entwicklung) länger am Markt.
Möglicherweise müssten die Kosten, die für die Erhaltung oder Wiederherstellung von Gesundheit neu ermittelt werden. Frauen profitieren von einer Akupunkturbehandlung z.B. bei chronischen Schmerzen deutlich mehr als Männer und sind damit kosteneffizienter, stellte Prof. Dr. Claudia Witt fest.
Um in der Forschung die Fragen vollständig (wissenschaftlich) zu stellen und den daraus resultierenden Erkenntnissen Einzug in den medizinischen Versorgungsalltag zu ermöglichen, bedarf es wohl auch hier mehr Frauen auf den Chefsesseln. "Wir brauchen eine feste Quote in den Leitungspositionen der Medizin!"  fordert Prof. Dr. Gabriele Kaczmarczyk, Gründungsmitglied des Netzwerks "Frauengesundheit Berlin". Warum führende Positionen in Fachgesellschaften (selbst im Bundesverband der Frauenärzte), in Krankenhäusern oder in der Lehre noch immer so sparsam mit Frauen besetzt werden, lässt sich angesichts der deutlich überwiegenden Zahl von Frauen, die den Arztberuf ergreifen und auch sonst die meisten Beschäftigten im Gesundheitswesen stellen, kaum schlüssig erklären. Sie tragen erheblich zu den 11 Prozent bei, die die  Gesundheitswirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert. Zu wenig qualifizierte Frauen? Eine Brüsseler Frauenquote könnte durchaus auch hier beschleunigende Wirkung entfalten.

Und hier die gute Nachricht: Julia Seifert ist die neue Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC).   http://www.facharzt.de

Links zum Thema:

Gendermedizin: Rosa Pillen, blaue Pillen

Donnerstag, 22. November 2012

Das waren die 45. - 46. Kalenderwochen


Politik:

GESETZ DURCHGEWUNKEN
Frauenquote für Aufsichtsräte
Ein Erfolg für Viviane Reding: Die EU-Justizkommissarin boxte am frühen Mittwochmorgen einen Gesetzesvorschlag durch, wonach bis zum Jahr 2020 alle Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Europa zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen.

Kompromiss: EU einigt sich auf Frauenquote
40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten: Die EU hat sich auf eine Frauenquote geeinigt. Es ist ein Erfolg für EU-Kommissarin Viviane Reding, die lange für die Quote gekämpft hat. Doch es ist eben auch ein Kompromiss, der es in der Praxis schwer haben wird.

Frauen in Führungspositionen: Merkel bremst Brüsseler Frauenquote
EU-Kommissarin Viviane Reding legt einen entschärften Gesetzentwurf zur Frauenquote vor. In Deutschland beißt sie damit auf Granit: Bundeskanzlerin Angela Merkel sperrt sich gegen eine starre Quote in Aufsichtsräten. Auch andere Länder drohen mit Blockade.
von Christiane von Hardenberg, Berlin

Reding wirbt um deutsche Zustimmung für Frauenquote
Merkel zeige, "dass Frauen hervorragend managen können"
EU-Justizkommissarin Viviane Reding wirbt um die Zustimmung der Bundesregierung für die von ihr vorgeschlagene Frauenquote in den Aufsichtsräten von Unternehmen in Europa. Sie habe nach Kräften dafür gesorgt, dass die Regelung eine "deutlich christdemokratische Handschrift" trage, sagte Reding der "Welt".

Künast: Schröder schadet Frauen und Wirtschaft
Berlin (dapd). Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft Familienministerin Kristina Schröder (CDU) Untätigkeit in der Frauenpolitik vor. Mit ihrer Kritik an der Frauenquote versuche Schröder zu kaschieren, "dass die Bundesregierung in Sachen Chancengleichheit und Frauenquote nichts, aber auch gar nichts hinbekommen hat", sagte Künast der Nachrichtenagentur dapd.



Ökologie, Politik für das Alter und Anerkennung von Erziehungszeiten: Diese Themen sind den Frauen im Südwesten wichtig. Das hat die CDU im Land bei einer Umfrage herausgefunden.
Die Studie fragte nach den Themen, die die Frauen am meisten umtreiben. Siehe da: Männern wie Frauen sind die meisten Themenfelder fast gleich wichtig. Überraschung: Im Bereich Wirtschaft liegen Grüne und CDU in der Kompetenzzuweisung gleich auf.

Ernüchternde Umfrage
CDU will mehr auf Frauen hören
Andreas Müller
Stuttgart - Die Südwest-CDU will ihre Politik stärker an den Wünschen von Frauen ausrichten und die Position von Frauen in der Partei stärken. Diesen Schluss zieht der Landesvorsitzende Thomas Strobl aus internen Erhebungen, nach denen die Union insbesondere bei Wählerinnen erhebliche Akzeptanzprobleme hat.

„Frauen zwischen 25 und 45 sind für uns momentan schwer zu erreichen“
Die CDU will Frauen mehr in den Fokus rücken – Maria Blaseg, Vorsitzende der Frauenunion im Kreis, findet das gut
WALDBURG / mst Frauen wählen lieber Grün. Zumindest war das bei der Landtagswahl 2011 der Fall. Warum das so ist, wollte die Landes-CDU in einer Umfrage herausbekommen. „Frauen im Fokus“ heißt das Projekt, bei dem 3500 Menschen weiblichen Geschlechts auf der Straße, im Internet und am Telefon interviewt wurden.

HITZIGE DEBATTE
Betreuungsgeld ist beschlossen
Das Betreuungsgeld ist beschlossen. Nach einer hitzigen Debatte stimmte der Bundestag am Freitag für die neue Leistung.
Ab August 2013 werden damit Familien für ihre Kinder im Alter von einem bis drei Jahren, die nicht in einer öffentlichen Kita betreut werden, eine monatliche Barleistung von zunächst 100 Euro erhalten. Die Opposition hatte das strikt abgelehnt.

Quote: Frauen brauchen keinen Steigbügelhalter
In der derzeitigen Diskussion um Frauenquoten in Wirtschaft und Politik haben sich auch zahlreiche Kandidaten und Funktionsträger der Bayernpartei geäußert. Starre Quoten werden zwar einhellig abgelehnt, allerdings wünschen sich viele eine höhere Wertschätzung für Frauen im Berufsleben und eine gleiche Bezahlung.




Wirtschaft:

Starke Frauen mit Mut und Leidenschaft
Kerkow (os) Erstarren Wirtschaft, Handel und Politik unter dem Einfluss der Männerwelt? Oder können sich starke Frauen mit eigenen Ideen durchsetzen? Diesen Fragen geht jetzt die Arbeitsagentur Eberswalde nach. Sie befragt Frauen in Uckermark und Barnim, die in Spitzenpositionen tätig sind.

Beitritt des Saarlandes zum Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen
Autor:idw
„Heute ist das Saarland offiziell dem nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen beigetreten. Dies sei ein wichtiger Schritt, um MINT-Berufe insbesondere für Frauen attraktiver zu machen und das Potenzial von Frauen für naturwissenschaftliche Ausbildungen noch besser als bisher zu nutzen“, erklärte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vor der Landespressekonferenz in Saarbrücken.

Vor dem IT-Gipfel in Essen: Branche mit Personalsorgen
ESSEN (AFX) - Breitband-Internet, neue IP-Adressen, Telemedizin oder "Smart Grids" für die Energieversorgung - der siebte IT-Gipfel will Orientierung geben bei der Digitalisierung der Gesellschaft. Wenn Bundesregierung und IT-Branche am Dienstag (13.11.) in Essen zusammenkommen und über Stärken und Schwächen des Standorts Deutschland in Informationstechnik und Telekommunikation diskutieren, schwebt ein Thema über allen Runden: Der Fachkräfte-Mangel.

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft wird neuer Partner von „Komm, mach MINT.“
Autor: idw
Karlsruhe: „Komm, mach MINT.“ – unter diesem Slogan wurde 2008 ein nationaler Pakt gegründet, der zum Ziel hat, das Bild der MINT-Berufe in der Gesellschaft zu verändern und mehr Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern. Mit über 120 Partnern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien hat sich der Pakt seitdem zu einem ausgedehnten Netzwerk entwickelt, in dem Kooperationen gestartet, neue Kampagnen entwickelt und ein breiter Erfahrungsaustausch gepflegt werden.

Freiburger Kongress zu Frauen in Führungspositionen
Wie schaffen es mehr Frauen in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft? Darüber diskutierte eine Freiburger Zukunftswerkstatt unter Schirmherrschaft des Familienministeriums.
Dabei wurde deutlich, dass es vor allem in der Wissenschaft großen Nachholbedarf gibt. Es war kein lautes Murren, aber zumindest ein Grummeln, das aus dem Publikum zu hören war, als Martina Gräfin von Bassewitz auf die Flexi-Quote zu sprechen kam.

Josef Ackermann sieht Zurich hervorragend aufgestellt Appell an Wirtschaft und Politik, geeinigt aufzutreten
Trotz Gewinneinbruch im dritten Quartal sieht Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann den Versicherungskonzern Zurich langfristig «hervorragend aufgestellt», wie er im Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagt.


Ausland:

Neue Kabinettsmitglieder für zweite Amtszeit
Obama sucht seine Superminister
Für seine zweite Amtszeit muss Barack Obama neue Mitarbeiter rekrutieren. Einige Minister ziehen das Privatleben der Politik vor. Wirtschafts- und Verteidigungsminister könnten Frauen werden.

Erstmals Frau an der Spitze von Interpol
Französin Ballestrazzi bisher Vize-Chefin für Europa
Erstmals steht eine Frau an der Spitze der internationalen Polizeiorganisation Interpol: Die 58-jährige Französin Mireille Ballestrazzi wurde in Rom bei einer Interpol-Generalversammlung gewählt, wie die Organisation mitteilte. Ballestrazzi war bisher bei Interpol die Vize-Vorsitzende des Exekutivkomitees für Europa.

VOLKSREPUBLIK
Weibliches China  
Eine Sendung über die Karrierechancen und das Leben chinesischer Frauen
In der Politik sind sie kaum vertreten, in der Wirtschaft dagegen schon: Chinas Frauen. 32 Prozent der höheren Management-Posten sind in China weiblich besetzt. Das liegt auch am Frauenbild in der Volksrepublik. Darüber diskutieren wir in der Redaktionskonferenz - und über die Frage, wie das Leben von Chinesinnen außerhalb von Wirtschaft und Politik aussieht.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Die EZB und die Frauen...


In Brüssel scheint der Vorstoß Viviane Redings (vorerst?) gescheitert. In seltener Einmütigkeit beharren Gegner einer gesetzlich festgelegten Frauenquote auf nationaler Souveränität. Schließlich soll die Entscheidungsfreiheit von Unternehmen nicht beschränkt werden – wenigstens nicht bei diesem Thema. Sogar Außenminister Guido Westerwelle wirft sich schützend vor den Mittelstand, der aber gar nicht gemeint ist, da gerade hier in Deutschland ohnehin jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt wird. 

Wo aber verläuft die Grenze zwischen nationaler Souveränität und Brüsseler Eingriffsrechten? In Zeiten der Euro-Krisen und (erhofften) -Rettung, der raschen Beschlüsse über Milliardenbeträge, mit weitreichenden Konsequenzen für den steuerzahlenden Bürger, mutet es seltsam an, wenn ein so offensichtliches und lang tradiertes Missverhältnis der Geschlechter an der Führungsspitze nicht in die Zuständigkeit von Brüssel fallen sollte.

Ganz seltsame Blüten treibt diese Debatte nun in der EZB, die – wenn es Brüssel nicht tut – Staaten vor der Pleite retten soll. Ganz unverhofft entdecken die Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Straßburg ihr Herz für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Direktorium der Europäischen Zentralbank. 

So scheint es! Mit der „Erkenntnis“, dass nun doch die Zeit für eine Frau im z. Z. durchweg männlich besetzten Führungsgremium gekommen sei, musste der EZB-Kandidat Yves Mersch eine Niederlage bei der Abstimmung über seine Nominierung in das Direktorium hinnehmen. Luxemburgs amtierender Notenbankchef gilt als kompetent und fachlich über alle Zweifel erhaben, aber den Nehmerländern als unbequem. 

Pikanterweise wäre Mersch damit einer der ersten Männer, dem ein Amt an der Spitze aufgrund seines Geschlechts versagt werden könnte. (Vielen kompetenten und qualifizierten Frauen dürfte die Situation umgekehrt durchaus bekannt vorkommen.)

Aber wie so oft bei politischen Entscheidungen überlagern sich verschiedenste Interessen und gehen eine seltsame Melange ein. Quotenbefürworter im linken Lager stimmten gegen den Kandidaten, mit dem berechtigten Argument, dass es 2012 nur ein Anachronismus sein kann, wenn im Vorstand der Europäischen Zentralbank nicht eine einzige Frau sitzt und dass das bis 2018 so bleibt. Bis zum nächsten anstehenden Wechsel wären die Männer im mächtigen Direktorium wieder unter sich. 

Andere Abgeordnete surften dagegen ganz bequem auf der Quotenwelle mit, um den Kandidaten – wohl eher ein Unterstützer von Draghis strengen Bedingungen – aus dem Entscheidungsgremium herauszuhalten. Spaniens Konservative versagten z.B. die nötigen Stimmen. Honi soit qui mal y pense.

Wenn's nicht so traurig wäre, könnte frau lachen. Die Quote ist nicht einmal beschlossen oder gar umgesetzt und schon als Politikum dem Missbrauch preisgegeben. So nicht!

Erste Frage: Hätte dieser Schildbürgerstreich in dieser Form gelingen können, wenn das sechsköpfige Direktorium der Europäischen Zentralbank zu 30 oder gar 40 Prozent aus weiblichen Mitgliedern bestünde? Also mindestens zwei Frauen dabei wären. 

Es gäbe sie, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung herausgefunden hat – vier sogar: Lucrezia Reichlin, Beatrice Weder di Mauro, Hélène Rey und Anne Sibert.

Zweite Frage: Wie würde Europas Finanz- und Wirtschaftspolitik überhaupt heute aussehen, wenn die Entscheidungsebene von Unternehmen, Behörden, Institutionen und Ministerien zu mindestens einem Drittel durch Frauen ausgefüllt wäre?

Keine weitere Fragen – Schluss mit dem Konjunktiv.

Neuer EZB-Direktor
Warum Yves Mersch scheitern musste
Der Luxemburger Yves Mersch galt als idealer EZB-Direktor – bis er in die Mühlen der Frauenquote geriet. Doch tatsächlich geht es nicht nur ums Geschlecht, sondern auch um geldpolitische Prinzipien. Von Stefanie Bolzen und Sebastian Jost

Besetzung des EZB-Direktoriums
Vier Frauen für die EZB
Männer regieren die Zentralbank. Das wäre nicht nötig: Lucrezia Reichlin, Beatrice Weder di Mauro, Hélène Rey und Anne Sibert wären nur einige Kandidatinnen für einen Posten im EZB-Direktorium.
Von LISA NIENHAUS

Links zur 43. Kalenderwoche


Kristina Schröder eröffnet erste internationale Konferenz zum Thema Männerpolitik
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat am 22. Oktober in Berlin die erste internationale Konferenz zum Thema Männerpolitik eröffnet. Die Tagung wird vom Bundesfamilienministerium und dem österreichischen Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz ausgerichtet. 


Politik:

EU will mehr Macht für Frauen – oder auch nicht
Die Entscheidung über mehr weibliche Aufsichtsräte ist vertagt. Das Gezerre um die Quote geht also unvermindert weiter, die Fronten sind verhärtet
Von Stefanie Bolzen
Der Luxemburger Yves Mersch soll nicht ins Direktorium der Europäischen Zentralbank einziehen – weil er ein Mann ist

Kristina Schröder
Frau Ministerin macht Männern Mut
Von Jannis Brühl, Berlin
Mit den Frauenrechtlerinnen hat Kristina Schröder Ärger. Auch weil sie sich um die Gleichberechtigung der Männer sorgt. Bei ihrer ersten Konferenz zum Thema pocht die Familienministerin auf mehr männliche Kita-Mitarbeiter. Und räumt Ängste der Frauen aus, sie könnten darunter leiden.

Deutschland rutscht bei der Gleichstellung ab
Das Thema Gleichberechtigung steht auf der politischen Agenda ganz oben, doch getan hat sich wenig: Im weltweiten Vergleich stieg Deutschland auf den 13. Platz ab. Sieger sind die nordischen Länder.
Von Ileana Grabitz
Seit Jahren diskutieren Politiker darüber, wie man in den verschiedensten Lebensbereichen die Gleichstellung von Männern und Frauen bewerkstelligen kann. Doch wie der diesjährige "Global Gender Gap Report" nahe legt, ist der Graben zwischen den Geschlechtern trotz aller Bemühungen nahezu unverändert geblieben.

Bündnis findet Partner
Guten Tag, Lahn-Dill-Kreis (24.10.2012, PM) Knapp fünfzig Landkreise und kreisfreie Städte hatten sich Ende letzten Jahres um die Gründung eines vom Bundesfamilienministerium geförderten regionalen Bündnisses „Mehr Frauen in Führungspositionen“ beworben. Einen der zehn Zuschläge hatte der Lahn-Dill-Kreis erhalten. Landrat Wolfgang Schuster hat jetzt sieben namhafte heimische Unternehmen als Bündnispartner begrüßen können.

Streit um Frauenquote: Reding sagt Präsentation ab
EU-Kommissarin wollte gesetzliche Regelung vorstellen
Die Präsentation von Vorschlägen der EU-Kommission für eine Frauenquote in Aufsichtsräten ist wegen eines Streits unter den Kommissaren kurzfristig vertagt worden. "Ich werde nicht aufgeben", kündigte die federführende Justizkommissarin Viviane Reding über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter an.

Kein Sieg für die Frauen
Von Stefanie Bolzen
Mit dem Votum gegen Yves Mersch haben die EU-Abgeordneten nicht nur der Frauenquote, sondern auch sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Die Europäische Union geht durch die schwerste Krise ihrer Geschichte, und die Zentralbank spielt bei deren Überwindung eine fundamentale Rolle. Hilft es da dem Projekt Frauenquote, wenn eine Postenbesetzung zum politischen Spielball wird?

Frauen in Führungspositionen:
Frauenquote erzeugt ungewohnten Applaus im Bundestag
Gesetzliche Vorgaben für eine weibliche Besetzung von Führungspositionen sorgen weiter für Zündstoff. Im Bundestag wurde darüber emotional debattiert. Die Opposition jubelte einer CDU-Rednerin zu.
Koalition und Opposition haben sich im Bundestag einen heftigen Schlagabtausch über eine Frauenquote in Spitzenpositionen von Unternehmen geliefert. In einer emotional geführten Debatte lehnten die meisten Redner von Union und FDP diese Pläne am Freitag strikt ab.

Unions-Frauen für Quotenmodell aus Hamburg
Berlin. Koalition und Opposition haben sich im Bundestag einen heftigen Schlagabtausch über eine Frauenquote in Spitzenpositionen von Unternehmen geliefert. In einer emotional geführten Debatte lehnten die meisten Redner von Union und FDP diese Pläne strikt ab. Allerdings wurde in der Aussprache auch ein Riss in der Union deutlich. Unter dem Beifall von vielen Unionsfrauen warb die CDU-Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker offensiv für solche Vorgaben. Frauen in Top-Positionen der Wirtschaft seien kein "Luxusthema", erklärte sie an die Adresse auch der vielen männlichen Quoten-Gegner in den eigenen Reihen.


Hauptstadt:

Gemeinsame Presseerklärung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater
Frauen in Führungspositionen: Bundesfamilienministerin betont Verantwortung der Personalberater
Berlin, 26. Oktober 2012 (bdu) - Die Branche der Personalberatung ist ein entscheidender Schlüssel zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen innerhalb von Wirtschaft und Verwaltung: Das ist das Fazit eines Spitzengesprächs zwischen Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, dem Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), Antonio Schnieder, und dem Vorstandsmitglied des BDU-Fachverbandes Personalberatung, Dr. Regina Ruppert anlässlich der heutigen Übergabe einer entsprechenden Selbstverpflichtungserklärung der Personalberatungsunternehmen im Verband.

Kontroverse um eine Frauenquote in Aufsichtsräten
Eindringlich haben Sozialdemokraten und Grüne am Freitag, 26. Oktober 2012, an die Koalitionsfraktionen appelliert, ihre Abgeordneten in einer Abstimmung über die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vom Koalitionszwang zu befreien. Die Frage der Frauenquote sei eine Gewissensentscheidung.


SPD und Grüne fordern gesetzliche Frauenquote in DAX-Aufsichtsräten
Recht/Gesetzentwurf
Berlin: (hib/AW) SPD und Bündnis 90/Die Grünen fordern die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in den Aufsichtsräten DAX-notierter Unternehmen. Der gemeinsame Gesetzentwurf der Oppositionsfraktionen (17/11139) sieht die zweistufige Einführung einer Mindestquote von zunächst 20 und später 40 Prozent vor. Um diese Quote zu erreichen, soll eine Übergangsfrist von elf Jahren gewährt werden.

SPD will Alleinerziehende stärker unterstützen
Familie, Senioren, Frauen und Jugend/Antrag
Berlin: (hib/AW) Die SPD-Fraktion fordert die Bundesregierung auf, ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen, um die Situation der Alleinerziehenden in Deutschland zu verbessern. In ihrem Antrag (17/11032) verweist sie darauf, dass sich deren Anteil in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt habe.

Linksfraktion will Unterhaltsvorschuss ausweiten
Familie, Senioren, Frauen und Jugend/Antrag
Berlin: (hib/AW) Nach dem Willen der Fraktion Die Linke soll der Bezug von Unterhaltsvorschuss ausgeweitet werden. So müsse das derzeit geltende Höchstalter zum Bezug von Unterhaltsvorschuss vom zwölften auf das 18. Lebensjahr erhöht und die Beschränkung des Bezuges auf 72 Monaten ersatzlos gestrichen werden.


Wirtschaft:

Quote für Frauen in der Wirtschaft gescheitert - Frauen brauchen weder Quoten noch Gender-Diktate
von FOCUS-Online-Korrespondentin Martina Fietz
Chancengleichheit besteht. Frauen brauchen kein staatliches Förderprogramm – aber auch keine Vorgaben, in welche Berufe und Positionen sie vordringen sollten.


Gesellschaft:

DFB-Frauen holen erneut Remis beim Erzrivalen
Angeführt von der Doppel-Torschützin Dzsenifer Marozsan haben die deutschen Fußballerinnen auch in der zweiten Partie des Länderspiel-Doppelpacks gegen die USA ein Remis geholt.
Angeführt von der zweifachen Torschützin Dzsenifer Marozsan haben die deutschen Fußballerinnen auch in der zweiten Partie des Länderspiel-Doppelpacks beim Erzrivalen USA ein Remis geholt.

Höhere Kfz-Prämie für viele Frauen ab dem 21. Dezember
Ein Gerichtsurteil verbietet den Versicherern die tarifliche Ungleichbehandlung
Ab dem 21. Dezember dieses Jahres zahlen viele Frauen mehr für ihre Kfz-Versicherung als zuvor. Das ist die Konsequenz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Es besagt, dass Männer und Frauen in den Versicherungstarifen gleichzustellen sind. Damit sind die Versicherer verpflichtet, ihre Klauseln entsprechend anzupassen.

Frauen nutzen Riester-Förderung mehr als Männer
Sind Frauen besorgter um ihre Rente? So könnte man meinen - wenn man die Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen sieht. Demnach sind Frauen beim Riestern aktiver als Männer.
Mehr Frauen als Männer nutzen die staatliche Riester-Förderung. So stellen sie rund 57 Prozent der Zulageempfänger, berichtet der Infodienst "Bauen und Finanzieren" der Landesbausparkassen (LBS) unter Berufung auf Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA).

Neue Studie
Der perfekte Frauen-Tag
BREMEN – Den ganzen Tag mit Wellness verbringen! Oder acht Stunden am Stück shoppen! Das wäre für Frauen der Himmel auf Erden – glauben jedenfalls ihre Männer. Doch denkste! Ohne das stressige Jonglieren von Job, Kindern und Haushalt würde der perfekte Tag, von dem Frau träumt, ganz anders aussehen.

Eine Frau gewinnt erste Meisterschaft im Einparken
Sie kam, kurbelte und siegte: Mit Sabine Langer aus Düsseldorf haben Deutschlands Männer ihre Meisterin gefunden.
Kleine Frage: Warum leben Frauen eigentlich länger als Männer? Weil ihnen die Einparkzeit gutgeschrieben wird!
Witze über das weibliche Geschlecht und sein (angebliches) Problem mit Parklücken gibt es viele. Bücher wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" widmen sich ausführlich dem Phänomen und scheuen dabei kein Klischee.


Literatur:

Manifest "Fleischmarkt" von Laurie Penny
Frauen als Vieh
Von Antonia Kurz
Immer noch werden überall Schokoriegel lustvoll in weibliche Münder geschoben: In ihrem zornigen Manifest "Fleischmarkt" analysiert die 25-jährige britische Bloggerin Laurie Penny Themen von sexistischer Werbung bis hin zu Schlankheitswahn und Pornografie - und fordert den weiblichen Widerstand.


Gesundheit:

Viele Frauen haben Probleme mit der Zeitumstellung
Berlin - Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit macht einer Umfrage zufolge besonders Frauen zu schaffen. 46 Prozent haben wegen der Zeitumstellung kurzzeitig Probleme mit dem Schlafrhythmus, bei den Männern sind es 36 Prozent, wie aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH-Allianz hervorgeht.

Rechtzeitiger Rauchstopp bringt Frauen viele Lebensjahre
Bis zu 35-Jährige gewinnen beim Aufhören zehn Jahre
Frauen, die im mittleren Alter mit dem Rauchen aufhören, können laut einer Studie viele Lebensjahre gewinnen. Raucherinnen, die vor ihrem 40. Geburtstag dem Tabak abschwören, gewinnen neun Lebensjahre gegenüber weiterrauchenden Frauen, wie die in der britischen Medizinzeitschrift "Lancet" veröffentlichte Untersuchung von mehr als einer Million Britinnen ergab.

Pflegeberufe bleiben Frauendomäne
Wiesbaden – In Deutschland interessieren sich nach wie vor überwiegend Frauen für Pflegeberufe: Im vergangenen Jahr war nur jeder fünfte Ausbildungsanfänger in den Pflegeberufen ein Mann, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.


Ausland:

Die Frau, die syrische Rebellen das Kämpfen lehrte
Zubaida al-Meeki war eine der ersten Offizierinnen, die von Assads Armee desertierte. Danach kämpfte sie als eine von wenigen Frauen aufseiten der Rebellen.
Zubaida al-Meeki kehrte der syrischen Regierung Anfang Jahr den Rücken: Sie habe die Gräueltaten nicht mehr mit ansehen können, von denen sie als Offizierin in Assads Armee Zeugin wurde, sagt sie gegenüber dem arabischen Nachrichtensender al-Jazeera.

US-WAHLKAMPF
Kommentar zu Abtreibung drängt Romney in Defensive
Ein Parteikollege hatte Schwangerschaft nach Vergewaltigung "von Gott gewollt” genannt. Obama kostet die Panne nun für seine Zwecke aus.
Von Donna Cassata
Washington. Eigentlich hatte Mitt Romney gehofft, sich in den wenigen verbliebenen Tagen des US-Wahlkampfs wieder ganz auf die Wirtschaft zu konzentrieren. Mit der weiterhin hohen Arbeitslosenquote wollte er Präsident Barack Obama versuchen in Bedrängnis zu bringen. Doch jetzt hat ein republikanischer Parteikollege ihn mit einer Aussage zu Vergewaltigungen in die Defensive gedrängt.

Global Gender Gap: Türkei belegt nur Rang 129
Deutsch Türkische Nachrichten
Der Global Gender Gap 2012 zeigt, dass es in der Türkei weiterhin schlecht um die Gleichstellung der Geschlechter steht. Aus dem Bericht geht hervor, dass sich so gut wie gar nichts in diesem Bereich tut. Frauen sind weiterhin auf bestimmte Berufe konzentriert, in anderen wiederum sind sie fast gar nicht vertreten, da bestätigt auch das Türkische Statistikamt.

Kampf um Gleichberechtigung: Arabische Frauen rufen virtuellen „Frühling“ aus
Deutsch Türkische Nachrichten
Der Arabische Frühling dient ihnen als Vorbild, doch gleichzeitig fürchten sie die Rache der Islamisten. Arabische Cyberaktivisten haben sich nun dem Kampf für Frauenrechte verschrieben. Auf Facebook starteten sie Anfang Oktober eine Kampagne, die die „Diskriminierung“ von Frauen in der arabischen Welt an den Pranger stellt.

Pussy Riot
Frauen in Straflager verlegt
Moskau - Die wegen ihres Protests gegen Kremlchef Wladimir Putin zu zwei Jahren Haft verurteilten Mitglieder der Moskauer Band Pussy Riot sind in weit entfernte Straflager verbannt worden. Die beiden jungen Mütter sollen Berichten zufolge ihre international kritisierte Haftstrafe Hunderte Kilometer von ihren Familien entfernt absitzen.