Freitag, 8. Februar 2013

"Sex sells"? Quotendebatte: Teil...? Helau und Alaaf!


Kabarettisten und Politsatiriker haben es leicht dieser Tage. Einfach Zeitung oder besser – Zeitschriften – lesen und fertig ist das Programm.
Der Stern entlarvt gewisse Anzüglichkeiten, die sich eine seiner Journalistinnen zu fortgeschrittener Stunde in der Hotelbar von Rainer Brüderle hat gefallen lassen müssen als sexistisch. Skandal? 
Ein Jahr nach den Ereignissen und pünktlich zum beginnenden Wahlkampf? Wohl eher Timing. Und trotzdem: ist eine Frau jung und hübsch, der Mann in einer hierarchisch höheren Position – tatsächlich oder gefühlt – und die Atmosphäre locker, können Grenzen sehr leicht sehr elastisch werden. Nichts gegen ein nettes Kompliment, aber die Sensibilität dafür, wann der verbale Übergriff beginnt, fehlt gelegentlich. 
Die Meinungen gehen auseinander. Frauen, die sich in ihren Grenzen verletzt fühlen, sollten sich nicht so "anstellen", meinen die einen (nicht nur Männer!), ein Gespräch auf Augenhöhe im Wortsinne muss doch jederzeit möglich sein, die anderen (auch Männer!). Dass eine Frau mit einem Kommentar zur körperlichen Beschaffenheit des Mannes die Konversation etwas auflockern möchte und z.B. ihre Ansicht zu Brustbehaarung oder Erfolgen im Fitnessstudio ihres Gegenübers äußert (um anatomisch im diskutierten Bereich zu bleiben), dürfte mit Recht Befremden auslösen.
Dass nun ausgerechnet der Stern mit einer Sexismusdebatte die moralische Sensibilität und vielleicht auch die Verkaufszahlen erhöhen will, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt wohl kaum ein Cover ohne eine attraktive junge Frau, die sehr leicht oder gar nicht bekleidet für ein beliebiges Thema des kritischen Journalismus zu werben hat. Zuweilen in so provozierender Haltung, dass die Zeitschrift vom Unkundigen leicht mit Blättern eines ganz anderen Genres verwechselt werden könnte.
Überhaupt zeigt sich in diesen Wochen, wie sich die etablierte Männerquote von rund 98 Prozent in den Chefredaktionen auswirkt. Das Magazin Focus titelte mit Starken Frauen, die bekennen: "Wir wollen keine Frauen-Quote!" Und wieder muss das Klischee, Quote oder Leistung für vermeintliche Kritik herhalten. 
Wer aber sind die starken Frauen, die es allein geschafft haben, ganz ohne Quote? Eine Schauspielerin, kommt sehr wahrscheinlich nie für eine männliche Rolle infrage. Eine Skiläuferin, wird sich im Wettlauf um die Zeit nach den gegebenen Regeln wohl eher gegen KonkurrentINnen durchsetzen müssen? Eine Moderatorin, hat im harten Mediengeschäft durchaus eine Altersquote zu fürchten, die wohl eher männlicher Beurteilung obliegt und für ModeratorEN und NachrichtensprechER wesentlich großzügiger ausfällt. Folgt man dem Argument, dass Quotenfrauen  nicht qua Leistung sondern allein dank einer gesetzlichen Regelung auf den Chefsessel gelangen, wie wäre dann mit Trägerinnen der Namen Wagner (Festspielchefin Bayreuth), Quandt (Vorsitzende der Harald Quandt-Holding), und Cramer (Geschäftsführerin Warsteiner/Haus Cramer KG) umzugehen ....?
Die Frauen, die ihren Aufstieg allein ihrer Leistung verdanken, werden mit Statements zitiert, die durchaus nicht im Widerspruch zu einer Quote stehen:
"Damit wirklich mehr Frauen in Führungspositionen kommen, müssten sich Managementstrukturen ändern" (Johanna Hey, Professorin für Steuerrecht)
"Viel wichtiger ist es, Frauen aus dem mittleren Management zu entwickeln, damit sie für Top-Jobs in Frage kommen." (Regine Stachelhaus, Personalchefin von E.ON)
(FOCUS, 14. Januar 2013, Nr. 03/13, S.36-47)
Aha! Genau darum geht's! Weiterführend ließe sich noch fragen, welche Führungsqualitäten überhaupt als solche anerkannt werden? Wie verlaufen Rekrutierungsprozesse (vgl. Blogbeitrag vom 09.12.12)
Das anonym geschriebene Buch einer Topmanagerin, die sich weder als Autorin noch im Interview zu erkennen gibt, vermittelt ein sehr realistisches Bild vom steinigen Weg, den Frauen in die Toppositionen zu bewältigen haben. Das Äußere kann dabei nur selten ausgeklammert werden. Große Frauen haben zwar das Glück von männlichen Kollegen und Vorgesetzen eher für voll genommen zu werden als kleine und schmale, aber wehe sie tragen High Heels und überragen ihr männliches Gegenüber. Ist eine Frau sehr attraktiv, ist es ihr nahezu unmöglich die Aufmerksamkeit auf ihre fachliche Kompetenz zu fokussieren; ist sie es zu wenig, hat sie häufig mit Ablehnung seitens der männlichen Entscheidungsträger zu rechnen. Und wie definiert sich Qualifikation...?

"FAS: Hilft die Quote?"
Anonyma: Ja, weil zu oft nach männlichen Kriterien befördert wird. Es heißt: ist die Person selbstbewusst, entschlussfreudig, durchsetzungsstark? Nie habe ich in Auswahlprozessen gehört: Welcher Kandidat geht gut mit Mitarbeitern um? Wer ist kooperativ oder sprachlich begabt?" (F.A.S.  03. Februar 2013, Nr. 5, Wirtschaft S. 26)




Der satirische Blick auf's Thema:





Sonntag, 23. Dezember 2012

Das Göttliche, die Göttin, der Gott.....


So wäre es grammatikalisch wohl ungefährlich. An den vehementen Reaktionen lässt sich ablesen, dass Kristina Schröder an Grundfesten gerüttelt haben muss. DER GOTT heißt es oder: DER VATER – basta. So haben wir es gelernt. Sich ausgerechnet jetzt ein "DAS GOTT" vorstellen zu müssen, das seinen Sohn auf die Erde schickt? Nein! Das geht zu weit! So wurde der Bundesfamilienministerin für die geschlechtsneutrale Form direkt aus dem Vatikan "religiöser Analphabetismus" beschieden. 
Religion richtig buchstabiert, hieße demzufolge, die geistigen oder auch göttlichen Prinzipien oder schlicht den "Logos" ausschließlich männlich zu begreifen: der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Göttinnen sind erfolgreich mit dem sog. Heidentum abgeschafft worden. Wenigstens Maria hat im "Rosenkranz"-Gebet überlebt. 
Sprache und die damit evozierten Vorstellungen wirken mächtig und bilden Identität. Erklärte Atheisten lehnen den Glauben an einEN Gott ab und zweifeln, dass ein "Vater" oder gar "Herr" in das Schicksal des Universums, der Welt oder in das persönliche eingriffe. Würde aber ein Göttliches, ein nicht personifiziertes Geistiges ebenso selbstverständlich negiert? Zugegeben ein "Vater" und ein "Sohn" lassen sich greifbarer vorstellen – im Guten wie im Schlechten; beim "heiligen Geist" wird's schon schwieriger – auch für viele religiöse Nicht-Analphabeten. 
In archaischen Stammeskulturen, in denen die drei monotheistischen Religionen entstanden sind, konnte Göttliches nur in seiner männlichen Ausprägung gedacht werden. Welcher Stammesältester hätte sich denn einer GöttIN unterworfen? Seit rund 3000 Jahren wird also die höchste Autorität – egal ob man/frau daran glaubt oder nicht – männlich buchstabiert. Wer an dieser Vorstellung rüttelt – und sei es aus Versehen, dank unbeholfener Grammatik und überbordender Genderkorrektheit, dem droht der verbale Scheiterhaufen. Seit mindestens 3000 Jahren wird schließlich auch Autorität auf Erden – kommt es zum Schwur – mit einem männlichen Repräsentanten identifiziert, nicht selten völlig unabhängig von dessen tatsächlicher Integrität oder Persönlichkeit, die eben echte Autorität ausmachen. Der Blick in die Wirtschaftsseiten der letzten Woche offenbarte so manche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten Start für ein gesundes und glückliches 2013.



Sonntag, 9. Dezember 2012

"Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung"



Von wegen flexibel! Die von Kristina Schröder verteidigte Flexiquote macht den Eindruck einer Mogelpackung, wenn die vermeintliche Elastizität mit einer Art Pranger flankiert wird. Selbstgesetzte Ziele und tatsächliche Erfolge sind nun dank der Webseite www.flexi-quote.de des Bundesfamilienministeriums öffentlich. 

Mit offenem Visier geht dagegen der Deutsche Juristinnenbund vor.
Nach den tatsächlichen Ursachen für den bestürzend geringen Frauenanteil in der Führungsetage fahnden mit dem Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ ehrenamtlich Mitglieder des djb. Ausgestattet mit dem Stimmrecht der Aktieneigentümerin oder auch des Aktieneigentümers stellten sie auch dieses Jahr auf 76 Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen empfindliche Fragen, deren Auswertung im November im Allianzforum vorgestellt wurde.

Konkrete Maßnahmen, wie mehr Frauen für die Wahl zum Aufsichtsrat vorgeschlagen werden können oder wie Frauen aus den eigenen Reihen für Vorstandspositionen vorbereitet werden, sollten seitens der Unternehmen benannt werden. Auch wollten die Juristinnen wissen, wie hoch der Frauenanteil unter den Beschäftigten ist und wie das Geschlechterverhältnis in den vier Führungsebenen unterhalb des Vorstandes. Ob Frauen in den Besetzungsgremien vertreten sind, wirkt sich z.B. entscheidend auf die weitere Entwicklung in den Aufsichtsräten aus. Anreizsysteme wie Bonuszahlungen, die an einer Erhöhung des Frauenanteils geknüpft sind, interessierten gleichfalls.

Die pauschalen und zum Teil recht ruppigen Antworten, folgen den üblichen Klischees - etwa dem der fehlenden ausreichend qualifizierten Frauen oder dem der mangelnden Bereitschaft, Führungsaufgaben in der Größenordnung überhaupt zu übernehmen. Hier lohnt ein näherer Blick auf das Rekrutierungsverhalten. Der Hinweis, beispielsweise, dass Wirtschaftsprüfer- und Rechtsanwaltskammern oder Datenbanken durchaus einen Fundus von 2044 Wirtschaftsprüferinnen und 51.585 Rechtsanwältinnen zur Verfügung stellen könnten, wurde wie folgt quittiert:

„Guter Hinweis.“

„Ich muss ehrlich sagen, gestehen, dass ich nicht im Traum daran denken würde, Kammern zu befragen. Nee, so viel Kenntnisse haben wir auch ohne Beziehung von Kammern.“

Aha!....  Qualifikation und nichts als Qualifikation....???
Pardon, aber das ist gelebte (Männer-)Quote und den damit verbundenen Automatismus, würden die meisten Frauen, v.a. jüngere, die noch fest an ihre Leistung glauben, für sich ablehnen. 
Stünde tatsächlich die Qualifikation im Vordergrund, wie stets behauptet, müsste auch mal vor die Tür geschaut werden. Und wenn schon nicht innerhalb des eigenen Unternehmens nach weiblichen Vorständen oder Aufsichtsratsmitgliedern gesucht wird (warum eigentlich nicht?), dann gibt es Datenbanken.

Da führende Posten meist mit Hilfe von Personalberatern besetzt werden, ließe sich der Aufwand spielend delegieren. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt jedoch, dass es zwei „Typen“ von Personalberatern gibt. Große, international agierende Unternehmen, seit langem am Markt, sind sowieso gegen jegliche Quote und halten Frauen von Chefetagen eher fern. Einem durch und durch männlich dominierten Wertekanon und Kommunikationsverhalten verpflichtet, begibt man sich erst gar nicht auf eine echte Suche, sondern selektiert bei Kaminabenden und in altbekannten Netzwerken – in der festen Überzeugung, dem Kundenwunsch in tradierter Qualität zu entsprechen. Das System ernährt sich selbst.

Den wenigen AnwärterINnen wird im Bewerbungsgespräch schnell klargemacht, dass sie dem Druck und den persönlichen Anforderungen nicht gewachsen sind. Und schließlich "stellt" sich heraus, dass diese Frauen entweder "noch nicht reif" für die Posten sind oder vor Führungsaufgaben zurückschrecken.
Sollte sie es doch ganz nach vorne schaffen, wie z.B. Angelika Dammann oder sollte es ihr sogar gelingen, wie Barbara Kux dank – zugegeben – rigider Maßnahmen erfolgreich am Sparziel bei Siemens mitzuwirken, stören sie offenbar gewohnte Routinen und "verlassen" das Unternehmen - aber wer würde vertraglich zugesicherte Privatflüge oder ein ambitioniertes Sparziel bei – sagen wir mal – einem Hartmut Mehdorn in Frage stellen.....

Kleiner Test zum Schluss: Nennen Sie in 30 Sekunden mindestens eine Person mit der Sie den Begriff Kompetenz verbinden. Ganz ehrlich, welcher Name taucht zuerst auf?
Diese Aufgabe wurde einer meiner Gesprächspartnerinnen in einem Seminar gestellt. Drei von rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fiel spontan eine Frau ein....
Kompetenz wird eben wie selbstverständlich männlich buchstabiert...

Bleibt also nach wie vor die Hoffnung auf Brüssel und auf jüngere und kleinere Personalberatungsunternehmen, die einer gesetzlichen Quote positiv gegenüberstehen und keine Scheu haben, über den Tellerrand zu sehen.


Mary Schapiro
Abschied eines unbeugsamen Bankenschrecks
Amerikas oberste Finanz-Wächterin hinterlässt ihrer Nachfolgerin viel Arbeit. SEC-Chefin Mary Schapiro hat dieWall Street wieder das Fürchten gelehrt.
Sie war die erste Frau an der Spitze der US-Bankenaufsicht. Und sie lehrte den Banken wieder das Fürchten vor der Security and Exchange Commission (SEC).

Trennung von Barbara Kux:
Siemens trennt sich von Vorstandsfrau
Die erste Frau im Siemens-Vorstand erhält keinen neuen Vertrag. Mit der Trennung von Barbara Kux muss die Konzernführung einen eigenen Fehlgriff eingestehen.
von Angela Maier