Mittwoch, 12. Oktober 2011

Das waren die 39. & 40. Kalenderwoche: "bei gleicher Qualifikation" - Friedensnobelpreis



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"Bei gleicher Qualifikation werden bevorzugt Frauen eingestellt" soll in Stellenanzeigen potentiellen Bewerberinnen signalisieren, dass sie entweder ausdrücklich erwünscht sind oder dass ihnen die Tür offen steht, wenigstens theoretisch. Worin aber besteht diese (vermeintlich) gleiche Qualifikation? In der Fähigkeit bestimmten Abläufen zu folgen? Wie z.B. beim Autofahren, in der Lage zu sein, Kupplung, Gas- und Bremspedal zu beherrschen und zu wissen, wie und warum ein Blinker gesetzt wird? Oder bezieht sich der Begriff auf das Gesamtpaket "Autofahren", also auch auf das Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern? Gleiches Wissen wird offenbar von Frauen und Männern unterschiedlich angewendet, berücksichtigt man die nachweisbaren Erfolge gemischter Teams.  So bequem einheitliche Maß-Stäbe sein mögen, so wenig taugen sie, um z.B. die bei Kindererziehung, Ehrenamt oder Angehörigenpflege erworbenen Fähigkeiten für den an Zahlen ausgerichteten Businessbereich einzuschätzen - bei Frauen wie bei Männern.
"Kulturrevolution" war das Motto des Tages, an dem 42 Unternehmen das Total-equality-Prädikat in Berlin entgegen nehmen konnten. Am letzten Dienstag wurde in Keynotes und Podiumsdiskussionen schnell deutlich, dass z.B. geradlinig verlaufende vom restlichen Leben kaum gestörte sog. "Kaminkarrieren" zunehmend zu den Auslaufmodellen gehören müssen. Eine Umstrukturierung der Unternehmenskultur birgt in der Praxis viele Hürden. Die in diesem Zusammenhang vorgestellte Untersuchung von KPMG zeigt aber, dass nicht nur Frauen an einer Integration von Berufs- und Familienleben interessiert sind, dass Karriere - auch unter gut qualifizierten Männern - nicht notwendig das alleinige Lebensziel ist. Der Weg zur gelebten gesellschaftlichen Realität allerdings ist weit; steht doch ein Wertesystem auf dem Spiel, dass sich im Wirtschaftsteil oder unter der Rubrik Vermischtes der Tagespresse verfolgen lässt. Jüngstes Beispiel: Léo Apotheker, den es offenbar in den sehr gut dotierten Spitzenposten nicht lange hält. Keine 12 Monate wirkt er als Chef bei SAP, als der Softwarehersteller sich "überraschend" (Handelsblatt) von ihm trennt und kaum 11 als Vorstandsvorsitzender bei Hewlett-Packard, nach einer "abrupten Ablösung" (FAZ). In beiden Unternehmen stimmten die Zahlen nicht und bei SAP wurde sein rüder Führungsstil - unter dem wohl auch Kunden zu leiden hatten - offensichtlich nicht geschätzt.  Was stimmt dann? Für Apotheker in jedem Fall der diamantene Handschlag mit dem ihn HP entlässt. Neben Abfindung, Umzugsbeihilfen, und Grundgehalt sorgt ein großzügiger "Pay-for-Results-Plan" für eine zusätzliche Ausschüttung von 2,4 Millionen US-Dollar. Results? HP-Aktien haben während der Amtszeit des Scheidenden mehr als 45 Prozent an Wert verloren. Auch ein Blick auf den Zeitraum verwundert. Hat sich SAP im Februar 2010 von seinem Chef getrennt, vollzieht sich der Abschied bei HP im September 2011.
Kompetenz? Qualifikation? Eher war wohl jener Automatismus wirksam, der Entscheider bei Einstellungen und Beförderungen nur den Kandidaten wählen lässt, in dem mann sich selbst wieder erkennt - Ähnlichkeitsprinzip genannt und Dank des drohenden Quoten-Schwerts zunehmend öffentlich reflektiert. Bevor eine Lea Apotheker Gelegenheit haben wird, Ähnliches zu vollbringen, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Die tatsächliche NachfolgerIN von Léo, Meg Whitman, soll dagegen nur einen Dollar verdienen und ihre Gratifikation in Aktienoptionen erhalten. Nun gut, es trifft keine Arme, der Unterschied aber ist deutlich. Es wird also noch viele Debatten brauchen - unter Frauen - um eigene Beurteilungskriterien zu finden: woran messen Frauen Führungsstärke und Kompetenz, wie sieht weibliche Souveränität aus und wie buchstabiert frau Überzeugung oder Durchsetzungsfähigkeit? Es gilt, zu einem selbstverständlichen Selbst-Bewusstsein zu gelangen, das frau nicht reflexartig in die Nettigkeitsfalle tappen und nicht angestrengt eine z.T. unauthentische Toughness vor sich her tragen lässt.
Kulturrevolution? Kulturrevolution! Der Friedensnobelpreis ist in der letzten Woche drei Frauen verliehen worden. Frauen, die in ihren Ländern zum Frieden, zu wirtschaftlichem Aufstieg und zu einer zur Befreiung einer jegliche Entwicklung erstickenden Diktatur beigetragen haben und es noch tun, mit ungewissem Ausgang. Frauen, die in einer ausgeprägten Männergesellschaft ihren eigenen Werten gefolgt sind. Oslo sei Dank, dass die Verdienste und der Mut von Leymah Roberta Gbowee (Liberia), Ellen Johnson-Sirleaf (Liberia) und Tawakkul Karman (Jemen) internationale Ehrung erfahren. Doch der Weg ist weit: jemenitische Frauen, mussten ihre Freude teuer bezahlen. 40 Verletzte ist die traurige Bilanz ihrer Demonstration, die am Montag mit Steinen und Flaschen attackiert wurde.



FRIEDENSNOBELPREIS:
Friedensnobelpreis für drei Frauenrechtlerinnen
Friedensnobelpreis für drei Frauen – Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die Menschenrechtlerin Leymah Gbowee und Tawakkul Karman aus dem Jemen.
Der Friedensnobelpreis belohnt in diesem Jahr drei Frauen aus Afrika und der arabischen Welt für ihren Kampf gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung von Frauen.

Die Vergabe des Friedensnobelpreises: Eine gute Wahl
Von Lutz Warkalla
Das hat es noch nie gegeben: Gleich drei Frauen werden in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet - in der gesamten Geschichte des Preises wurde diese Ehre zuvor nur zwölf Frauen zuteil.
Die Auszeichnung in diesem Jahr hat - nicht nur, was die Zahl der Geehrten betrifft - eine dreifache Dimension: Sie stärkt (mit der Preisvergabe an die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf) Frauen, die sich weltweit für eine faire Teilhabe in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik auf allen Ebenen einsetzen.

Frauen-Power: Sanft, aber gewaltig
Autor: Jens Wiegmann;Eva Marie Kogel;Christian Putsch
Das Nobelpreis-Komitee in Oslo ehrt in diesem Jahr drei Frauen: die Präsidentin Liberias, eine Aktivistin aus demselben afrikanischen Land und eine Anführerin der Proteste im Jemen

Obama will nach Nobelpreisvergabe mehr Macht für Frauen
USA fordern Freilassung von Chinesem Liu Xiaobo
Nach der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an drei Frauen aus Liberia und dem Jemen hat US-Präsident Barack Obama für mehr weibliche Führungspersönlichkeiten geworben. Der Preis für Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, die ebenfalls aus dem Land stammende Friedensaktivistin Leymah Gbowee und die Menschenrechtsaktivistin Tawakkul Karman aus dem Jemen mache deutlich, dass mehr Frauen in leitenden Positionen "für alle ein Gewinn" seien, sagte Obama.

Drei starke Frauen
Der Friedensnobelpreis ehrt furchtlose Streiterinnen für Demokratie und Frauenrechte
Zum ersten Mal ist der Friedensnobelpreis an drei Frauen vergeben worden. Die Lebensläufe der Preisträgerinnen sind sehr unterschiedlich. Ihnen gemeinsam ist der Mut, sich gegen Unrecht aufzulehnen.
Kopenhagen.

Friedensnobelpreis 2011: "Kein Frieden ohne Frauen"
Quelle: Barbara Unmüßig
Drei Frauen engagieren sich gewaltfrei gegen Krieg und Gewaltherrschaft und für Demokratie und Frauenrechte.
"Wir freuen uns über die Entscheidung des Friedensnobelpreiskomitees, den diesjährigen Friedensnobelpreis den drei Frauenrechtlerinnen Leymah Roberta Gbowee (Liberia), Ellen Johnson-Sirleaf (Liberia) und Tawakkul Karman (Jemen) zu verleihen.

Frauendemo im Jemen angegriffen
Sanaa. Jemenitische Regierungsanhänger haben einen Freudenumzug von Frauen anläßlich des Friedensnobelpreises für die Journalistin Tawakkul Karman angegriffen.

Mehr zur weiblichen Bewertungskriterien unter:

KERSTIN PLEHWE: FEMALE LEADERSHIP
Die Macht der Frauen
In ihrem neuen Buch “Female Leadership – Die Macht der Frauen” hat sich die Publizistin Kerstin Plehwe herausragende Frauen und Vorbilder aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur herausgegriffen.

Zum Frauen- und Mädchentag: International renommierte Dialog-Expertin Kerstin Plehwe kommt am 4. Oktober nach Seckach
Wichtig ist der Mut zur Authentizität
Von unserem Redaktionsmitglied Maria Gehrig

Autor: Andrea Seibel
Das erotische Kapital mächtiger Frauen
Wer charmant ist, ist auch attraktiver. Die britische Soziologin Catherine Hakim erforscht das "erotische Kapital". Ein Gespräch über Sex und Macht.
Ihre These, dass Attraktivität und Ausstrahlung im Zusammenspiel mit Intelligenz, Bildung und sozialer Kompetenz die Gesamterscheinung eines jeden Menschen bestimmen, wird reduziert auf die Botschaft, Frauen könnten sich hochschlafen, wer schön ist, verdiene besser. Hakims Buch, inzwischen ein Bestseller, wirft aber eine tiefere Frage auf: Gibt es eine Eigenschaft, die wir nicht ernst genug nehmen – „erotisches Kapital“?

Schwarzer: Das Problem der Frauen sind die Frauen
ANNA-MARIA WALLNER UND BETTINA STEINER (Die Presse)
Die deutsche Feministin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hat ihre Memoiren geschrieben. Bevor sie ihren „Lebenslauf“ am Dienstag in Wien vorstellt, beantwortete sie der „Presse“ per E-Mail einige Fragen.

Politik:

Piratenpartei stellt sich vor
Die drei Fragezeichen
von Hubertus Volmer
Alle Welt spricht über den Euro, nur die Piraten haben dazu keinen Beschluss. Politsprech können sie auch, es klingt nur deutlich anders. "Wir haben kein Programm anzubieten, sondern ein Betriebssystem", sagt die Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband.

Frauen und der Silberschatz des Alters
Fachkräftemangel: Arbeitsministerin wirbt für einen Umbau der Lebens- und Arbeitsbedingungen
Volles Haus auf Schloß Kapfenburg: Die Unternehmerschaft Ostwürttembergs war zum Fachkräfteforum gekommen und hörte kompakte Kurzreferate auf dem Podium und eine intensive Rede der Bundesministerin Ursula von der Leyen.

Bündnis 90/Die Grünen
Ohne Quote bleiben Frauen außen vor
Zu den Äußerungen von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, in dieser Legislaturperiode keine Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen einführen zu wollen, erklärt Astrid Rothe-Beinlich, Frauenpolitische Sprecherin und Mitglied des Bundesvorstands von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:


Politik international:

WAHLRECHT IN SAUDI-ARABIEN
Ein großer Schritt für saudische Frauen
Frauen dürfen ab 2015 als Wählerinnen und Kandidatinnen zu den Bezirksräten antreten. Sie sollen sogar im Schura-Rat sitzen, einem Gremium, das den König berät.
VON KARIM EL-GAWHARY
SAUDI-ARABIEN taz | Jetzt schlägt auch noch die Stunde der Frauen. König Abdullah hat den dortigen Frauen erstmals politische Rechte eingeräumt. Sie dürfen bei den nächsten Bezirkswahlen als Kandidatinnen und Wählerinnen teilnehmen und sie dürfen fortan im Schura-Rat sitzen, einem beratenden Gremium, das dem König zur Seite steht.

Kommunales Frauenwahlrecht
Saudi-Arabiens Alibi-Reförmchen
Von Abdel Mottaleb El Husseini
Überraschend hat der greise saudische Monarch Abdullah das kommunale Wahlrecht für Frauen eingeführt. Doch das ist kein Zeichen einer verspäteten politischen Einsicht, im Gegenteil. Gegen einen echten Erneuerungskurs wehrt sich das Königreich mit aller Macht - und viel Geld.
Riad - Der "Hüter der heiligen Stätte des Islam", wie er sich gerne nennt, geht in die Offensive: Der 87-jährige saudische König Abdullah Bin Abd al-Asis lenkte mit einem theatralischen Coup die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich.

Männer wählen Gemeinderäte in Saudi-Arabien
Kommunalwahl in Saudi-Arabien
Zweiter Urnengang in der Geschichte des Landes
Zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes wird in Saudi-Arabien eine Wahl abgehalten. Bei der Kommunalwahl, bei der erneut nur Männer stimmberechtigt sind, bewarben sich mehr als 5300 Kandidaten.

Lage von Frauen in Afghanistan verschlechtert
Zehn Jahre nach Beginn des internationalen Afghanistan-Einsatzes hat die Frauenhilfsorganisation medica mondiale eine verschlechterte Lage von Frauen in dem Land beklagt.
Die Gründerin der Organisation, Monika Hauser, kritisierte im Deutschlandradio Kultur, 80 Prozent der afghanischen Frauen würden heute zwangsverheiratet. Davon sei etwa die Hälfte jünger als 16 Jahre.

Per Zufall ins Protestzelt  Stav Shaffir kämpft für Sozialreformen in Israel
Von Andrea Nüsse
Berlin - Stav Shaffir kann eigentlich zufrieden sein. Die kleine zierliche Frau mit den langen, roten Haaren ist eines der öffentlichen Gesichter der sozialen Protestbewegung in Israel. Die 26-jährige Journalistin gehört zu der kleinen Gruppe, die am 14. Juli in Tel Aviv die ersten Zelte aufbaute, um für mehr Geld für Bildung und Wohnraum, eine Erbschaftssteuer und ein gerechteres Steuersystem zu demonstrieren.

LÄNDERVERGLEICH
Hier haben Frauen die meisten Chancen
ISLAND UND SCHWEDEN AN DER SPITZE – DEUTSCHLAND KOMMT NICHT UNTER DIE TOP 20
Seit Montag hat Dänemark eine neue Mitte-Links-Regierung. Die geht gleich die ersten Reformvorhaben an: Das Ausländerrecht wird gelockert, die Steuern sollen sozialer erhoben werden. Und auch sonst ist die Koalition progressiv.

Autor: Naomi Wolf
Frauenrechte, ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor
Insbesondere in den ärmsten Ländern dieser Erde werden Frauen unterdrückt. Doch gerade die Ungleichbehandlung von Frauen zementiert die Armut in diesen Ländern. Das Nachrichtenmagazin Newsweek veröffentlichte kürzlich die Titelgeschichte "Globaler Frauenfortschrittsbericht für 2011" mit einer Länder-Rangliste. Die obersten und die letzten Ränge entwerfen dabei das Bild zweier vollkommen unterschiedlicher Welten.

Glück: "Österreich ist ein Macho-Land"
Noch immer geben es Frauen am Arbeitsmarkt billiger als Männer. Warum die Politik wenig tut, weiß die Beraterin Heidi Glück.
Lange war Heidi Glück die Frau, die hinter Wolfgang Schüssel ihren Mann stand. Als Sprecherin und Beraterin des Ex-Kanzlers kannte sie Männerbünde von innen. Heute nutzt Glück ihr Wissen als Beraterin.



Frauensprecherinnen: "Töchter" 2012 in der Hymne
Der Antrag zur Änderung der Hymne wird bald im Parlament eingebracht. VP-Frauensprecherin Schittenhelm ist überzeugt, eine Mehrheit zu finden.
Die Frauensprecherinnen von ÖVP, SPÖ und Grünen zeigen sich überzeugt, dass die "Töchter" bereits 2012 in der Bundeshymne vorkommen werden, berichtete das Ö1-Mittagsjournal am Samstag. 

 http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/695745/Frauensprecherinnen_Toechter-2012-in-der-Hymne?from=gl.home_politik

Erste Frau an der Spitze der Notenbank
Maria Schaumayer wird 80
Wien. Eine große Frau der heimischen Politik und Wirtschaft feiert diese Woche ihren 80sten Geburtstag: Maria Schaumayer war die erste Frau an der Spitze der Nationalbank und zuletzt, von 2000 bis 2005, Regierungsbeauftragte für die NS-Zwangsarbeiterentschädigung. Seither hat sie öffentliche Auftritte eher gemieden, am heutigen Dienstag gibt es aber in der OeNB einen Festakt aus Anlass ihres Jubiläums.

Frauenquote in der polnischen Politik
Quotengesetz bringt nicht mehr Frauen ins Parlament
Von Elisabeth Lehmann
Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat ein Gesetz zur Frauenquote auf den Weg gebracht. Seitdem müssen mindestens 35 Prozent der Namen auf den polnischen Wahllisten weiblich sein. Doch die polnischen Frauen ziehen trotzdem nicht ins Parlament ein.

Polen im Wahlkampf
Engel, Hooligans und antideutsche Parolen
Von Christina Hebel
Wahlkampf-Endspurt mit Frauen und Ängsten: Der erzkonservative Jaroslaw Kaczynski macht Boden gut gegen Polens Ministerpräsident Donald Tusk. Der 62-jährige Junggeselle schmückt sich mit hübschen Mädchen, unterstellt den Deutschen Großmachtträume - und lobt polnische Hooligans als "Patrioten".

Wirtschaft:

Autor: Gesine Schwan
Mehr Chefinnen braucht das Land
Familienunternehmen übernehmen bei der Förderung eine Vorbildrolle und geben gesellschaftliche Impulse. Damit setzen die meisten mittelständischen Firmen auch in der Personalpolitik auf nachhaltiges Handeln
Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen eine immer größere Rolle

Mittelstand ist spitze
Gleichberechtigte Aufstiegschancen bieten Vorteile im Wettbewerb
Jedes fünfte kleinere und mittlere Unternehmen hat einen weiblichen Vorstand
Während in Wirtschaft und Politik weiterhin heftig über Quoten für Vorstandsetagen diskutiert wird, haben Frauen die Führungsebenen längst erreicht - zumindest im deutschen Mittelstand. Tendenz: weiter steigend. Damit gibt der Mittelstand nach Angaben von Ursula von der Leyen (CDU) ein positives Signal.

Personalien mit großer Symbolkraft
Autor: Ileana Grabitz
Ileana Grabitz über Frauen in Dax-Vorständen
Man könnte den Eindruck bekommen, die deutsche Wirtschaft sei auf den Geschmack gekommen: Jahrzehntelang tat sich so gut wie gar nichts beim Thema Frauenförderung. Allen treuherzigen Bekundungen zum Trotz blieben die Führungsetagen fast allein den Herren vorbehalten. Inzwischen jedoch ist tatsächlich Bewegung in die Sache gekommen. Wohl auch weil die Politik - getrieben vom Fachkräftemangel - die Wirtschaft mehr denn je unter Druck setzt, weibliche Talente bei der Besetzung von Top-Posten stärker zu berücksichtigen, scheinen die Unternehmen endlich aus ihrer Lethargie herauszufinden.

Gemeinsam für mehr Frauen in MINT: FH Kaiserslautern tritt dem Nationalen Pakt bei
Christina Haaf M.A.
Mit zahlreichen Maßnahmen strebt die technisch-naturwissenschaftlich geprägte Fachhochschule Kaiserslautern die Erhöhung des Anteils von Frauen auf allen Qualifikationsstufen an. Jetzt ist die Hochschule dem Nationalen Pakt „Komm, mach MINT.“ beigetreten, um auch in der Öffentlichkeit eine größere Wahrnehmung dieser Angebote zu erreichen.

Autor:  Anne Rasmus
TECHNISCHE BERUFE
Die weibliche Seite des Ingenieurs
Viele Frauen haben sich in den technischen Männerdomänen bis an die Spitze gearbeitet. Nun werden 25 von ihnen ausgezeichnet.
Die 25 einflussreichsten Ingenieurinnen Deutschlands sind am Dienstag in Berlin gekürt worden. Ausgewählt wurden sie aus mehr als 200 Kandidatinnen, die von Verbänden, Hochschulen, Firmen und Einzelpersonen im Frühjahr benannt worden waren. „Wir suchen Vorbilder“, sagt Karin Diegelmann vom Deutschen Ingenieurinnenbund (dib), dessen Idee die Wahl der Top 25 war.

Gesundheit:

Forscher plädieren für Erweiterung der HPV-Impfung
Harald zur Hausen, Ehrenpräsident der 27. Internationalen Papillomavirus Konferenz, die im September in Berlin stattfand, unterstrich noch einmal seine Auffassung, dass auch Jungen gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) geimpft werden sollten. Anna Giuliano vom Moffitt Cancer Center in Florida analysierte nun erstmals, wie verbreitet krebserregende HPV beim Mann sind und wie lange die Infektionen bestehen, bis sie abklingen. 

Hessische Hausärztinnen: Eigene Interessenvertretung im Verband
Frankfurt/Main – Die Medizin wird weiblich, ihre Gremien nicht: Ärztinnen sind in Präsidien von Fachgesellschaften und Delegiertenversammlungen von Berufsverbänden, in Ärztekammervorständen und Fachausschüssen von Kassenärztlichen Vereinigungen meist immer noch eine Minderheit. Hausärztinnen aus der Delegiertenversammlung des Hessischen Hausärzteverbands haben sich jetzt innerhalb ihres Verbands zu einer eigenen Interessenvertretung zusammengeschlossen. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47547/Hessische_Hausaerztinnen_Eigene_Interessenvertretung_im_Verband.htm

Besser Psychopath als Aktienhändler
Aktienhändler verhalten sich noch rücksichtsloser als Psychopathen - zu diesem Ergebnis kommen Schweizer Wissenschaftler in einer Vergleichsstudie.
Thomas Noll und Pascal Scherrer von der Uni Sankt Gallen haben das Verhalten von 27 Tradern untersucht, die bei Schweizer Banken, Rohstoffhändlern und Hedgefonds tätig sind.

Wann sind Frauenstimmen sexy?
Göttinger Verhaltensforscher widerlegen Forschungen zum Klang von Stimmen während der fruchtbaren Tage.
GÖTTINGEN (pid). Frauen signalisieren unbewusst durch den Klang ihrer Stimme, ob sie empfängnisbereit sind. Diesen Schluss legen mehrere wissenschaftliche Studien nahe, die in jüngster Zeit veröffentlicht wurden.

Kunst und Literatur:

Eine Liebeserklärung: «Sieben Frauen aus Tripolis»
Der kleine Junge Hadachinou spielt mit Puppen und liebt die Gesellschaft von Frauen. Er wächst in Tripolis auf in einer Zeit vor dem Diktator Muammar al-Gaddafi.
Berlin (dpa) - Der kleine Junge Hadachinou spielt mit Puppen und liebt die Gesellschaft von Frauen. Er wächst in Tripolis auf in einer Zeit vor dem Diktator Muammar al-Gaddafi. Statt seine Zeit mit anderen Jungen zu verbringen, flüchtet Hadachinou sich lieber in die Arme seiner Tanten oder Freundinnen der Mutter. Und lauscht dabei wie die Frauen über die Männerwelt lästern.

Kunst blickt auf Frauen
Autor: MARIE-LOUISE ABELE
Reutlingen.  Es sind elf Frauen, die Reutlingen mitprägten. Mit ihnen beschäftigen sich nun Gedok-Künstlerinnen per Jubiläumsausstellung im Rathaus - aus elf ganz unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven."Kunst blickt auf Frauen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Lokalgeschichte Reutlingens": So fasste es Agnete Bauer-Ratzel, die Erste Vorsitzende der Gedok Reutlingen, bei der Eröffnung am Montag kurz zusammen.

Donnerstag, 29. September 2011

Das war die 38. Kalenderwoche: Angela Merkel bei Günther Jauch - weibliches Wirtschaften - Alphatiere


Rettungsschirm oder nicht Rettungsschirm? Das ist hier die Frage.
Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht im Exklusiv-Interview am Sonntagabend eine Antwort zu geben. Günther Jauch fragt zwar freundlich, konfrontiert die Kanzlerin aber durchaus mit Widersprüchen, nämlich ihrer Einstellung zum Rettungsschirm vor knapp einem Jahr. Die gefürchtete pauschale Rettung verschuldeter Länder schloss sie damals noch aus. Nach einigen rhetorischen Allgemeinplätzen ist Angela Merkel in ihrem Element, wenn es um Inhalte geht. Sie informiert, bleibt sachlich, auch wenn es empfindlich wird. Ob der Plan, mit dem Rettungsschirm Zeit zu gewinnen aufgeht, muss die Zukunft zeigen. Ob ein Europa, das z.T. extrem verschuldete Länder mitzieht, im globalen Wettbewerb schlussendlich mithalten kann, ist auch noch nicht bewiesen. Und was geschieht, wenn die von Deutschland eingegangenen Verbindlichkeiten fällig werden...? Und überhaupt: ist eine Währungsunion so unterschiedlicher Volkswirtschaften ohne eine (wirtschafts)politische Union überlebensfähig? Solche Fragen – auch unausgesprochen - können eine Regierungschefin schon mal in die Ecke drängen. Es folgt aber nicht der rhetorische Rundumschlag, der sich weiteres Nachhaken verbittet. Statt mit Durchhaltephrasen die – zwingend - unangenehme Fragen des Moderators abzuschmettern, wird das Warum nachvollziehbar, wenn auch vereinfacht, erklärt. Die Physikerin Angela Merkel nimmt ihr Gegenüber ernst, verbirgt auch nicht die Zwänge, die sie als Regierungschefin nur schwer vermeiden kann. Auch ihre Verlegenheit bei der Frage, ob sie "glücklich" sei, wirkt authentisch. Statt mit Pokerface Überlegenheit zu demonstrieren, lässt ihr Minenspiel die Person durchscheinen. Wie wäre wohl eine solche Sendung mit ihrem Partei-Ziehvater, Helmut Kohl verlaufen? Oder gar mit ihrem Amtsvorgänger, Gerhard Schröder?
Der tat sich nämlich schwer, Moderatorenfragen zuzulassen, die ihm nicht passten, geschweige Niederlagen einzugestehen. Die F.A.Z. erinnert an den legendären Fernsehauftritt des damaligen Bundeskanzlers am 18. September 2005 während der Elefantenrunde und zeigt daran beispielhaft Verhaltensweisen eines typischen Alphatiers. "Wo ich bin, ist oben", heißt die Devise; selbst, wenn sich die Erde einmal gedreht hat. In der Wirtschaft, so das Fazit, wird dieser Führungsstil allmählich der Vergangenheit angehören, will man Mitarbeiter nicht in die innere Kündigung treiben, sondern tatsächlich motivieren. Es bleibt zu hoffen, dass sich mit gemischten Teams die Schwerpunkte in der Kommunikation verändern – vom Machtritual zur zunehmenden inhaltlichen Auseinandersetzung. (Abschied vom Supermann F.A.Z., 24./25.09.2011, Nr. 223, C1)
Auf dem internationalen politischen Parkett scheinen sich einige Alphamännchen, v.a. die etwas in die Jahre gekommenen, allmählich ins Aus zu katapultieren. Silvio Berlusconi, der am 29. September seinen 75. Geburtstag feiert, ist gleich in vier Prozesse verwickelt, in denen es um Bestechung, Erpressung und minderjährige Prostituierte geht. Die 1900 Milliarden Euro Staatsverschuldung fechten Italiens Landeschef jedoch nicht an, eher schon die drohende Herabstufung durch die Rating Agentur S&P. Realitätsferne wirft er den Analysten vor, hat er doch Wichtigeres zu tun, wie die europäische Öffentlichkeit dank der Mitschnitte zahlreicher Telefonate nun erfährt. Eine Tänzerin aus der Dominikanischen Republik tröstet er mit den Worten: "Weißt Du, Marysthell, in meiner Freizeit gebe ich den Regierungschef." Keine ganz geringe Leistung – unter Berücksichtigung des Schlafmangels. Wie ein Halbstarker unter Halbstarken rühmt er sich in einem Telefonat seiner Begehrtheit bei jungen Frauen, die "ständig" vor seiner "Schlafzimmertür" "Schlange" stünden. Na ja und so weiter.... Dominique Strauss-Kahn würde ihn sicher verstehen, ist aber bei den Konferenzen um den Euro-Rettungsschirm nicht mehr dabei. Mit seiner Nachfolgerin Christine Lagarde sitzt nun eine IWF-ChefIN mit am Tisch. Folgt man der Logik des Weltbankberichts, dann hätte die Wirtschaft in Europa gute Chancen, wenn mehr Frauen mitentschieden. In den sog. Drittweltländern wurde deutlich, dass sich die Produktion von Nahrungsmitteln bis zu 4 Prozent steigern ließe, hätten Frauen den gleichen Zugang zu Land und Dünger. Die gesamte Produktivität eines Landes kann zwischen 3 und 25 Prozent anwachsen, wenn Frauen gleichberechtigt einem Beruf nachgehen könnten. (Gleichstellung der Frauen stärkt die Wirtschaft, F.A.Z., 20.09.11,Nr. 219, S.15) Dass in Unternehmen mit gemischten Teams auch die Zahlen stimmen, bzw. sich deutlich verbessern, pfeifen die Spatzen inzwischen ja von den Dächern. Das macht Hoffnung. Darauf, dass Lagarde und Merkel den Fokus auf die tatsächlich anstehenden Inhalte lenken und weniger auf ihre jeweilige Person. Für Viele sicher unangenehm, wirft diese Art der Verständigung doch vertraute Rituale über den Haufen. Profilierung über Leistung statt über Behauptung, scheint zunehmend angesagt. Schade nur, dass die frisch gebackene, dänische Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt nicht mit von der Partie ist, aber Dänemark hat ja gar keinen Euro......

Berlusconi ist "in seiner Freizeit" Regierungschef
Es gibt erneut Enthüllungen aus dem Hause Berlusconi: In einem abgehörten Telefonat prahlt er damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen" geschlafen zu haben - von elf potenziellen Kandidatinnen. Und Politik mache er auch nur freizeitmäßig.

Berlusconis Affären
Narziss und Windhund
Von Hans-Jürgen Schlamp
Italiens Wirtschaft ist auf Talfahrt - und könnte die gesamte Euro-Zone mit sich reißen. Doch Regierungschef Berlusconi muss sich um Dringenderes kümmern.

ERSTES INTERVIEW NACH AFFÄRE
Strauss-Kahn räumt moralischen Fehler ein
Der frühere IWF-Chef äußerte sich erstmals im Fernsehen zu den Vergewaltigungsvorwürfen einer Hotelangestellten. Eine schnelle Rückkehr in die Politik schließt er aus.

Politik:

Wie geht es den Piratinnen?
Jüngste Piraten-Abgeordnete
"Man muss kein Nerd sein"
In Berlin zieht die Piratenpartei erstmals in ein Landesparlament ein - unter den 15 Abgeordneten ist nur eine Frau: die 19-jährige Susanne Graf. Im Interview erzählt sie, wie es ist, allein unter Männern zu sein, und wie viel Computerwissen ein Pirat braucht.

Eine Politikwissenschaftlerin erzählt
Wie ich Piratin wurde
Die Schröder-SPD war mir ein Graus, die CDU keine Alternative, die FDP zu zynisch, und die Grünen waren mir zu spießig. Ich wollte Freiheit jenseits von Gut und Böse. Deshalb bin ich in der Piratenpartei.
Von Julia Schramm

"Wir brauchen die Frauen"
Log In: Überfordern wir unsere Mütter?
von Panja Scholbach
Frauen zwischen Joballtag und Mutterschaft: Kind und Karriere lassen sich noch immer schwer miteinander vereinbaren in Deutschland. In der Sendung log in bei ZDFinfo sagt die CDU-Politikerin Dorothee Bär, man müsse Politik und Wirtschaft "in die Pflicht nehmen".

Die Ministerin antwortet Eva Herman
Kristina Schröder über ihre geplante Frauenquote und junge Mütter, für die Kind und Karriere kein Widerspruch mehr ist

Wirtschaft:

Wirtschaft Kompakt II
Mehr Frauen in Führungspositionen
Die Handelskammer Hamburg will den Anteil der Frauen in ihrem Plenum, dem Parlament der Hamburger Wirtschaft, von derzeit knapp zehn Prozent deutlich erhöhen. An der Spitze der 33 Kammerarbeitskreise und -ausschüsse liegt der Frauenanteil seit den Neubesetzungen im Juli 2011 schon bei 21 Prozent. http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article13612787/Wirtschaft-Kompakt-II.html

Der Vorteil der Frau
Von Bettina Weber
Frauen sollten in ihr Aussehen investieren, wenn sie beruflich vorwärtskommen wollten, sagt eine englische Soziologin. Sie nennt das «erotisches Kapital». Reaktionärer Unsinn, finden Kritikerinnen.
Micheline Calmy-Rey wusste sich zu inszenieren. Auch und erst recht äusserlich. Sie versteckte sich nicht wie viele Frauen in Politik oder Wirtschaft hinter Uniformen in gedeckten Tönen, die das eigene Geschlecht möglichst neutralisieren. Sie betonte ihre Weiblichkeit. Dezent zwar. Aber sie trug stets hohe Absätze, und mit ihrem Lächeln bodigte sie jeden.

Hauptstadt:

Professor Jutta Almendinger zu Gast bei Enquete-Kommission
Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität
Berlin: (hib/VER) Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger, wird am Montag, dem 26. September in einer öffentlichen Sitzung der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität sprechen. Allmendinger wird die Frage erörtern, ob es einen Zusammenhang zwischen dem gesellschaftlichen Ziel Wirtschaftswachstum und dem Geschlechterverhältnis gibt.

Gesundheit:

Gendermedizin
im Fokus der Deutschen Zeitschrift für Klinische Forschung
Mit dem Schwerpunktthema Gendermedizin befasst sich die aktuelle Ausgabe der Deutschen Zeitschrift für Klinische Forschung 9/10-2011, die soeben erschienen ist.

Literatur:

Alice Schwarzer legt Autobiografie vor
Ein Kampf, dessen Früchte die Frauen heute ernten. 
- Gute Journalisten sind neugierig auf Fremdes, auf andere Menschen – die eigene Person rückt in den Hintergrund. Alice Schwarzer ist eine gute Journalistin. Sogar eine sehr gute. Ihre Porträts charakterisieren treffsicher die jeweiligen Gesprächspartner.
Genauer gesagt, Gesprächspartnerinnen. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat die Autorin vornehmlich über Frauen geschrieben. Und das nicht, weil sie Männer nicht mag oder schätzt. Im Gegenteil.



Frühcafé-Talk mit Kerstin Plehwe
In ihrem neuen Buch „Female Leadership – Die Macht der Frauen“ hat sich die Publizistin Kerstin Plehwe herausragende Frauen und Vorbilder aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur herausgegriffen. Das Buch gibt Einblicke in das Leben dieser berühmten und erfolgreichen Frauen, aber auch Ratschläge für das eigene Leben. Mehr haben wir im Frühcafé-Talk von Kerstin Plehwe erfahren.

International:
Saudi-Arabien will Wahlrecht für Frauen einführen
Fortschritt in winzigen Etappen: Saudi-Arabiens König Abdullah hat angekündigt, Frauen das Wahlrecht nach 2015 zu geben. Weitere Verbote sollen jedoch bestehen bleiben.
Saudi-Arabien, eine Bastion des ultra-konservativen Islam, plant das Wahlrecht für Frauen. Das kündigte der saudische König Abdullah überraschend in einer Ansprache vor dem Parlament an, dem Schura-Rat in Riad. In Kraft treten soll das Recht aber frühestens 2015.

Frauen in Saudi-Arabien bekommen erst 2015 Wahlrecht
Von Kommunalwahlen am Donnerstag ausgeschlossen
Frauen in Saudi-Arabien sollen erst 2015 das Wahlrecht bekommen. Wie König Abdallah in Riad ankündigte, sollen Frauen bei den übernächsten Kommunalwahlen in vier Jahren ihre Stimme abgeben und sich auch als Kandidatinnen aufstellen lassen dürfen. Von den anstehenden Kommunalwahlen am Donnerstag bleiben sie damit ausgeschlossen.

«Die Frauen prostituieren sich vermehrt illegal»
von A. Mustedanagic
Auf dem Sihlquai arbeiten nicht weniger Prostituierte aus Ungarn, sagt ein Wissenschaftler. Sie arbeiten vielmehr ohne Bewilligung. Der Sihlquai werde aber auch vermehrt gemieden – wegen der Gewalt.
Der Strassenstrich von Zürich wird seit Jahren von Ungarinnen dominiert. Die meisten von ihnen sind Roma. Sie werden allerdings nicht von Menschenhändlern auf den Strich gezwungen, sondern von ihrer Familie, sagt Sascha Finger.

Mittwoch, 21. September 2011

Das war die 37. Kalenderwoche: Die Ferien sind vorbei!



"Als schroff, als übermoralisch und verständnislos gegenüber dem Berliner Schlendrian-Verlangen wurde Künast in der Stadt empfunden" erläutert die Welt am Montag das Scheitern der Grünen-Kandidatin beim Einzug ins Rote Rathaus der Stadt. Auch im Info-Radio ist die Journalistin um eine Analyse der Person Renate Künast bemüht - burschikos und streng sei sie. Sollte das aber einen Berliner stören, der in seinem Kommunikationsverhalten durchaus für eine gewisse Robustheit berühmt ist? Was hat Wowi, was Renate nicht hat – abgesehen vom Privileg der Berlin-Tempelhofer Geburt? Und hier gleich die dritte Frage: Wie sähe eine Charakterisierung aus, handelte es sich um einen René Künast? Wie wär's mit durchsetzungsfähig, zielbewusst, führungsstark, vielleicht sogar korrekt.....?
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Passen sich Frauen ihrer überwiegend männlichen Umgebung an, entwickeln also die viel geforderte Durchsetzungsfähigkeit und verwirren ihre Kollegen und Mitarbeiter nicht länger mit langen, Harmonie provozierenden Reden, sondern wählen die klare Ansage, ist ihnen häufig harsche Kritik an ihrer Person gewiss – oder mehr.....
So ähnlich könnte es vielleicht bei Angelika Dammann gewesen sein? Zuerst als "SAP-Vorzeigefrau" (Bild) in der Öffentlichkeit bestaunt und gefeiert, währte ihre Tätigkeit als weiblicher Personalvorstand gerade ein Jahr.  Veröffentlichungen aus ihrem Arbeitsvertrag durch einen  - Kollegen – machen die Zusammenarbeit mit dem DAX-Unternehmen rasch unmöglich. Bei der Presse will der Skandal um Flüge im Firmenjet und eine vermeintliche Nebentätigkeit als Anwältin nicht so recht verfangen, verglichen mit dem, was VW, Siemens oder auch die Hamburg-Mannheimer in der Vergangenheit zu bieten hatten. Im jüngsten Interview mit der Welt am Sonntag kann die ehemalige Personalchefin ihren Ansatz künftiger Personalpolitik deutlich machen. Neben einer entschlossenen Förderung von Frauen plädiert sie für "mehr Ausländer in Führungsetagen", "die Notwendigkeit die Vielfalt der Kunden und Konsumenten in der Belegschaft widerzuspiegeln." Auch wenn es um die Beförderung von Führungskräften geht, sollen nicht allein die "Ergebnisse" zählen sondern ebenso die Fähigkeit, Topkräfte zu rekrutieren und zu halten; denn auch "diese Leistungen" schlagen sich "sehr wohl in betriebswirtschaftlichen Kennziffern" nieder. Könnte es sein, dass diese grundsätzliche "Bewusstseinsänderung", die sie statt einer zu kurz greifenden Frauenquote in früheren Interviews forderte, die – nun sagen wir mal – konservativen Kräfte bei SAP herausforderte?
Manchmal hilft ja die normative Kraft des Faktischen dem Wandel des Bewusstseins auf die Sprünge. Bei einer prognostizierten Lücke von 14.000 Fachkräften verfügt Brigitte Ederer als Personalvorstand bei Siemens möglicherweise über einen größeren Spielraum. Seit gut einem Jahr eine von fünf Frauen im Vorstand eines DAX-30-Konzerns, sieht Ederer die Frauenquote ebenfalls kritisch, will aber für Bedingungen sorgen, die es mehr Mädchen und jungen Frauen ermöglicht, einen technischen Beruf zu ergreifen und im Unternehmen zu arbeiten, ohne auf Kinder verzichten zu müssen. Ein "Preis", den sie für ihre Karriere bezahlt hat.
Im Reich der Mitte scheint aus westlicher Perspektive die Welt endgültig auf dem Kopf zu stehen, zumindest was das Fonds-Geschäft betrifft. In Hongkong verwalten Frauen das Geld, das ganz große. Liu Yang, Christina Chung, Samantha Ho und Lilian Co sind die vier Top-Fondsmanagerinnen, die im "Durchschnitt mehr als 10 Prozent Rendite" erwirtschaften und das Kundengeld in acht Jahren z.T. um das Achtfache vermehrt haben. Internationale Gesellschaften folgen dem chinesischen Pragmatismus und besetzen ihre Filiale in Hongkong mit komplett weiblichen Teams, was in New York, London oder gar Frankfurt einer Revolution gleich käme. Eine 3000 Jahre währende männerdominierte Gesellschaftsform rollte für diese Frauen nicht gerade den roten Teppich aus; viel eher sorgten Reformpolitik und die wirtschaftliche Umstellung für die erforderliche Chance – und kluge Väter. Mit den im Westen erworbenen Kenntnissen in "Finanzwissenschaften" und der englischen Sprache waren sie in den Neunzigern äußerst gefragte Fachkräfte - unter dem männlichen Personal offenbar nicht zu finden. Der Bericht im manager-magazin (9I11, S.118) lässt hoffen, dass zunehmend auch Managerinnen eine breitere mediale Öffentlichkeit zugestanden wird. Eine vermehrte Berichterstattung über und mit Führungsfrauen dürfte deren Präsenz und Ideen allmählich selbstverständlicher werden und zunehmend in das Alltagsgeschehen einfließen lassen. Ach, China.....

"Siemens droht eine Lücke von 14.000 Fachkräften"
Autor: Jens Hartmann
Siemens-Vorstand Brigitte Ederer ist auf der Suche nach Fachkräften. Sie will vor allem auch Frauen für den Elektrokonzern gewinnen.

EX-SAP-MANAGERIN
Autor: Ileana Grabitz
"Frauen hängen weniger an Positionen als Männer"
Der Abschied von SAP war schmerzhaft für Topmanagerin Dammann, aber nötig. Sie wünscht sich mehr Frauen in Chefetagen und einen neuen Führungsstil.

Was sonst noch passierte...

Politik:

KRISTINA SCHRÖDER
Lottes Mutter will jetzt kämpfen
VON Hans Monath
Die Familienministerin ist zurück aus der Babypause. Freundlich empfangen wird sie nicht. Ihre Parteifreunde stellen das Elterngeld infrage.

GESCHLECHTERPOLITIKEN
Frauenaufbruch ’89
Was wir wollten – Was wir wurden. Manuskripte 92 von Eva Schäfer, Bärbel Klässner, Helga Adler, Astrid Landero (Hrsg.).
Als am 3. Dezember 1989 auf einen spontanen Aufruf hin 1 200 Frauen aus allen Regionen der DDR im großen Theatersaal der Berliner Volksbühne zusammentrafen, war dies einer jener Momente, in denen selbst das Patriarchat, das den Realsozialismus überdauert hatte, aufzubrechen schien.

Starke Beharrungskräfte
Dr. Alexander Ulfig
Ist die Gleichstellungspolitik links oder rechts?
Professor Günter Buchholz über Gleichberechtigung und Privilegierung
Der Wirtschaftswissenschftler Professor Günter Buchholz hat in der Zeitschrift "Der Freitag" einen bemerkenswerten Artikel unter dem Titel „Von der Frauenemanzipation zur Frauenprivilegierung – oder warum die Gleichstellungspolitik keine linke, sondern eine rechte Politik ist“ geschrieben.

Wirtschaft:

WIRTSCHAFTSEXPERTIN HELGA LUKOSCHAT IM INTERVIEW

"Wer Frauen nicht fördert, schadet sich selbst"
Die Wirtschaftsexpertin Helga Lukoschat spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Familie und Karriere, Quoten und Selbstverpflichtung.
Interview: Franziska Schubert

Überforderte Doppelverdiener
Von Corinna Nohn
Der Mann schafft das Geld ran, die Frau kümmert sich um Kind und Haushalt - die Zeiten sind vorbei? Von wegen! Paare mit Kindern sind einer Studie zufolge zufriedener, wenn der Mann arbeiten geht und die Frau nicht. Doppelverdiener-Familien leiden aus mehreren Gründen.

Karrierewege und Quoten: Frauenwirtschaftstage am KIT
Karlsruhe (bb). Die Deutsche Telekom wagte mit der Einführung einen Vorstoß, fand bislang aber nur wenige Nachahmer: Die Frauenquote spaltet die Gemüter. Sie, aber auch die Erfolgsfaktoren und Stolpersteine in Karrieren von Frauen stehen im Mittelpunkt zweier Podiumsdiskussionen, mit denen sich das KIT erstmals an den Frauenwirtschaftstagen Baden-Württemberg beteiligt. Die Veranstaltungen am Donnerstag, 13. und Freitag, 14. Oktober, stehen allen interessierten Frauen und Männern offen. Anmeldungen sind noch bis zum 22. September möglich.

 Bildung & Gesellschaft:

„Try it! Junge Frauen erobern die Technik“
Die Femtec. Hochschulkarrierezentrum für Frauen Berlin GmbH führt im November 2011 erneut ihren kostenlosen bundesweiten Schülerinnen-Workshop „Try it! Junge Frauen erobern die Technik“ für Schülerinnen ab der 11. Klasse durch. Der Workshop, der vom 16. bis 19. November 2011 an der TU Berlin stattfindet, richtet sich an Schülerinnen, die Spaß an mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulfächern haben und sich für ein Studium der Ingenieur- oder Naturwissenschaften interessieren.

Bildung als Entwicklungsmotor
Dr. Margret Karsch   Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Der Bildungsstand der Frauen beeinflusst die Fertilitätsrate eines Landes stark - für die wirtschaftliche Entwicklung ist jedoch der Bildungsstand der gesamten Bevölkerung entscheidend.
Bildung steht im Zentrum aller Entwicklungsfragen, weil sie den größten Einfluss auf die verschiedensten Lebens- und Gesellschaftsbereiche hat. 

Die Verfechterin des ökologischen Apollo-Programms
ROBERT CZEPEL
Stanford, Hollywood und das Weiße Haus - Wissenschafterin Kristina Johnson vereint Forschung, Politik und Wirtschaft. Kürzlich war sie zu Gast in Wien
Barack Obama holte sie an Bord, um ein hochgegriffenes Ziel zu verfolgen: Die Umstellung der US-Wirtschaft auf erneuerbare Energieträger - ein Projekt, das der US-Präsident als ökologisches Apollo-Programm bezeichnet hat. 

Preis für Verwirklichung von Geschlechterdemokratie: Anne-Klein-Frauenpreis
Zu Ehren Anne Kleins vergibt die Heinrich-Böll-Stiftung den Anne-Klein-Frauenpreis. Anne Klein hat als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin feministische Pionierarbeit geleistet. Sie war die erste feministische Frauensenatorin in Berlin. 

Saar-Uni bei Geschlechter-Gleichstellung vorn
Saarbrücken – Die Universität des Saarlandes hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Geschlechter-Gleichstellung erreicht. 

Gesundheit:

Stoffwechselprofile bei Frauen und Männern:
Überwältigende Unterschiede nachgewiesen
Dies ist der Stoff, aus dem Nobelpreise gemacht sind: Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Prof. Dr. Thomas Illig und Kirstin Mittelstraß vom Helmholtz Zentrum München die Ergebnisse ihrer Forschungen in den internationalen Fachzeitschrift PloS Genetics und Nature. Wir sprachen mit Prof. Illig in München.

3,1 % weniger Schwangerschaftsabbrüche im zweiten Quartal 2011
WIESBADEN – Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist im zweiten Quartal 2011 – verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal – um 3,1 % gesunken.

Literatur:

Vom Weg nach ganz oben
Erfolgreiche Frauen aus Wirtschaft, Politik und Sport berichten auf ganz persönliche Weise, wie sie ihren Weg an die Spitze gegangen sind.
"Female Leadership - DIE MACHT DER FRAUEN"
von Kerstin Plehwe (Hanseatic Lighthouse, 19,90 Euro)


Wer ist die Autorin? Kerstin Plehwe ist Unternehmerin, sie arbeitet als Publizistin, Rednerin und Beraterin für Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Allerletztes:

Ob Führungsfrauen mit den Vorführdamen der aktuellen Business-Vogue identifizieren? Zwar räkeln sich die mit Business-Makeup versehenen Models nicht lasziv mit und um Handtaschen der führenden Marken, machen aber wenig glaubhaft, irgendetwas mit der anvisierten Zielgruppe gemeinsam zu haben. Eine gute Alternative zum Windowshoppig; von einigen interessanten Portraits abgesehen und von der letzten Seite:
"Frauen ist das Lenken eines Automobils nicht gestattet" (Gesetz in Saudi-Arabien)
"Frauen ist das Lenken eines Automobils im Bademantel nicht gestattet." (Gesetz im Bundesstaat Kalifornien, USA)
Business Vogue 10/2011

Freitag, 12. August 2011

DIE FERIENEDITION: Von fremden Ländern und Menschen


Interessante Links aus der Heimat gibt es weiter unten
"Wer nimmt die meisten Krankheitstage? Frauen. Warum? Weil sie einmal im Monat ein Krankheitsproblem haben – nicht alle, aber einige." So erklärte der – nun ehemalige - Arbeitgeberpräsident Neuseelands, Alasdair Thompson, die Gehaltsunterschiede zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in seinem Land. Gleichzeitig betonte er in dem für ihn verhängnisvollen Radiointerview, dass er keineswegs sexistisch sein wolle. Natürlich nicht! Arbeitsministerin Kate Wilkinson nannte es "Gehirnexplosion".
Mosuo-Frauen hätten wahrscheinlich milde gelächelt und eine solche Bankrotterklärung mit einem "Er ist ja nur ein Mann" kommentiert. Aber in Luoshi, einem sehr kleinen Ort an der Grenze zwischen Yunnan und Sichuan in China, gibt es gar keinen Arbeitgeberpräsidenten und wenn, wäre es wahrscheinlich eine PräsidentIN, da in einem der letzten Matriarchate Frauen das Sagen haben, genauer die Matriarchatin. Sie trägt die Verantwortung für die gesamte Familie und bestimmt wofür das Geld ausgegeben wird; denn in diesem Teil der Welt "erwirbt man durch Mutterschaft den höchsten Rang in der Familie". Zu dieser Feststellung gelangt der argentinische Arzt, Journalist und Fotograf Ricardo Coler: Das Paradies ist weiblich. Eine Reise ins Matriarchat. Aufbau-Verlag. Berlin 2011. Es handelt sich hier jedoch nicht um ein umgekehrtes Patriarchat; denn Männer machen keineswegs die Hausarbeit und werden beim Essen sogar bedient – es geht "schneller und besser so" beantwortet die Matriarchatin die verwunderte Frage des Journalisten. Auch bei der Anbahnung von Liebesangelegenheiten scheint das Verhältnis unter den Geschlechtern eher klassisch bestimmt zu sein; die selbst-bewussten Mosuo-Frauen wollen umworben sein. In nächtlichen Besuchen kommen die Liebenden zusammen, ohne gesellschaftliche Verpflichtung, ohne Besitzansprüche. Die Institution der Ehe ist unbekannt, jede und jeder bleibt bei der Familie - der mütterlichen. Liebe kann vergehen, die Familie bleibt und damit die existenzielle Grundlage und das soziale Umfeld. Auch im Alter und Krankheitsfall ist die Versorgung gesichert. Frei findet man zusammen und ebenso frei kann man auch wieder auseinander gehen. Die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt sich nicht, da nach einer etwa einjährigen Babypause die Mosuo-Frau wieder ihrer Arbeit nachgeht, während der Nachwuchs in der Obhut der Familie bleibt, der Großmütter, Tanten und Onkel - als männliche Bezugspersonen. Die Rolle des Vaters beschränkt sich auf die des Erzeugers. Vielfach ist er den eigenen Kindern sogar gänzlich unbekannt und auch für die Selbstidentifikation nicht besonders wichtig. Die Mosuo-Männer scheinen sich dennoch nicht benachteiligt zu fühlen, dürfen sie doch Dorfoberhaupt werden, die Außenkontakte zu den Nachbargemeinden pflegen und Entscheidungen fällen, die die gesamte Gemeinschaft betreffen, wie z.B. die Ausrichtung eines Festes. Der Erfolg scheint den Mosuo Recht zu geben. Im Vergleich zu den benachbarten Han funktioniert ihre Gemeinschaft nicht nur konfliktfreier – aggressives Verhalten oder gar Gewalt sind tabu – sondern ist auch wirtschaftlich erfolgreicher. Begründet wird das vom Dorfoberhaupt mit der fehlenden Abgrenzung durch Besitz, denn die patriarchal strukturierten Han teilen "ihr Hab und Gut unter ihren Kindern (auf), die wiederum Ehepartner und Kinder haben, mit denen sie teilen." Die Bemühungen der chinesischen Regierung in den fünfziger Jahren, die Gesellschaftsordnung der Mosuo zwangsweise zu brechen und mit dem Versprechen auf Besitz von Land junge Paare zur Ehe zu animieren, scheiterten. Aber auch die Kulturrevolution in den sechziger Jahren und der Versuch die Frau unter die Herrschaft eines Ehe-Mannes zu zwingen lief ins Leere. Kaum ließ der mit Heeresgewalt aufgebaute Druck nach, kehrten alle wieder zu ihren Familien ins mütterliche Haus zurück. Und außerdem: "viele Soldaten fühlten sich zu den Mosuo-Mädchen hingezogen und integrierten sich in das Matriarchat." Eine Gesellschaftsform, die für die im Kampf ausgebildeten Männer offenbar Vieles für sich hatte: "Auch die Tatsache, dass im Matriarchat jede Form von Gewalt verpönt ist und man kein Interesse daran hat, möglichst große Summen von Geld anzuhäufen, macht das Leben umgänglicher und leichter."
Auf die Frage Colers, was Mosuo-Männern an Frauen gefällt, gibt es folgende Antwort: "Schauen Sie sich die Matriarchatin an, in deren Haus sie untergebracht sind. Das ist der Typ Frau, der uns gefällt." Und umgekehrt? "Mir gefällt an einem Mann, wenn er aufmerksam ist, sich um mich sorgt und mich beschützt."
Und dennoch: "Die Mosuo-Frau lebt, wie sie lebt, und hat dabei das Gefühl an ihrem Platz zu sein. Sie sehnt sich nicht danach, den Mann ihres Lebens kennenzulernen, mit dem sie ihr Glück vervollständigen kann."

Was würden die Mosuo, Frauen und Männer, aus ihrer Perspektive wohl zum Zivilisationsgrad unserer Gesellschaft sagen nach der Lektüre folgender Zusammenfassung? Mal von der leichten marxistischen Färbung abgesehen:
Von gläsernen Decken und warmen Badewannen
Geschrieben von Julia Eder
Scheinbar besteht ein politischer Konsens für einen Kampf gegen die Schlechterstellung der Frau in der Gesellschaft. Warum wir von einer echten Gleichberechtigung trotzdem noch weit entfernt sind, analysiert Julia Eder.
Christine Bortenlänger, Deutschlands Managerin des Jahres 2007, sah in der „warmen Badewanne“, die die Frauen nicht verlassen wollten, die eigentliche Ursache für die weiterhin rar gesäte Frauenbeteiligung in den Führungsetagen der Unternehmen. (...)
Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes (12/2010) zeigt, dass die Berufswahl junger Menschen eher an traditionellen Rollenvorstellungen angelehnt ist, so dass es in den letzten neun Jahren wenig Bewegung in klassischen Männer- und Frauenberufen gab. Wenn überhaupt, stoßen junge Frauen eher in Männerdomänen vor als umgekehrt. Nur in wenigen Berufen ist der Geschlechteranteil ausgeglichen. In Führungspositionen sind bei annähernd gleichem Ausbildungsniveau zu 70% Männer vertreten. (Quelle: Stat. Bundesamt)
(...)
Tatsächlich besteht für Frauen zwischen 15 und 44 eine höhere Gefahr, Betroffene sexualisierter Gewalt zu werden als von Krebs, Krieg und Autounfällen zusammengenommen.
(...)
Von Frauen, auch wenn sie fachlich unbestreitbar einiges vorzuweisen haben, wird ein tadelloses und meist auch sexy Aussehen verlangt. Das Schönheitsideal ist durch die Medien allgegenwärtig und nährt einen weiblichen Minderwertigkeitskomplex (...). So quälen sich Frauen immer mehr, den unwirklichen, computergenerierten perfekten Darstellungen zu entsprechen und machen auch vor chirurgischen Eingriffen nicht halt. Sie hungern und diäten, was nicht selten in eine Ess-Störung mündet (Unter Ess-Störungen leiden zu 90% Frauen, wobei der Männeranteil zunimmt). Von den von Anorexie (Magersucht) betroffenen Frauen stirbt jede Zehnte an der Krankheit. (2008: 100 Todesfälle in Deutschland). Unter den 16jährigen Mädchen finden sich bei 35% Hinweise auf eine Ess-Störung.

Alles eine Frage der Kommunikation?
Du oder ich
Der typische Geschlechterkampf: die Machtrituale der Männer im Beruf unterschieden sich ganz deutlich vom Verhalten der Frauen
Autor: Bettina Wündrich
Von Bettina Wündrich ist gerade bei Rowohlt 'Einsame Spitze? Warum berufstätige Frauen glücklicher sind' erschienen

Politik:
Vor allem bei den Christdemokraten lässt sich aktuell gut beobachten, wie unterschiedlich die Schwerpunkte in der Debatte gesetzt werden. Diejenigen CDU-Männer, die Kritik an der Kanzlerin üben, sprechen von Profil und Positionierung der Partei (oder ihrer eigenen Position?), während die CDU-Frauen – aber auch Heiner Geißler – den Blick auf die Inhalte richten.

Im Gespräch: Annegret Kramp-Karrenbauer
„Auch ich bin eine Quotenfrau“
Im parteiinternen Richtungsstreit der CDU schlägt sich Annegret Kramp-Karrenbauer, die designierte Nachfolgerin von Peter Müller im saarländischen Ministerpräsidentenamt, auf die Seite der Kanzlerin. Teufels Kritik greife „diffuse Gefühle“ auf.

CDU in der Krise:
Auf der Suche nach der verlorenen Identität
Es brodelt in der CDU. Die Seele sei verletzt, der Kompass abhanden gekommen, lautet die Bilanz interner Kritiker. Die Partei ist im Wandel. In welche Richtung sie geht, scheint noch offen zu sein.

Wirtschaft:

Diversity-Preis
Angela Merkel zu Henkel eingeladen
VON DAGMAR HAAS-PILWAT
Düsseldorf (RP). Vielfalt fördert den Erfolg – Henkel-Vorstandsvorsitzender Kasper Rorsted ruft den Deutschen Diversity-Preis ins Leben. Zur Verleihung im November sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Deutschlands Führungsriege aus Wirtschaft und Politik in der Langen Foundation eingeladen.

PFLEGESEKTOR
Boom mit Fragezeichen
Das Institut der deutschen Wirtschaft prophezeit der Pflegebranche bis 2020 ein Wachstum um 72 Prozent. Allerdings kann die Entwicklung am Fachkräftemangel scheitern: Es fehlen schon jetzt Menschen, die sich professionell um Alte und Kranke kümmern.

Neu: "Die grüne Nika" für niedersächsische Frauen
Hannover - Agrar Media verleiht in Zusammenarbeit mit den niedersächsischen Landfrauen den Ehrenpreis "Grüne Nika" an engagierte Frauen aus ganz Niedersachsen.
50 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen. Trotzdem sind sie in vielen Bereichen der Wirtschaft, Kunst, Politik und Wissenschaft unterrepräsentiert. Männer bestimmen noch immer den Kurs in wichtigen Bereichen der Gesellschaft. So sind z.B. nur knapp 1/4 der landwirtschaftlichen Betriebe in weiblicher Hand. Als Lebensgefährtinnen der männlichen Hofbesitzer arbeiten sie meist unbezahlt aber ebenso fleissig im gemeinsamen Familienunternehmen.

Sonstiges:

Frauen fahren anders als Männer - Umfrage: Die weibliche Fahrstil ist eher defensiv, der männliche tendenziell offensiv
Baierbrunn (ots) - Frauen fahren gerade so schnell wie erlaubt und benutzen die Hupe nur im äußersten Notfall. Auto fahrende Männer sind notorische Drängler und Raser. In abgeschwächter Form entspricht diesem gängigen Klischee laut einer repräsentativen Umfrage der "Apotheken Umschau" auch die Selbstwahrnehmung der beiden Geschlechter.

Gleichstellungsqualität der Universität Jena anerkannt
Axel Burchardt   Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena
„Total E-Quality“-Prädikat für Chancengleichheit wird am 4. Oktober überreicht
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena bemüht sich seit Jahren, Frauen und Männern – ob mit oder ohne Kind – gleiche Chancen in Studium und Beruf zu bieten. Für diese Aktivitäten erhält die Universität erneut das Prädikat „Total E-Quality“, wie jetzt die unabhängige Jury bekanntgab. Das Qualitätssiegel wird am 4. Oktober 2011 in Berlin überreicht. Vergeben wird das Prädikat vom Verein Total E-Quality Deutschland e. V. Er setzt sich dafür ein, Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung nachhaltig zu verankern.

Sport:
Kaum als Disziplin zugelassen, auch schon wieder vom Welt-Seglerverband, Isaf, abgeschafft. 2012 dürfen die Frauen bei Olympia noch das Frauen-Matchrace mitsegeln, 2016 nicht mehr. Jahrelange Vorbereitung der Aktivsportlerinnen werden mit einem Federstrich zum bloßen Hobby erklärt. Ob das wohl mit der Zusammensetzung des Executive Committees des Isaf zusammenhängt? 2 Frauen und 9 Männer. In den untergeordneten Komitees ist der Frauenanteil noch geringer. Wirtschaftlich dürfte für das für wenig vermögende Länder, wie z.B. Peru ein herber Schlag sein, das die 35.000 € Boote (noch Olympia-Klasse) gerade ausgeliefert bekommen hat.

Sagen Sie mal, Frau Hahlbrook fühlen Sie sich vom Welt-Seglerverband verschaukelt?
Das Interview führte Tatjana Pokorny
YACHT-Magazin 17/2011 03.08.2011, S.130

International:

FÜHRUNGSVERANTWORTUNG FÜR FRAUEN IN POLITIK UND WIRTSCHAFT
INFORMATIONSPROGRAMM FÜR POLITIKERINNEN AUS ASIEN
Dr. Wilhelm Hofmeister
„Führungsverantwortung für Frauen in Politik und Wirtschaft“ – das war das Thema eines Informations- und Dialogprogramms für Politikerinnen aus Asien, das vom 10. bis 14. Juli 2011 in Berlin und Brüssel stattfand und von dem Regionalprojekt Politikdialog Asien zusammen mit dem Multinationalen Entwicklungsdialog Brüssel organisiert worden war.