Mittwoch, 19. Juni 2013

Wie der/die HerrIn so's Gescherr?


Also gut, es hat nicht geklappt – das mit dem fraktionsübergreifenden Gesetzesentwurf für eine Frauenquote. Dennoch bleibt das Thema auf der Wahl-Agenda. Trotz überzeugter Gegnerschaft stellt sich die FDP der Diskussion und lud am 03. Juni in den Bundestag ein. "Trendwende ohne Quote" titelte die Veranstaltung und versammelte QuotengegnerInnen und BefürworterInnen auf dem Podium wie im Publikum. 
Hier meldeten sich zwei überzeugte VertretER für eine gesetzliche Regelung zu Wort. Um Rekrutierungsroutinen und tradierte Verhaltensweisen beim Gerangel um die Macht effektiv zu überwinden, bedürfe es wirkungsvoller Werkzeuge. Der zweite Befürworter hatte ausgerechnet, dass es rund 250 Frauen bedarf, um die Aufsichtsratsposten der angestrebten Quote entsprechend zu besetzen. Raunen im Publikum. Kaum vorstellbar, dass es unter den zahlreichen Juristinnen, Betriebs- und Volkswirtschaftlerinnen, Wirtschaftsberaterinnen in der gesamten Republik nicht zweihundertfünfzig qualifizierte Anwärterinnen geben sollte.

Der Mittelbau müsse gefördert werden, statt mit Gewalt Quotenfrauen in die Poleposition zu katapultieren; so ein Argument der Gegner. Der Eingriff in die unternehmerische Freiheit widerstrebt den Liberalen, die eine eher natürliche Entwicklung bevorzugen. Warum aber eigentlich "fördern"? Frauen haben im Schnitt die besseren Abschlüsse, studieren mit Jura, BWL und VWL für die meisten Posten auch das Richtige. "Nicht behindern" würde reichen.
Gerade im Gesundheitssektor wird schnell offenbar, dass die folgende Gleichung gerade nicht aufgeht:
Frauen x (Basis + Mittelbau) = entsprechende Besetzung auf den Führungsposten.
Eher so: Viele "IndianerINnen", wenig "HäuptlingINnen".

Erst wenn oben die Entscheidung getroffen wird, gleichgültig ob durch einem Mann oder eine Frau,   dann passiert auch unten etwas:
Bahnchef Rüdiger Grube will den Technik-Vorstand nun mit einer Frau besetzen. Kein Klassiker, wie die Position des Personalvorstandes, sondern ein richtig harter Job, der Durchsetzungskraft und Verhandlungsgeschick verlangt. Das Novum: unter den Kandidaten befinden sich gleich mehrere Frauen!
Einen ebenfalls harten Job wird Bettina Volkens ausfüllen. Sie ist nach der Berufung von Simone Menne ins Finanzressort die zweite Frau im Lufthansa-Vorstand und wird als Arbeitsdirektorin mit Tarifverhandlungen befasst sein sowie mit der unangenehmen Aufgabe Stellen abzubauen. Der Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz selbst ist es, der sich für ein Mehr an Frauen in Führungspositionen ausspricht und von seinen Führungskräften gute Argumente fordert, wenn ein zu freier Posten nicht weiblich besetzt wird. 
Wie der Herr so eben's G'scherr.

Eine gesetzliche Quote würde in internationalen, börsennotierten Unternehmen nicht dem deutschen weiblichen Nachwuchs die entsprechenden Chefsessel sichern, sondern Führungsfrauen aus dem Ausland lautet ein weiteres gegnerisches Argument. Wir erinnern uns: rund 250 bräuchten wir....  Aber sei's drum. Ist eine international besetzte Führungsebene in international agierenden Unternehmen so undenkbar – nur weil sie weiblich ist? Selbst wenn sich landauf, landab nicht die erforderliche Anzahl an qualifizierten Führungsfrauen finden ließe, dann könnten wir doch von den Chefinnen aus England, Frankreich oder den USA lernen?! Und auch sie könnten als lang vermisste Vorbilder für jüngere Frauen aus dem Mittelbau fungieren?!

Eine Trendwende sei nun auch ohne Quote zu erkennen, war dem Motto der Veranstaltung entsprechend, mehrmals vom Podium zu hören. Ohne klare Forderung – auch aus Brüssel – nach einer gesetzlichen und mit Sanktionen versehenen Regelung wäre diese, nun zu Recht gelobte Wende wohl kaum eingetreten. Die Quote wirkt bereits – wenn auch indirekt.
Eine Quote um der Quote willen, ist kaum das erklärte Ziel der Befürworterinnen und Befürworter. Sie kann nur Krücke sein, um die ersten Gehversuche aus verkrusteten Strukturen zu erleichtern. Manche Unternehmen brauchen keinen Zwang. Perfekt! Dann braucht es natürlich auch keine Quote. Sollte im ein oder anderen Fall eine Gehhilfe doch erforderlich sein, aber als zu schmachvoll empfunden werden? Dann kann man es ja mal ohne versuchen. Hauptsache kein Stillstand und v.a. kein entspannter Rückfall in alte Strukturen. Die Trendwende hat gerade erst begonnen....

Links zum Thema:

Bahnchef will härtesten Job einer Frau geben
Bahnchef Rüdiger Grube setzt beim härtesten Job im Konzern auf eine Managerin. Rund ein halbes Dutzend Kandidaten sind in der engeren Wahl für den Technik-Vorstand – die meisten sind Frauen. Von Nikolaus Doll

Bahnchef Grube sendet das falsche Signal
von Ferdinand Knauß
Die Deutsche Bahn steht unter dem Druck der Quotenpropaganda, eine Frau als Technikvorstand zu berufen. Ein Lehrstück der Dominanz der Ideologie über die Vernunft.

Eine Exotin rückt in den Lufthansa-Vorstand auf
Mit ungewöhnlichen Ideen und Loyalität zu ihrem Chef hat sich Bettina Volkens den Weg in den Lufthansa-Vorstand gebahnt. Nun stehen der Arbeitsdirektorin harte Zeiten bevor. Von Nikolaus Doll und Ernst August Ginten

Wechsel im Vorstand: Lufthansa macht Simone Menne zur Finanzchefin
Die Lufthansa setzt auf Frauen-Power - und beruft die Managerin Simone Menne in den Vorstand. Es ist das erste Mal, dass eine weibliche Führungskraft das Finanzressort eines Dax-Konzerns leitet.

Wieder erobern zwei Frauen einen Vorstandsposten
Beim Autozulieferer Continental und beim Dax-Konzern Henkel werden erstmals Frauen in den Vorstand berufen. Beide leiten die Personalabteilungen.

Frauen arbeiten sich immer schneller an die Spitze
Eine Frau im Vorstand eines Dax-Konzerns ist immer noch eine Schlagzeile wert, zuletzt bei der Lufthansa. Experten beobachten jedoch, dass der Run auf den Chefsessel eine Eigendynamik entwickelt. Von Olaf Gersemann

Strategie für Führungsfrauen:

Studie zu Führungsfrauen
Zu viel lächeln ist auch nicht gut
04.06.2013 ·  Ein gewinnendes Lächeln oder ein Scherz auf den Lippen sind in der Arbeitswelt nicht immer von Vorteil. Münchener Forscher haben herausgefunden: Frohnaturen wird das Chefsein nicht unbedingt zugetraut. Jedenfalls dann nicht, wenn die Spaßvögel Frauen sind.

International:

Im Iran hat Zahra für Wirbel im Wahlkampf gesorgt. Frauen waren zwar ausgeschlossen, aber eine weibliche Comicfigur wird zur Hoffnungsträgerin....

Comicfigur will Nachfolgerin Ahmadinedschads werden
Eine virtuelle Wahlkampagne im Internet macht die Mullahs offenbar nervös: Der (echte) Geheimdienst überwacht die 52-jährige Kandidatin und deren Schöpfer, ein arabischer und ein iranischer Künstler. Von Sonja Gillert

HEUTE WAHL IM IRAN!
Diese Comic-Figur will Präsidentin werden
Zahra steht für die, die sich nicht zur Wahl stellen dürfen. Sie ist ein Produkt der unterdrückten Opposition. Schlägt bald ihre Stunde?

WAHLKAMPF BEGINNT!
Diese Frau will Irans erste Präsidentin werden
Die Anmeldefrist ist vorbei: 400 Iraner wollen Nachfolger von Ahmadinedschad werden. Der selbst aber ist unter Druck. Der Wächterrat will ihn vor Gericht bringen

Literaturempfehlung:

Für die Ferienlektüre seien die Romane von Sibylle Lewitscharoff empfohlen, der neuen Büchnerpreisträgerin.

Büchner-Preis geht nach Berlin
Zu viel Wahrheit tut nicht gut
04.06.2013
von Gregor Dotzauer
Metaphysische Spiele: Die Berliner Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff erhält den Georg-Büchner-Preis. http://www.tagesspiegel.de/kultur/buechner-preis-geht-nach-berlin-zu-viel-wahrheit-tut-nicht-gut/8299422.html

LITERATUR
Für Sibylle Lewitscharoff sind wir „fantastische Wesen“ | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:

Montag, 15. April 2013

Volker Kauder und die Frauen...


Zack, zack, zurück ins Körbchen? Unionsfraktionsvorsitzender Volker Kauder kommandiert die CDU-Frauen auf Linie. Weibliche Parteimitglieder durften in der Vergangenheit ein bisschen mit der gesetzlichen Frauenquote spielen, fraktionsübergreifend die Berliner Erklärung unterzeichnen, aber wenn es dann ernst wird – Schluss? "Nicht jede heikle Frage ist eine Gewissensfrage." (...) Vor allem bei Fragen, die in unserer großen Volkspartei unterschiedlich bewertet werden, müssen wir zusammenhalten. Nichts schadet uns mehr als Streit. Gerade die bürgerlichen Wähler schätzen klare Positionen" (Volker Kauder in Die Welt, 11.04.13) 
Wer vorher nicht zur Diskussion bereit ist, riskiert den Streit. Das Thema steht seit langem auf der Agenda und die Position der Abweichlerinnen kommt nicht wirklich überraschend. Eine echte Auseinandersetzung hat – zumindest für das zeitungslesende bürgerliche Publikum nicht stattgefunden. Klare Position heißt im Falle eines Falles wohl, gegen die eigene Überzeugung und damit gegen das eigene Gewissen abzustimmen. Zur Sicherheit wird dieser kulturell und individuell mühsam errungenen Instanz schlicht die Kompetenz abgesprochen, sich bei gesellschaftlich doch recht zentralen Fragen zu Homo-Ehe und Frauenquote einzuschalten. Fraktionszwang macht eine Partei nicht notwendig glaubwürdiger. Dass nun Volker Kauder die CDU-Damen zurückzupfeifen versucht, könnte angesichts des bevorstehenden Wahlherbstes interessant werden. Manche  (auch bürgerliche)  Wählerin könnte nämlich vermuten, dass die CDU am Ende doch die männlich dominierte Partei der alten Schule ist – allen MinisterINnen und einer KanzlerIN zum Trotz. (Die sich auch gegen eine gesetzliche Quotenregelung stellt - warum wohl?) Zu fragen wäre, ob das Politikverständnis wir-gegen-die-anderen oder: wenn-die-anderen-dafür-sind-müssen-wir-dagegen-sein, allein dazu dient, Claims abzustecken – pardon: Positionen? Oder ob jetzt die Zeit gekommen ist, bestehende (Old-Boys-)Netzwerke aktiv zu schützen?? 
Mit der "Flexiquote" versucht die Bundesfamilienministerin, Kristina Schröder, Quotenbefürworterinnen und –befürworter schon lange zu überzeugen – oder zu vertrösten (?) – und der Partei eine Hintertür offen zu halten. Angesichts zahlengestützter Fakten dürfte das nur unzureichend gelingen. So hat der diesjährige Women-on-Board-Index (WoB-Index) wieder gezeigt, wie langsam deutsche Unternehmensmühlen mahlen: "12 Jahre nach der Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, und 4 Jahre nach der Aufnahme der Forderung nach mehr Vielfalt in den Deutschen Corporate Governance Kodex liegt der kumulierte Anteil von Frauen bei 11,1 Prozent (Stand 31.03.2013). Bei einem Zuwachs von 4,6 Prozentpunkten innerhalb der vergangenen 2 Jahre nur eine marginale Verbesserung." Dank der Diskussion und der sehr konkreten Drohung aus Brüssel gewinnen die Bemühungen aber an Schwung; gab es 2011 noch 74 frauenfreie Vorstandsetagen, so sind es nun 33. Dennoch: Spielräume werden genutzt und ausgenutzt. Solange die zu rund 95 Prozent männlich besetzten Vorstandsetagen sich in der Quotenfrage eines Volker Kauder und damit der CDU und FDP sicher sein können, steht zu befürchten, dass die Flexiquote so flexibel gehandhabt wird, dass am Ende alles bleibt wie es ist oder sich kaum spürbar verändert. Sich selbst perpetuierende Systeme wandeln sich eben sehr, sehr langsam, demographischer Wandel hin, Fachkräftemangel her.
Das lahme Argument, Frauen studierten eben nicht das Richtige, um auf Führungsposten zu gelangen, versagt angesichts der Realitäten. Die Initiativen ProQuote Medien e.V. und ProQuote Medizin, übrigens auch von Männern unterzeichnet (!), zeigen dass der Markt eben nicht automatisch funktioniert; denn in beiden Bereichen haben Frauen das Richtige studiert und stellen mindestens die Hälfte der an der Basis Tätigen. In den Chefredaktionen bestimmen dagegen rund 98 Prozent Männer welche Nachrichten wie in die Öffentlichkeit gelangen. 10 Prozent Frauen sind als Chefärztin dabei und rund 3 Prozent als Professorin oder Dekanin einer medizinischen Fakultät für Lehre und Forschung mitverantwortlich.
Es geht um Claims und wir nähern uns empfindlich der Demarkationslinie. Das wird dank der Gesetzesvorlage, über die am 18. April abgestimmt wird, nun sichtbar. Volker Kauder traut seinen weiblichen Parteimitgliedern nicht. Basta, Faust auf den Tisch? Die ohnehin fragile Koalition mit der FDP hat andere Stürme überstanden und hier haben sich Kanzlerin und der Koalitionspartner durchaus flexibel gezeigt (Stichwort: Eurobonds). Lassen sich die CDU-Frauen, die mit der Berliner Erklärung für eine Frauenquote eingestanden sind, wieder hinter die traditionelle Parteilinie zurückdrängen? Das wäre ein Verlust an Glaubwürdigkeit, ein trauriges Signal und schade um die ganze vorangegangene Arbeit.

Kauder ermahnt Frauen der Unionsfraktion.
Handlungsfähigkeit der Koalition sei gefährdet, wenn eine Frauenquote für die Aufsichtsräte nicht abgelehnt wird.


In Sachen Frauenquote muss Kauder es für Merkel richten
Die Debatte über die Frauenquote bedroht die Koalition.

Kauder fordert Disziplin von CDU-Frauen

EU-Kommissarin verteidigt Frauenquote
Reding pocht auf eine feste Vereinbarung

Berliner Erklärung

Hier geht's zum WoB-Index (2013) - FidAR e.V. (Die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte)

Pro Quote Medien e.V.

Initiative Pro Quote Medizin

Freitag, 8. Februar 2013

"Sex sells"? Quotendebatte: Teil...? Helau und Alaaf!


Kabarettisten und Politsatiriker haben es leicht dieser Tage. Einfach Zeitung oder besser – Zeitschriften – lesen und fertig ist das Programm.
Der Stern entlarvt gewisse Anzüglichkeiten, die sich eine seiner Journalistinnen zu fortgeschrittener Stunde in der Hotelbar von Rainer Brüderle hat gefallen lassen müssen als sexistisch. Skandal? 
Ein Jahr nach den Ereignissen und pünktlich zum beginnenden Wahlkampf? Wohl eher Timing. Und trotzdem: ist eine Frau jung und hübsch, der Mann in einer hierarchisch höheren Position – tatsächlich oder gefühlt – und die Atmosphäre locker, können Grenzen sehr leicht sehr elastisch werden. Nichts gegen ein nettes Kompliment, aber die Sensibilität dafür, wann der verbale Übergriff beginnt, fehlt gelegentlich. 
Die Meinungen gehen auseinander. Frauen, die sich in ihren Grenzen verletzt fühlen, sollten sich nicht so "anstellen", meinen die einen (nicht nur Männer!), ein Gespräch auf Augenhöhe im Wortsinne muss doch jederzeit möglich sein, die anderen (auch Männer!). Dass eine Frau mit einem Kommentar zur körperlichen Beschaffenheit des Mannes die Konversation etwas auflockern möchte und z.B. ihre Ansicht zu Brustbehaarung oder Erfolgen im Fitnessstudio ihres Gegenübers äußert (um anatomisch im diskutierten Bereich zu bleiben), dürfte mit Recht Befremden auslösen.
Dass nun ausgerechnet der Stern mit einer Sexismusdebatte die moralische Sensibilität und vielleicht auch die Verkaufszahlen erhöhen will, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt wohl kaum ein Cover ohne eine attraktive junge Frau, die sehr leicht oder gar nicht bekleidet für ein beliebiges Thema des kritischen Journalismus zu werben hat. Zuweilen in so provozierender Haltung, dass die Zeitschrift vom Unkundigen leicht mit Blättern eines ganz anderen Genres verwechselt werden könnte.
Überhaupt zeigt sich in diesen Wochen, wie sich die etablierte Männerquote von rund 98 Prozent in den Chefredaktionen auswirkt. Das Magazin Focus titelte mit Starken Frauen, die bekennen: "Wir wollen keine Frauen-Quote!" Und wieder muss das Klischee, Quote oder Leistung für vermeintliche Kritik herhalten. 
Wer aber sind die starken Frauen, die es allein geschafft haben, ganz ohne Quote? Eine Schauspielerin, kommt sehr wahrscheinlich nie für eine männliche Rolle infrage. Eine Skiläuferin, wird sich im Wettlauf um die Zeit nach den gegebenen Regeln wohl eher gegen KonkurrentINnen durchsetzen müssen? Eine Moderatorin, hat im harten Mediengeschäft durchaus eine Altersquote zu fürchten, die wohl eher männlicher Beurteilung obliegt und für ModeratorEN und NachrichtensprechER wesentlich großzügiger ausfällt. Folgt man dem Argument, dass Quotenfrauen  nicht qua Leistung sondern allein dank einer gesetzlichen Regelung auf den Chefsessel gelangen, wie wäre dann mit Trägerinnen der Namen Wagner (Festspielchefin Bayreuth), Quandt (Vorsitzende der Harald Quandt-Holding), und Cramer (Geschäftsführerin Warsteiner/Haus Cramer KG) umzugehen ....?
Die Frauen, die ihren Aufstieg allein ihrer Leistung verdanken, werden mit Statements zitiert, die durchaus nicht im Widerspruch zu einer Quote stehen:
"Damit wirklich mehr Frauen in Führungspositionen kommen, müssten sich Managementstrukturen ändern" (Johanna Hey, Professorin für Steuerrecht)
"Viel wichtiger ist es, Frauen aus dem mittleren Management zu entwickeln, damit sie für Top-Jobs in Frage kommen." (Regine Stachelhaus, Personalchefin von E.ON)
(FOCUS, 14. Januar 2013, Nr. 03/13, S.36-47)
Aha! Genau darum geht's! Weiterführend ließe sich noch fragen, welche Führungsqualitäten überhaupt als solche anerkannt werden? Wie verlaufen Rekrutierungsprozesse (vgl. Blogbeitrag vom 09.12.12)
Das anonym geschriebene Buch einer Topmanagerin, die sich weder als Autorin noch im Interview zu erkennen gibt, vermittelt ein sehr realistisches Bild vom steinigen Weg, den Frauen in die Toppositionen zu bewältigen haben. Das Äußere kann dabei nur selten ausgeklammert werden. Große Frauen haben zwar das Glück von männlichen Kollegen und Vorgesetzen eher für voll genommen zu werden als kleine und schmale, aber wehe sie tragen High Heels und überragen ihr männliches Gegenüber. Ist eine Frau sehr attraktiv, ist es ihr nahezu unmöglich die Aufmerksamkeit auf ihre fachliche Kompetenz zu fokussieren; ist sie es zu wenig, hat sie häufig mit Ablehnung seitens der männlichen Entscheidungsträger zu rechnen. Und wie definiert sich Qualifikation...?

"FAS: Hilft die Quote?"
Anonyma: Ja, weil zu oft nach männlichen Kriterien befördert wird. Es heißt: ist die Person selbstbewusst, entschlussfreudig, durchsetzungsstark? Nie habe ich in Auswahlprozessen gehört: Welcher Kandidat geht gut mit Mitarbeitern um? Wer ist kooperativ oder sprachlich begabt?" (F.A.S.  03. Februar 2013, Nr. 5, Wirtschaft S. 26)




Der satirische Blick auf's Thema:





Sonntag, 23. Dezember 2012

Das Göttliche, die Göttin, der Gott.....


So wäre es grammatikalisch wohl ungefährlich. An den vehementen Reaktionen lässt sich ablesen, dass Kristina Schröder an Grundfesten gerüttelt haben muss. DER GOTT heißt es oder: DER VATER – basta. So haben wir es gelernt. Sich ausgerechnet jetzt ein "DAS GOTT" vorstellen zu müssen, das seinen Sohn auf die Erde schickt? Nein! Das geht zu weit! So wurde der Bundesfamilienministerin für die geschlechtsneutrale Form direkt aus dem Vatikan "religiöser Analphabetismus" beschieden. 
Religion richtig buchstabiert, hieße demzufolge, die geistigen oder auch göttlichen Prinzipien oder schlicht den "Logos" ausschließlich männlich zu begreifen: der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Göttinnen sind erfolgreich mit dem sog. Heidentum abgeschafft worden. Wenigstens Maria hat im "Rosenkranz"-Gebet überlebt. 
Sprache und die damit evozierten Vorstellungen wirken mächtig und bilden Identität. Erklärte Atheisten lehnen den Glauben an einEN Gott ab und zweifeln, dass ein "Vater" oder gar "Herr" in das Schicksal des Universums, der Welt oder in das persönliche eingriffe. Würde aber ein Göttliches, ein nicht personifiziertes Geistiges ebenso selbstverständlich negiert? Zugegeben ein "Vater" und ein "Sohn" lassen sich greifbarer vorstellen – im Guten wie im Schlechten; beim "heiligen Geist" wird's schon schwieriger – auch für viele religiöse Nicht-Analphabeten. 
In archaischen Stammeskulturen, in denen die drei monotheistischen Religionen entstanden sind, konnte Göttliches nur in seiner männlichen Ausprägung gedacht werden. Welcher Stammesältester hätte sich denn einer GöttIN unterworfen? Seit rund 3000 Jahren wird also die höchste Autorität – egal ob man/frau daran glaubt oder nicht – männlich buchstabiert. Wer an dieser Vorstellung rüttelt – und sei es aus Versehen, dank unbeholfener Grammatik und überbordender Genderkorrektheit, dem droht der verbale Scheiterhaufen. Seit mindestens 3000 Jahren wird schließlich auch Autorität auf Erden – kommt es zum Schwur – mit einem männlichen Repräsentanten identifiziert, nicht selten völlig unabhängig von dessen tatsächlicher Integrität oder Persönlichkeit, die eben echte Autorität ausmachen. Der Blick in die Wirtschaftsseiten der letzten Woche offenbarte so manche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten Start für ein gesundes und glückliches 2013.



Sonntag, 9. Dezember 2012

"Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung"



Von wegen flexibel! Die von Kristina Schröder verteidigte Flexiquote macht den Eindruck einer Mogelpackung, wenn die vermeintliche Elastizität mit einer Art Pranger flankiert wird. Selbstgesetzte Ziele und tatsächliche Erfolge sind nun dank der Webseite www.flexi-quote.de des Bundesfamilienministeriums öffentlich. 

Mit offenem Visier geht dagegen der Deutsche Juristinnenbund vor.
Nach den tatsächlichen Ursachen für den bestürzend geringen Frauenanteil in der Führungsetage fahnden mit dem Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ ehrenamtlich Mitglieder des djb. Ausgestattet mit dem Stimmrecht der Aktieneigentümerin oder auch des Aktieneigentümers stellten sie auch dieses Jahr auf 76 Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen empfindliche Fragen, deren Auswertung im November im Allianzforum vorgestellt wurde.

Konkrete Maßnahmen, wie mehr Frauen für die Wahl zum Aufsichtsrat vorgeschlagen werden können oder wie Frauen aus den eigenen Reihen für Vorstandspositionen vorbereitet werden, sollten seitens der Unternehmen benannt werden. Auch wollten die Juristinnen wissen, wie hoch der Frauenanteil unter den Beschäftigten ist und wie das Geschlechterverhältnis in den vier Führungsebenen unterhalb des Vorstandes. Ob Frauen in den Besetzungsgremien vertreten sind, wirkt sich z.B. entscheidend auf die weitere Entwicklung in den Aufsichtsräten aus. Anreizsysteme wie Bonuszahlungen, die an einer Erhöhung des Frauenanteils geknüpft sind, interessierten gleichfalls.

Die pauschalen und zum Teil recht ruppigen Antworten, folgen den üblichen Klischees - etwa dem der fehlenden ausreichend qualifizierten Frauen oder dem der mangelnden Bereitschaft, Führungsaufgaben in der Größenordnung überhaupt zu übernehmen. Hier lohnt ein näherer Blick auf das Rekrutierungsverhalten. Der Hinweis, beispielsweise, dass Wirtschaftsprüfer- und Rechtsanwaltskammern oder Datenbanken durchaus einen Fundus von 2044 Wirtschaftsprüferinnen und 51.585 Rechtsanwältinnen zur Verfügung stellen könnten, wurde wie folgt quittiert:

„Guter Hinweis.“

„Ich muss ehrlich sagen, gestehen, dass ich nicht im Traum daran denken würde, Kammern zu befragen. Nee, so viel Kenntnisse haben wir auch ohne Beziehung von Kammern.“

Aha!....  Qualifikation und nichts als Qualifikation....???
Pardon, aber das ist gelebte (Männer-)Quote und den damit verbundenen Automatismus, würden die meisten Frauen, v.a. jüngere, die noch fest an ihre Leistung glauben, für sich ablehnen. 
Stünde tatsächlich die Qualifikation im Vordergrund, wie stets behauptet, müsste auch mal vor die Tür geschaut werden. Und wenn schon nicht innerhalb des eigenen Unternehmens nach weiblichen Vorständen oder Aufsichtsratsmitgliedern gesucht wird (warum eigentlich nicht?), dann gibt es Datenbanken.

Da führende Posten meist mit Hilfe von Personalberatern besetzt werden, ließe sich der Aufwand spielend delegieren. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt jedoch, dass es zwei „Typen“ von Personalberatern gibt. Große, international agierende Unternehmen, seit langem am Markt, sind sowieso gegen jegliche Quote und halten Frauen von Chefetagen eher fern. Einem durch und durch männlich dominierten Wertekanon und Kommunikationsverhalten verpflichtet, begibt man sich erst gar nicht auf eine echte Suche, sondern selektiert bei Kaminabenden und in altbekannten Netzwerken – in der festen Überzeugung, dem Kundenwunsch in tradierter Qualität zu entsprechen. Das System ernährt sich selbst.

Den wenigen AnwärterINnen wird im Bewerbungsgespräch schnell klargemacht, dass sie dem Druck und den persönlichen Anforderungen nicht gewachsen sind. Und schließlich "stellt" sich heraus, dass diese Frauen entweder "noch nicht reif" für die Posten sind oder vor Führungsaufgaben zurückschrecken.
Sollte sie es doch ganz nach vorne schaffen, wie z.B. Angelika Dammann oder sollte es ihr sogar gelingen, wie Barbara Kux dank – zugegeben – rigider Maßnahmen erfolgreich am Sparziel bei Siemens mitzuwirken, stören sie offenbar gewohnte Routinen und "verlassen" das Unternehmen - aber wer würde vertraglich zugesicherte Privatflüge oder ein ambitioniertes Sparziel bei – sagen wir mal – einem Hartmut Mehdorn in Frage stellen.....

Kleiner Test zum Schluss: Nennen Sie in 30 Sekunden mindestens eine Person mit der Sie den Begriff Kompetenz verbinden. Ganz ehrlich, welcher Name taucht zuerst auf?
Diese Aufgabe wurde einer meiner Gesprächspartnerinnen in einem Seminar gestellt. Drei von rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fiel spontan eine Frau ein....
Kompetenz wird eben wie selbstverständlich männlich buchstabiert...

Bleibt also nach wie vor die Hoffnung auf Brüssel und auf jüngere und kleinere Personalberatungsunternehmen, die einer gesetzlichen Quote positiv gegenüberstehen und keine Scheu haben, über den Tellerrand zu sehen.


Mary Schapiro
Abschied eines unbeugsamen Bankenschrecks
Amerikas oberste Finanz-Wächterin hinterlässt ihrer Nachfolgerin viel Arbeit. SEC-Chefin Mary Schapiro hat dieWall Street wieder das Fürchten gelehrt.
Sie war die erste Frau an der Spitze der US-Bankenaufsicht. Und sie lehrte den Banken wieder das Fürchten vor der Security and Exchange Commission (SEC).

Trennung von Barbara Kux:
Siemens trennt sich von Vorstandsfrau
Die erste Frau im Siemens-Vorstand erhält keinen neuen Vertrag. Mit der Trennung von Barbara Kux muss die Konzernführung einen eigenen Fehlgriff eingestehen.
von Angela Maier