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Montag, 2. Dezember 2013

Der kleine Kai-Index


Vergleichbar zum Women-on-Board-Index (WoB-Index), der dank FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) jährlich die Verhältnisse in den Vorstandsetagen abbildet, versuchen nun Pro Quote-Journalistinnen mit Hilfe der Kleinen Kais nachzurechnen, was es faktisch bedeutet, wenn zum Beispiel von 26,9 Prozent Frauenanteil, sagen wir mal, beim Spiegel die Rede ist. Was steckt tatsächlich dahinter? Welchen Einfluss haben diese Frauen und was können sie bewegen? 

Die Einführung eines Machtkoeffizienten, korrigiert in den meisten Fällen die optimistische Prozentzahl nach unten. So behauptet der Fokus von sich einen Frauenanteil in Führungspositionen von 24 Prozent zu haben – am Ende bleibt es aber nur bei 15,9. Hier kommen die Kleinen Kais ins Spiel, die in der Animation erstaunliche Ähnlichkeit mit der Silhouette des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann aufweisen. Eine RessortleiterIN wird zwar als Führungskraft gezählt, tatsächlich aber verfügt diese Journalistin über deutlich weniger Einfluss als ein Chefredakteur oder seine Vertreter; denn was als Meinung in den Printmedien (und nicht nur dort) erscheint, wird in den Chefredaktionen entschieden und da sitzen immer noch zu 97 Prozent Männer. 
Die tatsächliche Macht der Journalistinnen wird nun in der Währung der Kleinen Kais evaluiert. Je mehr Macht desto größer die Anzahl der Kais. Wenig erstaunlich ist, dass in den ersten Hierarchieebenen überwiegend Männer die Kleinen Kais sammeln und demzufolge darüber entscheiden, was als Thema gilt und wie es aufgearbeitet wird. Hoffnung macht das Radio.

Die Wirkung ist jeden Tag zu sehen. Frauen kommen in Wirtschaft und Politik seltener vor. Autorität, Macht, Einfluss und Kompetenz wird eben immer noch männlich buchstabiert – was sich bei Talkrunden schnell zeigt. Und überhaupt: spätestens ab dem "gewissen Alter" von 40-45 sind Frauen in der Medienöffentlichkeit verschwunden – in der Werbung sowieso. 
Stellen wir uns vor, in Zeitungen, Zeitschriften wären fast nur Männer bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren abgebildet und stellen wir uns weiter vor, dass uns vom Bildschirm fast ausschließlich Sprecher und Moderatoren entgegen strahlen, die noch nicht mal in der Nähe der 50 sind. Umgekehrt würden Autorität und Kompetenz überwiegend (nicht nur!) von Damen jenseits der 60 repräsentiert....
Sie lächeln? Das zeigt, wie tief diese Bilder verinnerlicht sind – bei Männern und bei Frauen.

Konkretes Beispiel: Am gleichen Tag der Vorstellung des Machtkoeffizienten in den Medien stand ein weltweit wichtiges Thema auf der Agenda: Nein zu Gewalt an Frauen. Im Tagesspiegel haben es die weltweiten Menschrechtsverletzungen, die immerhin rund die Hälfte der Weltbevölkerung betreffen und auch bei guten Handelspartnern der Bundesrepublik zum Alltag gehören, erst auf Seite 10 geschafft.

Pro Quote: Zu den Kleinen Kais


Und hier zu einem Kamelrennen der besonderen Art: AUFHOLJAGD 
Wachsender Frauenmachtanteil bei Print-Leitmedien

weitere Links


Politik:

Aktionstag Häusliche Gewalt gegen Frauen


Wirtschaft:

Durchbruch für Frauen in der Wirtschaft?


International:

Arabische Frauen leiden in Ägypten am meisten
http://www.spiegel.de/politik/ausland/studie-in-aegypten-leben-frauen-am-schlechtesten-a-933158.html


Erdogan will Geschlechtertrennung: Heftige Studentenproteste in der Türkei


Schülerinnen prostituieren sich, weil sie das „cool“ finden

Medien

Frauen, die Geschichte machten
Der große Frauen-Check

Sport:
Team SCA – The first year

Montag, 15. April 2013

Volker Kauder und die Frauen...


Zack, zack, zurück ins Körbchen? Unionsfraktionsvorsitzender Volker Kauder kommandiert die CDU-Frauen auf Linie. Weibliche Parteimitglieder durften in der Vergangenheit ein bisschen mit der gesetzlichen Frauenquote spielen, fraktionsübergreifend die Berliner Erklärung unterzeichnen, aber wenn es dann ernst wird – Schluss? "Nicht jede heikle Frage ist eine Gewissensfrage." (...) Vor allem bei Fragen, die in unserer großen Volkspartei unterschiedlich bewertet werden, müssen wir zusammenhalten. Nichts schadet uns mehr als Streit. Gerade die bürgerlichen Wähler schätzen klare Positionen" (Volker Kauder in Die Welt, 11.04.13) 
Wer vorher nicht zur Diskussion bereit ist, riskiert den Streit. Das Thema steht seit langem auf der Agenda und die Position der Abweichlerinnen kommt nicht wirklich überraschend. Eine echte Auseinandersetzung hat – zumindest für das zeitungslesende bürgerliche Publikum nicht stattgefunden. Klare Position heißt im Falle eines Falles wohl, gegen die eigene Überzeugung und damit gegen das eigene Gewissen abzustimmen. Zur Sicherheit wird dieser kulturell und individuell mühsam errungenen Instanz schlicht die Kompetenz abgesprochen, sich bei gesellschaftlich doch recht zentralen Fragen zu Homo-Ehe und Frauenquote einzuschalten. Fraktionszwang macht eine Partei nicht notwendig glaubwürdiger. Dass nun Volker Kauder die CDU-Damen zurückzupfeifen versucht, könnte angesichts des bevorstehenden Wahlherbstes interessant werden. Manche  (auch bürgerliche)  Wählerin könnte nämlich vermuten, dass die CDU am Ende doch die männlich dominierte Partei der alten Schule ist – allen MinisterINnen und einer KanzlerIN zum Trotz. (Die sich auch gegen eine gesetzliche Quotenregelung stellt - warum wohl?) Zu fragen wäre, ob das Politikverständnis wir-gegen-die-anderen oder: wenn-die-anderen-dafür-sind-müssen-wir-dagegen-sein, allein dazu dient, Claims abzustecken – pardon: Positionen? Oder ob jetzt die Zeit gekommen ist, bestehende (Old-Boys-)Netzwerke aktiv zu schützen?? 
Mit der "Flexiquote" versucht die Bundesfamilienministerin, Kristina Schröder, Quotenbefürworterinnen und –befürworter schon lange zu überzeugen – oder zu vertrösten (?) – und der Partei eine Hintertür offen zu halten. Angesichts zahlengestützter Fakten dürfte das nur unzureichend gelingen. So hat der diesjährige Women-on-Board-Index (WoB-Index) wieder gezeigt, wie langsam deutsche Unternehmensmühlen mahlen: "12 Jahre nach der Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, und 4 Jahre nach der Aufnahme der Forderung nach mehr Vielfalt in den Deutschen Corporate Governance Kodex liegt der kumulierte Anteil von Frauen bei 11,1 Prozent (Stand 31.03.2013). Bei einem Zuwachs von 4,6 Prozentpunkten innerhalb der vergangenen 2 Jahre nur eine marginale Verbesserung." Dank der Diskussion und der sehr konkreten Drohung aus Brüssel gewinnen die Bemühungen aber an Schwung; gab es 2011 noch 74 frauenfreie Vorstandsetagen, so sind es nun 33. Dennoch: Spielräume werden genutzt und ausgenutzt. Solange die zu rund 95 Prozent männlich besetzten Vorstandsetagen sich in der Quotenfrage eines Volker Kauder und damit der CDU und FDP sicher sein können, steht zu befürchten, dass die Flexiquote so flexibel gehandhabt wird, dass am Ende alles bleibt wie es ist oder sich kaum spürbar verändert. Sich selbst perpetuierende Systeme wandeln sich eben sehr, sehr langsam, demographischer Wandel hin, Fachkräftemangel her.
Das lahme Argument, Frauen studierten eben nicht das Richtige, um auf Führungsposten zu gelangen, versagt angesichts der Realitäten. Die Initiativen ProQuote Medien e.V. und ProQuote Medizin, übrigens auch von Männern unterzeichnet (!), zeigen dass der Markt eben nicht automatisch funktioniert; denn in beiden Bereichen haben Frauen das Richtige studiert und stellen mindestens die Hälfte der an der Basis Tätigen. In den Chefredaktionen bestimmen dagegen rund 98 Prozent Männer welche Nachrichten wie in die Öffentlichkeit gelangen. 10 Prozent Frauen sind als Chefärztin dabei und rund 3 Prozent als Professorin oder Dekanin einer medizinischen Fakultät für Lehre und Forschung mitverantwortlich.
Es geht um Claims und wir nähern uns empfindlich der Demarkationslinie. Das wird dank der Gesetzesvorlage, über die am 18. April abgestimmt wird, nun sichtbar. Volker Kauder traut seinen weiblichen Parteimitgliedern nicht. Basta, Faust auf den Tisch? Die ohnehin fragile Koalition mit der FDP hat andere Stürme überstanden und hier haben sich Kanzlerin und der Koalitionspartner durchaus flexibel gezeigt (Stichwort: Eurobonds). Lassen sich die CDU-Frauen, die mit der Berliner Erklärung für eine Frauenquote eingestanden sind, wieder hinter die traditionelle Parteilinie zurückdrängen? Das wäre ein Verlust an Glaubwürdigkeit, ein trauriges Signal und schade um die ganze vorangegangene Arbeit.

Kauder ermahnt Frauen der Unionsfraktion.
Handlungsfähigkeit der Koalition sei gefährdet, wenn eine Frauenquote für die Aufsichtsräte nicht abgelehnt wird.


In Sachen Frauenquote muss Kauder es für Merkel richten
Die Debatte über die Frauenquote bedroht die Koalition.

Kauder fordert Disziplin von CDU-Frauen

EU-Kommissarin verteidigt Frauenquote
Reding pocht auf eine feste Vereinbarung

Berliner Erklärung

Hier geht's zum WoB-Index (2013) - FidAR e.V. (Die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte)

Pro Quote Medien e.V.

Initiative Pro Quote Medizin

Mittwoch, 4. Juli 2012

Das waren die 25. und 26. Kalenderwochen: Frauenpräsenz in Wirtschaftsmagazinen?


„Frauen sind nicht eine von vielen Minderheiten, die man managen muss, sie stellen in Deutschland sowohl eine Mehrheit gut ausgebildeter Talente als auch eine Konsummehrheit. 'Geschlechter – Diversity' ist ein Widerspruch in sich. Es gibt nur zwei Geschlechter. Entweder Ihr Unternehmen hat ein ausgewogenes Verhältnis der beiden oder nicht. Das muss nicht unbedingt 50:50 bedeuten. (...) Aber es ist in jedem Fall näher an 50:50 als an 90:10. Behandeln Sie Frauen entsprechend.“ fordert Avivah Wittenberg-Cox in ihrer Kolumne in der Juniausgabe des manager magazins.
ManagerInnen und UnternehmerInnen kommen aber selbst dort kaum vor - auch wenn die aktuelle Ausgabe (07/2012) das schöne Konterfei Maria Furtwänglers zeigt und mit ihr als Gattin Hubert Burdas, Chef des gleichnamigen Verlags, für die Titelgeschichte „Die Macht der Medienfrauen“ wirbt. Neben dem genannten Artikel und einem lesenswerten Interview mit der Schauspielerin konzentrieren sich die restlichen 31 Beiträge auf das Wirken von Männern in der Wirtschaftswelt.
Bereits die redaktionelle Entscheidung, Maria Furtwängler insgesamt drei Mal abzubilden – die Bluse immer weiter geöffnet - bestätigt das Klischee, dass nur attraktive Frauen der weiteren Wahrnehmung wert sind. Die Tatortkommissarin und engagierte Verlegergattin gibt auf der Titelseite zunächst nur wenig Dekolletée preis; im Inhaltsverzeichnis dagegen, umrahmt von Herren in deutlicher Pose des eigenen Machtbewusstseins, sind wir schon einen Knopf weiter und schließlich, kombiniert mit dem Interview, ist nun endlich die BH- Grenze zu sehen. Die echten Verlegerinnen sehen anders aus. Vielleicht ließe sich das nächste Mal – umgekehrt – Josef Ackermann auf der Titelseite durch George Cloony ersetzen....? 
Aber wer will denn so kleinlich sein?

Beim oberflächlichen Durchblättern von Wirtschaftswoche, Capital oder manager magazin zeigt sich, dass das Verhältnis 50:50 noch keineswegs erreicht ist. Visuell kommen Frauen auf Abbildungen in Artikeln der aktuellen Ausgabe insgesamt 14 mal vor (davon 3 Fotos von Maria Furtwängler) Männer sind hingegen in abgelichteter Form 58 mal vertreten, was einem Verhältnis 80:20 deutlich näher kommt. In der Ausgabe vom Juni reduziert sich die Anzahl abgebildeter Managerinnen und/oder Unternehmerinnen auf ganze 3 (96:4). Von insgesamt 33 Beiträgen stammen in der Juniausgabe immerhin 8 von JournalistInnen. Ganze zwei Artikel nehmen jeweils eine Managerin und eine Unternehmerin in den Fokus.

Aber auch die Werbung zeigt wo, die eigentliche Leserschaft der Magazine verortet wird. Neben Armbanduhren und Autos – durchgängig männlich beworben - findet sich z.B. in der Wirtschaftswoche kein Produkt, das Frauen zur Zielgruppe hat. Im manager magazin: ein Ring (06/12) und ein Armband (07/12). Beides wohl eher als Mitbringsel für die Partnerin gedacht. Akteurinnen in den Führungsetagen dürften sich kaum angesprochen fühlen. Für sie käme vielleicht eher eine elegante Laptoptasche infrage oder das leichte Business Gepäck…
Singapore Airlines macht Hoffnung und bewirbt ihre Business Class mit einem Model in Businessoutfit und Laptop, die von einer freundlichen Stewardess betreut wird. Die BMW-Group stellt in ihrer personalisierten Kampagne auch Frauen vor, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

UnternehmerInnen scheinen für die Berufung in die „Hall of Fame" (mm 07/12) eher nicht in Betracht zu kommen. Die Bildergalerie sämtlicher Mitglieder offenbart, dass seit 1992 nur 2 Frauen unter 53 Männern zu finden sind. Ließe sich unter den sehr erfolgreich wirtschaftenden Verlegerinnen möglicherweise nicht die ein oder andere Kandidatin finden? Ähnlich wie der jüngst berufene Michael Otto das Werk seines Vaters, so hat auch eine Yvonne Bauer als Nachfahrin des Firmengründers das Erbe verantwortungsvoll fortgeführt, ebenso wie Elfriede Springer das ihres Mannes, oder Petra Grotkamp das ihres Vaters – Kindererziehung inklusive.

Gerade Wirtschaftsmagazine könnten ohne große Mühe die Präsenz weiblicher Führungskräfte in der Wahrnehmung ganz selbstverständlich erhöhen - visuell und berichtend. Eine Frauenquote  von 30 Prozent oder gar ein Verhältnis von 50:50 wären ein aktiver Beitrag zum Bewusstseinswandel. Bei Männern und bei Frauen, die für Vorbilder und Identifikationsmöglichkeiten dankbar wären. Und, ganz nebenbei ließe sich auch die Zielgruppe und der Kundenkreis deutlich erweitern.

Dienstag, 19. Juni 2012

Das waren die 23. und 24. Kalenderwochen: Mit betreutem "Köpfchen" durch die Glasdecke....


Nun also das Betreuungsgeld. Keiner und Keine will es wirklich -  außer Horst Seehofer. Politische Verhandlungsmasse. Eine Bankrotterklärung:
  •  für die Umgestaltung einer Arbeitskultur, in der Kinder nicht als Betriebsunfall eingestuft werden, sondern zum Leben gehören.
  • für die CDU-Frauen und alle anderen Politikerinnen, die an parlamentarischen Zwängen vorbei, demokratisch eine Berliner Erklärung errungen haben.
  •  für Mütter, die sich ganz der Erziehung der Kinder widmen möchten und 100,- Euro wohl kaum als adäquate Anerkennung ihres Beitrags zu einer funktionierenden Gesellschaft erleben dürften.
  • für die Förderung und Integration von Kindern, denen die Möglichkeiten im heimischen Umfeld so nicht geboten werden können – siehe die Erfahrungen Norwegens.
  • für das politische Versprechen, ausreichend Kitaplätze zu schaffen.
  • für die SteuerzahlerInnen, die den Sinn (immer) noch nicht erkennen.
  • für die Bewertung und öffentliche Wertschätzung von Arbeit, die volkswirtschaftlich (noch)  nicht in der Wertschöpfungskette auftaucht und noch immer für selbstverständlich gehalten wird.
Letzteres zeigt auch der Vorschlag, ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen und Hartz-IV-EmpfängerInnen zu ErzieherInnen umzuschulen. Für einige, die dringend nach einem neuen Arbeitsplatz Ausschau halten, mag das eine gute Alternative sein; insgesamt hat es aber ein Geschmäckle von "Arbeitsdienst". So ganz nebenbei offenbart sich hier die (eigentliche) Geringschätzung der Leistung, Kinder für unsere komplexe Welt fit zu machen - allen hinterhergeschobenen Beteuerungen zur Qualitätssicherung bei der Ausbildung zum Trotz. "Das bisschen Kindererziehung...." Für die professionelle Betreuung und Erziehung von Kindern, die aus unterschiedlichen familiären Verhältnissen kommen und am Start ihrer Entwicklung sind, braucht es etwas mehr als mal eben eine Umschulung, weil sonst weit und breit kaum jemand für diesen Job zu finden ist. Um der Verantwortung, gleich zehn oder zwanzig Kinder auf einmal zu beaufsichtigen, gerecht zu werden, ist eine klare persönliche Entscheidung gefordert, die sehr wahrscheinlich auch vor der Berufswahl Verkäuferin gefällt worden wäre. 

Warum nicht vermehrt bei SchulabgängerInnen dafür werben? Der Boy's Day ist ein guter Anfang. Mit der gleichen Medienaufmerksamkeit bedacht, wie der Girl's Day, der Mädchen technische und naturwissenschaftliche Berufe näher bringen soll, könnten soziale Berufe auch für junge Männer salonfähig werden. ErziehER werden dringend gebraucht, um für Ausgewogenheit in der Geschlechterverteilung bei der Betreuung zu sorgen, Kindern auch hier männliche Vorbilder und Bezugspersonen zu bieten. Eine Männerquote für das soziale Berufsumfeld? Die würde wahrscheinlich erst bei attraktivem Gehalt und gesellschaftlicher Anerkennung erschöpfend diskutiert. Das Geld dazu dürfte fehlen – weniger, weil es nicht da ist, sondern weil wenig Neigung besteht, es dafür bereit zu stellen.
Banken- und Eurorettung beanspruchen nahezu sämtliche finanzielle Kräfte und zeigen, wo der tatsächliche Schwerpunkt (volks-)wirtschaftlichen Denkens derzeit und wohl auch in naher Zukunft liegt.

Ohne grundlegenden Mentalitätswandel, werden Frauen kaum - ganz selbstverständlich - in Führungspositionen akzeptiert  und Männer - genauso selbstverständlich - in Erziehungs- und Pflegeberufen. Wie der Herr so's Gescherr sagt der Volksmund, oder: solange auf politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsebene alles beim Alten bleibt, solange bleibt strukturell auf den unteren Ebenen auch erst mal alles wie es ist. Siehe Betreuungsgeld.  
"Mit dem Köpfchen durch die gläserne Decke" und einer "Graswurzelbewegung" wie die Bundesfamilienministerin propagiert, wird der Hardliner "Entweder-Oder"-Polemik nicht beizukommen sein; denn die angestrebten 30 Prozent Frauenanteil auf den Chefsesseln sind noch nicht annähernd erreicht und schon wird der Untergang des Abendlandes, besungen.
Wie schnell der freie Fall auf Stammtischniveau ist, zeigen folgende Kommentare,  die immerhin von Lesern der F.A.S. stammen. Also bitte nicht erschrecken – zwei erfreuliche Leserbriefe sind auch dabei!

"Diskriminierung
Führungsposten müssen streng nach Leistung und Eignung vergeben werden, nicht nach anderen Attributen. Quotenfrauen mögen in Kulturreferaten erträglich sein. In Industrieunternehmen, in denen Entscheidungen das Schicksal Tausender Arbeitnehmer bestimmen, ist kein Platz für politisch korrekte Spielereien. Wo bleibt da die Chancen- und Leistungsgerechtigkeit? Es wird viele berechtigte, hoffentlich erfolgreiche Klagen vor Gericht geben."
Wolfgang Richter

Hier lasse ich Jörg Schmelcher antworten und empfehle den Blick in den Wirtschaftsteil jedweder Zeitung, angesichts von Finanz-, Banken-, und Eurokrise.... Die Sorge um das "Schicksal Tausender Arbeitnehmer" scheint sich bei den Leistungsträgern  – sagen wir mal von Nokia (Stephen Elop, Präsident und CEO) – in Grenzen zu halten. Allen Berlinern und Brandenburgern sei zudem die Lektüre der Webseite http://preview.berlin-airport.de/de/unternehmen/ueber-uns/aufsichtsrat/index.php angeraten.

"Ätsch!
Tja, Jungs, jetzt seht ihr mal, wie das ist, wenn der blödeste Mann im Unternehmen eher befördert wird als die schlechteste Frau. Eure Netzwerke in den Chefetagen werden aufgeweicht, und der gemeinsame Puffgang zum Karriere-Auskungeln hat endlich ausgedient. Ach ja, und die Beulen an euren Köpfen stammen von der gläsernen Decke, deren Existenz ihr immer bestritten habt. Viel Vergnügen!"
Jörg Schmelcher

"Erfolg ist männlich
Überbordender Feminismus ist der größte Feind der Wirtschaft. Deutschland und Tschechien haben den geringsten Frauenanteil in der Führung von Unternehmen, sind aber die erfolgreichsten Länder in Europa."
Wolfgang Tibanski

Mal zum Vergleich: die beiden Länder, die sich schon länger mit einer Frauenquote "herumschlagen".

BIP/pro Kopf USD
2011
kaufkraftbereinigt
Norwegen
97.329 (weltweit an 3. Stelle; nach Luxemburg und Katar)
53.471 (4)
Schweden
56.956 (Platz 8)
40.394 (14)
Deutschland
43.742 (Platz 20)
37.897 (18)

"Aus dem Weg
Mann, aus der Bahn, da kommt der Quotenwahn! Wie weit sollen wir mit dem Quotenwahn noch gehen? Sollten wir angesichts der mageren Erfinderinnenquote (1,4 Prozent Frauen) nicht auch eine Quote beim Patentamt einführen? Mann stelle sich die Demonstrationen der Quotenanhänger vor dem Deutschen Patentamt vor, mit der Losung: „Alle Räder stehen still, bis die Quotenfrau erfinden will!“
Michael Baleanu

Wo es reelle Chancen gibt, wird auch erfunden:
"Mary Anderson (* 1866 in Greene County, Alabama; † 1953 in Monteagle, Tennessee)[war Bauunternehmerin, Rancherin, Winzerin und Erfinderin der Scheibenwischanlage. Im November 1903 erhielt die Amerikanerin Mary Anderson das Patent auf die erste funktionierende Scheibenwischanlage der Welt." (Wikipedia)

"Quote für alle
Wer A, Frauenquote in Führungsgremien, sagt, muss auch B sagen: Frauenquote auf Baustellen, im öffentlichen Dienst, im Fernverkehr etc."
Bernhard Kraus

Matthias Struwe gibt hier die passende Antwort. Und ja: "Quote für alle!" Männer in die Kindergärten, Grundschulen und Pflegeeinrichtungen – als Erzieher, Lehrer und Pfleger!

Viel zu wenig Frauen
Man(n) könnte wirklich in Tränen ausbrechen. Die deutsche Wirtschaft ein Jammertal gescheiterter, ausgebremster Männer. Die Fakten: Der Frauenanteil in den Vorständen der 160 im Dax, MDax. SDax und TecDax notierten Unternehmen ist seit Januar 2011 von 3,01 auf 3,66 Prozent gestiegen. Ein Erdrutsch, geradezu eine Lawine von Frauen, die da die armen Männer erfasst und davongerissen hat.
Matthias Struwe

Das Beste zum Schluss:

"Geschlechterkrieg
Die Männer werden diese Männerverachtung nicht still hinnehmen. Die Folge dieser Diskriminierung werden zunehmende Frauenfeindlichkeit und Aggressivität der Männer sein. Die Frauen sollten sich also nicht zu früh freuen. Denn Quotenfrauen wird niemand ernst nehmen, und die Stimmung wird sich schon bald gegen diese unqualifizierten Frauen richten. Alles, was dieser Trend anrichten wird, ist ein zunehmend aggressiv geführter Geschlechterkrieg, der noch viel leid hervorrufen wird."
Armin Pillhofer

Übermütter
Frau sein an sich ist keine Qualifikation (außer fürs Kinderkriegen). Wann beginnen die Männer endlich, gegen die Übermütter aufzubegehren?
Dr. Christian Jäger

Alle Leserbriefe stammen aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. Juni 2012, Nr. 23, S. 38.