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Mittwoch, 6. Juni 2012

Das waren die 21. und 22. Kalenderwochen: Pfingstwunder und Newtonmeter




Vor gut einer Woche konnten wir uns dank des Pfingstfestes über ein verlängertes Wochenende freuen. Ein Wochenende, das mein Mann und ich unter anderem für eine Probefahrt in einem Cabrio genutzt haben, Wolken, Wind und Sonne direkt ausgesetzt.

Aber der Reihe nach: worum geht es bei Pfingsten? Traditionellerweise feiert „die Kirche“ ihren "Geburtstag"; ursprünglich aber geht es um das Empfangen des Heiligen Geistes, um Erleuchtung. 
El Greco, Schöpfer des Anfang des 17. Jahrhundert entstandenen Bildes, wählte für die Darstellung des Unfassbaren, eben des Geistigen, die Form kleiner Flammen, die wie Tropfen über den Häuptern der Jünger und Marias schweben. Auf die geschlechtliche Zuordnung, auf eine konkrete Personifizierung wurde verzichtet und die Abstraktion bevorzugt. 
Hätte wahrscheinlich auch etwas merkwürdig ausgesehen, wenn lauter kleine Kerlchen über den erleuchteten Häuptern zu sehen wären. 
Maria steht zudem im Zentrum des Bildes – nicht abseits; empfängt wie die Jüngerschar den Segen des Himmels. Fast könnte man meinen, dieses Gemälde beschreibe eine Zukunft, mit der sich die katholische Kirche ja immer noch recht schwer tut. (Im Säkularen bedürfen wir der "Quote".) Andere christliche Glaubensrichtungen, die in einigen Punkten schon weiter sind, dürften allerdings kaum die männliche Interpretation von Trinität in Frage stellen. Aber warum eigentlich „Der Geist“, "Der Vater", "Der Sohn"?  Lässt sich Autorität glaub-würdig nur männlich vorstellen und v.a. empfinden? Auch heute?

Bei genauer Lektüre des Neuen Testaments fällt jedoch auf, dass sehr viele Frauen eine spirituelle Entwicklung durchlaufen. Unter Berücksichtigung des kulturellen und historischen Hintergrunds, dem die Geschichten ihre Entstehung und spätere schriftliche  Fixierung verdanken, muten die Evangelien nahezu revolutionär an: so begegnete als erste Maria Magdalena dem Auferstandenen nach der Kreuzigung. Die männliche Gefolgschaft, die Jünger nämlich, wollten die Nachricht zunächst nicht glauben. Eine Samariterin erkannte dagegen schon zu einem früheren Zeitpunkt, über Stammesgrenzen hinweg, wer ihr da am Brunnen begegnete.
Alles Zufall? Wie wäre es – nur mal so zum Ausprobieren –, die männliche Form durch eine neutrale zu ersetzen: Das Göttliche, Das Allmächtige, Das Geistige, Das Schöpfende? Statt also einen „Vater" im "Himmel“ zu adressieren und dabei möglicherweise vage die Erscheinung eines älteren Herren mit langem weißen Bart vor Augen zu haben, ließe sich z.B. ein „Göttliches im Himmel“ einsetzen. Gewiss eine Herausforderung!
Vielleicht sogar eine Überforderung; denn die männlich personifizierte Vorstellung des Allerhöchsten, tief im kollektiven Bewusstsein verankert, dürfte auch bei nicht religiös oder gar kirchlich orientierten ZeitgenossInnen die Grundlage für das eigene Autoritätsverständnis bilden.

Dieses im Cabrio denkend, unter blauem Himmel, tauchte die Frage auf, warum es Mädchen und Frauen scheinbar so schwer fällt, sich in vermeintlich männliche Welten hinein zu denken. 
In vielen naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen zum Beispiel wird die männliche Sichtweise als die einzig wahre vermittelt. Ob Drehmoment, Newtonmeter oder PS; stets gilt die absolute Zahl, des Größer–Weiter–Mehr als das eigentlich Wertvolle und nur selten steht der komplexe Zusammenhang einer nützlichen Funktionalität in Relation zur restlichen Welt im Vordergrund – das beziehungsstiftende Warum-und-Wozu. 
Meist ist in schicken Werbefilmen ein FahreR allein auf weiter Strecke unterwegs, auf Straßen, die nur um 5:00 Uhr früh so leer sein können. 
Gerade Sportwagenhersteller könnten bei der Zielgruppe Frauen punkten, wenn sie den Segen dieser Ingenieursleistung zum Beispiel beim raschen Überholvorgang auf einer solchen Landstraße anschaulich machten. PS und Newtonmeter sorgen nämlich nicht allein für den Geschwindigkeitsrausch, sondern auch für erfahrbare Sicherheit in heiklen Situationen. Gleichzeitig ließen sich auf diese Weise die nachwachsende Mädchengeneration indirekt für Technik interessieren, aufwendige MINT-Programme unproblematisch flankieren und neue Identifikationsmodelle schaffen – jenseits gängiger Klischees. 

Nicht nur Wirtschaft könnte zunehmend weiblich buchstabiert werden, auch die naturwissenschaftlichen und technischen Berufsfelder könnten davon profitieren. Das Denken in Beziehungen – häufig dem Weiblichen zugesprochen - lässt sich nicht nur im Bereich der Erziehung oder Pflege verwirklichen, sondern dank eines erweiterten Horizonts durchaus auch im Ingenieurswesen. Das Geistige weht eben wo es will....

Sonntag, 27. März 2011

Das war die 12. Kalenderwoche: "Le Patron? C'est moi." - Der Chef bin ich! - Zickenkrieg - Debatte


Auf die Frage, was denn "gut im Osten" sei, fällt Reiner Haseloff sofort "die ostdeutsche Frau" ein. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lobt der CDU-Fraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt, ihre Nüchternheit, wenn es z.B. um solche Dinge wie Fleisch geht. "Die ostdeutsche Frau. Sie ist unkompliziert. Durch die Diktaturerfahrung setzt sie andere Prioriäten. Zum Beispiel diskutiert sie nicht stundenlang über Biofleischsorten, sondern es geht um Fleisch oder Nichtfleisch. Sie ist nüchterner." Das hat für einen sehr heiteren Start in den Sonntagmorgen gesorgt. Aber jetzt mal wirklich nüchtern betrachtet, offenbart diese durchaus als Lob – wenn nicht gar – Kompliment gemeinte Äußerung, wie tief Klischees sitzen, ehemalige DDR hin, werktätige ArbeiterINen her.
Frauen, die diskutieren sind folglich kompliziert und daher eher zu meiden? Bleiben wir beim genannten Beispiel: wären Fragen zu Antibiotikarückständen, zu Tierhaltung und den Konsequenzen für  Mensch und Umwelt irrational?
"Wir Ossis sind nicht bekloppt"
27. März 2011
Debattierende, ja um eine Sache gar streitende Frauen sind unserem kulturellen Bewusstsein immer noch fremd. Schnell ist von Zickenzoff die Rede, ob beim öffentlichen Ringen der MinisterINnen Schröder und von der Leyen um die Quote oder jetzt bei der Diskussion ob Hausfrauen nun feige sind oder ob sie sich wie die englische Autorin Natasha Walter in ihrem Buch "Living dolls" wohl behauptet, nur auf ihre Schönheit konzentrieren.
Solche Beiträge provozieren, spiegeln sie doch nur einen Ausschnitt vom Ganzen - manchmal einen ganz klitzekleinen, nur ganz weniger Frauen. Und natürlich werden sich einige QuotengegnER bestätigt sehen, dass es Frauen eben doch nicht packen, weil zu einigen Aspekten handfester Dissens herrscht. Na und! So ärgerlich frau manche Thesen aus den jüngsten Buchveröffentlichungen finden mag. Vielleicht erliegt auch Simone Schmollack dem von ihr eigentlich beklagten "Frauenbashings" und beteiligt sich am "Keifen". Unter dem Titel Frauen gegen Frauen: das unsolidarische Geschlecht steht der Beitrag für Deutschlandradio Kultur in seiner Haltung den kritisierten Veröffentlichungen – Die Feigheit der Frauen oder Living dolls - verdächtig nahe. Statt Zwangsharmonie einzufordern, wäre eine argumentative Auseinandersetzung mit den dort aufgestellten Thesen dem Diskurs nützlicher. Warum dürfen MinisterINen um eine wichtige gesellschaftspolitische Entscheidung weniger streiten als MinistER? Von letzteren sind wir es vielleicht eher gewohnt. Warum sollen nicht Frauen nicht die Auseinandersetzung suchen dürfen, wenn es um nichts weniger geht, das Selbst-Bild hinter dem jahrhundertealten Vor-Bild zu entdecken? Im Für und Wider werden Denk- und Verhaltensmuster, Selbstverständnis und Klischees manchmal überhaupt erst erkennbar. Eines der tief verinnerlichten Klischee lautet z.B. (immer noch): Mädchen streiten nicht, Mädchen zicken. Die Angst als Zicke lächerlich gemacht und nicht als erwachsener (weiblicher) Mensch ernst genommen zu werden, sollte eine kontrovers geführte Debatte nicht verhindern. Vielleicht müssen wir uns an solche Auseinandersetzungen erst gewöhnen. Zunächst können wir ja mal versuchen, auf medialer Ebene durchzusetzen, dass Frauen, unterschiedlicher Meinung, genauso solidarisch sind wie Männer, in der gleichen Situation.
Frauen gegen Frauen: Das unsolidarische Geschlecht
Von Simone Schmollack
Ob PolitikER oder ManageER in oberster Führungsriege, beide wären nicht an der Position – zumindest in der momentan besten aller Welten - wenn sie stets allen anderen den Vortritt gelassen hätten. In der männlichen Variante wird das als machtbewusst und durchsetzungsfähig akzeptiert, Frauen gelten dagegen als unsolidarisch. Was denn nun? Einerseits sollen Frauen mehr Biss entwickeln, andererseits sich aber in sanfter Zurückhaltung üben, wenn es zur Sache geht. Diesen Widerspruch benennt, Adolf Dinglreiter in seinem Vortrag zur FU-Hauptversammlung der CSU an: "Ist vielleicht doch etwas dran an der oft geäußerten Meinung, dass wir von Frauen in Führungspositionen mehr erwarten als von Männern? Wenn Kohl dem Nachwuchs keine Chance gab, war er, machtbewusst'. Wenn bei Kanzlerin Merkel Führungskräfte aus zweiter Reihe weggehen, um sich zum Beispiel in der Wirtschaft gut dotierte Posten zu suchen, dann wird sie eine ,Männer-Fresserin' genannt." Stehen Frauen zunehmend für sich ein, werden sie auch Unterstützung bei einigen Männern finden. So zählt Dinglreiter zu den BefürwortERn einer Frauenquote.
FU-Hauptversammlung im Zeichen des Jahres der Frau bei der CSU
Auch Quote gibt Qualität
Authentisch bleiben, gleichzeitig Selbstzweifeln nicht erlauben, auch noch das letzte Quentchen Mut für den eigenen Weg zu ersticken, ist eine konstante Herausforderung für Frauen, die sich ihren Weg in einer immer noch fremden, nach männlichen Spielregeln funktionierenden Berufswelt bahnen. Die Diskussion von Frauen, die es geschafft haben auf dem Podium anlässlich der Welt-"Frauenkonferenz", gibt einen sehr wichtigen Einblick in die Realität. Daniela Favoccia (Partnerin der Großkanzlei Hengeler Mueller), Silvana Koch-Mehrin (Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments), Inga Michler (Welt-Moderatorin), Claudia Nemat (Direktorin McKinsey) und Ann-Kristin Achleitner (Professorin an der TU München) mussten jeweils ihre ganz individuelle Strategie im Privaten wie im Beruflichen entwickeln. Fazit:
Koch-Mehrin: (...) Die EU-Kommissarin Viviane Reding hat ihre Drohung unmissverständlich klargemacht. Entweder die börsennotierten Firmen in Europa legen innerhalb eines Jahres auf den Tisch, wie sie es erreichen wollen, 30 Prozent weibliche Aufsichtsräte bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 zu haben. Oder Frau Reding zieht einen Richtlinienentwurf aus der Schublade.
Favoccia: Erfolgreich ist, wer authentisch ist.
Achleitner: Ich wünsche mir, dass wir das Thema Familie und Beruf insgesamt toleranter sehen. Wir müssen andere Entwürfe gelten lassen und aufhören, andauernd wertend übereinander herzufallen.
Favoccia: Und drittens sollten Männer, die Teilzeit arbeiten möchten, nicht belächelt, sondern anerkannt und respektiert werden.

Weitere Links:
 Inzwischen beschäftigen sich auch unterschiedliche Studien mit dem Phänomen Glasdecke
Juristinnen auf der Überholspur
Die Langzeitstudie der eligo Psychologische Personalsoftware GmbH in Zusammenarbeit mit dem Unicum Verlag: Zwischen 2003 und 2010 wurden insgesamt 20.928 Personen, davon 841 Rechtswissenschaftler/-innen, die überwiegend kurz vor oder kurz nach ihrem Studienabschluss standen, nach ihren beruflich relevanten "Lebenszielen" bzw. Befriedigungspotenzialen befragt und deren Leistungspotentiale erfasst.
Auffallend ist die starke Abnahme des "Durchsetzungsvermögens" bei beiden Geschlechtern (Frauen: von 63 Prozent auf 52 Prozent, Männer: von 69 Prozent auf 61 Prozent). Dazu passt, dass "Macht" als Anreiz entsprechend dem allgemeinen Trend immer unwichtiger wurde, wobei die Abnahme bei Männern (von 67 Prozent auf 63 Prozent) schwächer ausfällt als bei Frauen (von 66 Prozent auf 57 Prozent)

Das Abenteuer der Frauen
Warum kommt Frau in der Karriere nicht voran? Die Forschung läuft heiß, die Regierung ruft zum Quotengipfel Von Bettina Weiguny
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 27. März 2011 Nr. 12 Wirtschaft S. 43

Der Equal-Pay-Day am 25. März dokumentiert, welche Hürden überhaupt erst genommen werden müssen, um eine echte Gleichstellung zu erreichen. Bis zu diesem Tag hätten Frauen länger arbeiten müssen, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu erzielen. 23% Gehaltsunterschied in Lebenszeit übersetzt.
Frauen wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit
Sprockhövel, 22.03.2011, DerWesten
„Was wir beispielsweise brauchen, ist Transparenz auf der betrieblichen Ebene, wie es um die Entgeltgleichheit bestellt ist“, meint Referentin Dr. Andrea Jochmann-Döll. http://www.derwesten.de/staedte/sprockhoevel/Frauen-wollen-gleichen-Lohn-fuer-gleiche-Arbeit-id4453184.html

Bundesweiter Aktionstag Equal Pay Day am 25. März 2011 - Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männer schaffen
Rostock/Stralsund/GNN/MVregio  Der 2008 bundesweit eingeführte Aktionstag Equal Pay Day am 25. März will Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männer schaffen.

„Equal Pay Day“ 2011: Frauen in Hessen fordern Lohngerechtigkeit- Mit Lohnlücke von 23,2 Prozent ist Deutschland Schlusslicht in Europa

Frauen kämpfen für gleiche Bezahlung
Bei einer Kundgebung in Celle anlässlich des Aktionstages zur Gleichstellung der Löhne von Frauen und Männern hat sich die ehemalige Vize-Vorsitzende des DGB, Ursula Engelen-Kefer, für einen gesetzlichen Mindestlohn und eine Frauenquote ausgesprochen.

Fernsehbeitrag
Auf die 23 - Hildesheim feiert Equal Pay Day


Für den richtigen Biss und das notwendige Durchsetzungsvermögen sei folgender Kongress empfohlen:
Mehr Power, Frauen! Beim Kongress women&work sind 60 Top-Unternehmen auf der Suche nach weiblichem Führungskräftenachwuchs
Best-Practice Beispiele erfolgreicher Frauen (mit Kindern) in der Podiumsdiskussion “Mit Rabenflügeln ab durch die Glasdecke – oder was machen erfolgreiche Frauen anders?”
Dr. Dorothee Ritz
Und doch fehlt Frauen häufig die richtige Strategie und eine gewisse „Bissfestigkeit“, sich im Berufsleben zu behaupten ― sei es im Bewerbungsprozess, beim Aufstieg zur Führungskraft oder in Gehaltsverhandlungen. Hier bietet der Kongress women&work am 14. Mai 2011 in Bonn Unterstützung.

Wer sich am verdienten Feierabend noch Mut machen will, dem sei der neueste Film von François Ozon empfohlen. In "Potiche" – übersetzt: Schmuckstück – mutiert Catherine Deneuve von der braven Gattin zur Chefin des Familienunternehmens. "Der Zuschauer soll mitfühlen und sich mit dieser Trophäenfrau identifizieren, "die nicht als Schmuckstück im Regal stehen bleibt". In diesem Sinne ist es ein feministischer Film", so der Regisseur.
http://www.potichelefilm.fr/ (link zum Original Videotrailer: Potiche)

Sonntag, 20. März 2011

Das war die 11. Kalenderwoche: Latte-Macchiato-Mütter und Leitwölfe

Supermammi oder (einsamer) Leitwolf? Wo sind die tragfähigen Leitbilder? In der Diskussion mit der Buchautorin Bascha Mika (Die Feigheit der Frauen) während einer Veranstaltung des Zonta Clubs Berlin Mitte, wird deutlich, dass alles auf den Prüfstand muss. Die "Latte-Macchiato-Mütter", die ihr selbstbestimmtes Leben einer fragwürdigen finanziellen und emotionalen Abhängigkeit vom Ehemann opfern, haben es der Autorin besonders angetan. Hier fürchtet sie Rückschritte. Frauen machten es sich in der Komfortzone bequem, statt möglichst rasch wieder ins Erwerbsarbeitsleben zurückzukehren und vom Kindsvater entsprechende Beteiligung bei der Familienarbeit einzufordern. Statistiken zeigen, dass immer weniger dieser Frauen voll berufstätig sind. Der Vorwurf geht an die Frauen, die sich in ihrer Feigheit nicht ausreichend individuell gegen die (Struktur-)Grenzen stemmen; aber so einfach geht's wohl doch nicht. Meist sind es ja die Frauen, mit den schlechter qualifizierten und bezahlten Jobs. Im Schnitt – wir erinnern uns – verdienen Frauen 23% weniger als Männer. Hier entscheidet also jede Familie in statu nascendi nur ökonomisch, wenn der besser verdienende Partner mit mehr Aufstiegschancen seine Anstellung behält. Ein für unsere Gesellschaft sehr unwürdiger Zustand, aber einer, der von den Strukturen abhängt – da kann frau am heimatlichen Herd noch so oft mit dem Fuß aufstampfen. Hier ist Gleichstellung gefordert:  ein ergiebiges Tätigkeitsfeld für gewerkschaftliche Arbeit.
Wäre also Gleichheit erreicht – würde in vielen Fällen die Entscheidung vermutlich anders ausfallen; denn viele Männer "beneiden", nach eigener Aussage, Frauen um das Privileg nach der Geburt des Kindes zwischen (vorübergehendem) Hausfrauendasein oder Berufstätigkeit wählen zu können. Es gibt sie aber schon die Inseln. So ist bei Bündnis 90/Die Grünen eine echte Elternzeit für Väter vorgesehen, die nicht – wie in vielen Wirtschaftsunternehmen – belächelt und als Karrierebremse missbraucht wird. Vielmehr haben diejenigen Männer, die darauf verzichten, ein Imageproblem. "Sie sind als Männer in die Elternzeit gegangen und kommen als Menschen wieder zurück" so die Erfahrung von Bascha Mika bei der taz.
Aber kann es denn nicht auch sein, dass den gut ausgebildeten jungen Frauen es möglicherweise wichtig ist, auch Mutter zu sein, Familie und Kinder zu haben? Vielleicht begreifen Sie ihre Kinder nicht als Störfall oder als gar als Schicksalsschlag, sondern als Menschen, zu denen eine nur schwer bilanzierbare Beziehung aufgebaut werden muss – deren Belastbarkeit sich spätestens in der Pubertät beweist. Professorin Gertrud Höhler, Beraterin von Wirtschaft und Politik plädiert für einen differenzierten Blick. "Jeder muss seinen Lebensweg finden. Frauen dürfen sich vor allem nicht unter Druck setzen lassen, nach dem Motto: Du bist nur wertvoll, wenn Du ins Büro rennst. Familienfrauen, die sich um ihre Kinder kümmern, tun sehr, sehr viel für die Zukunft unserer Gesellschaft! Leider wird das nicht richtig wertgeschätzt."
Vielleicht möchten diese Frauen auch nur einen bestimmten Lebensabschnitt dafür auswählen. Hier aber droht die Falle. Ein Zurück, wenigstens eines in eine adäquate Stellung ist schwer bis unmöglich und so sieht die Bascha Mika ein Doris-Day-Hausfrauendasein vorgezeichnet. Aber genau an dieser Stelle treffen Struktur und individuelle Lebensgestaltung aufeinander. Eine Gesellschaft, in der nur der Erwerbstätige als vollgültig Arbeitender betrachtet wird, tut sich schwer, Familien-Arbeit (wozu auch Pflege gehört) vollgültig anzuerkennen.
Möglicherweise sind es gerade die Mütterqualitäten, die den weiblichen Beitrag zum Wirtschaftsgeschehen unter den gegebenen Umständen so überraschend erscheinen lassen. Um überhaupt ein Kind zur Welt zu bringen, wird dem weiblichen Organismus und der Psyche einiges an Change Management abgefordert. Die anschließende Begleitung und Erziehung eines Menschen vom Stadium des Säuglings bis zum gesellschaftstauglichen Erwachsenen stellt höchste Ansprüche an die Personalführung. Das merken dann auch Väter. Es geht um nichts weniger als um Individualführung, Teamführung, Motivation, die richtigen Anreizsysteme und natürlich immer wieder um Coaching. Hier wird die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen geschult, die Frauen an anderer Stelle oft zögerlich auftreten lässt, aber gleichzeitig für eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge sorgt. 
Das pauschale "Wir", das Bascha Mika in ihrem Buch verwendet, provoziert (fast) alle Frauen und schiebt eine wichtige Diskussion an. Die wenigsten dürften sich in ihrem Berliner-Prenzlauer-Berg-Mütter-Modell wiederfinden. Aber warum ziept es denn? Ist es die Haremsdame in uns, die Macht des Mütterlichen, die es engagierten Vätern durchaus schwer machen kann? Welchem Selbstbild folgen wir? Haben wir überhaupt ein eigenes, ein wirklich genuin weibliches? Was zu früheren Zeiten durch die Familie erfolgte, erledigen heute die Medien. Girlsmagazine, Frauenzeitschriften, Werbeplakate und Germanys next Topmodell, führen uns im Hochglanzformat vor, dass alles vorauf es ankommt, der Look ist und später die Familie + Look. Junge Mädchen eifern diesen geschlechtspezifischen Vor-Bildern genauso nach, wie Jungen den ihren. Das ist normal. Auf der einen Seite photoshopgeschönte Barbiepuppen. Auf der anderen schwitzende Fußballhelden, die sich auf dem Platz durchsetzen.
In den Zeitungskiosken sucht frau vergebens nach einem Journal, das z.B. Wirtschaftsthemen oder Politik mal aus  weiblicher Sicht aufbereitet. Eine belastbare Analyse und ein Vergleich UnternehmerINnen geführter Unternehmen, oder eine Vorher-Nachher-Vergleich von Konzernen, die eine Frau auf dem Chefsessel haben. Welche Erfindungen sind weiblich oder welche Technologien werden von Frauen bevorzugt und warum? Wäre der in der neuen Business Vogue angebotene Hometrainer mit Internetsurfmöglichkeit für rund 7.000,- € dabei? Welche Wissenschaftlerin hat für was eine internationale Auszeichnung bekommen. Es gibt sicher welche. Wie weiblich arbeitet der Regisseur François Ozon beim Dreh seines Films 8 Frauen? Und so weiter und so weiter..... Und natürlich kann sich auch die Businessfrau für ein geschmackvolles Outfit, das sich nicht notwendig im Einheitsanthrazit nur mit seitlichen Abnähern erschöpft interessieren. Das eine Thema muss das andere nicht ausschließen.
Das Extraheft der Aprilausgabe des Vogue-Magazins – Business Vogue – ist ein Anfang; bleibt aber dennoch im Wesentlichen bei Schönheit, Outfit und teuren Reiseangeboten hängen. Einige sehr interessante Frauen werden vorgestellt, die sich deutlich von den Models unterscheiden.

Weitere Links:

Immerhin Al-Quaida nutzen die Möglichkeiten zur Imagebildung der Islamistin:
„AL-SHAMIKHA“
Die Terroristen geben ihr eigenes Frauen-Magazin heraus – die „Dschihad-Version“ für die gläubige Frau von heute...
„Al-Shamikha“ (dt. „Die majestätische Frau“) wartet mit Ratschlägen für jede Lebenslage auf: • Männersuche: „Heirate einen islamischen Glaubenskrieger!“ • Outfit-Nöte: „Verhülle dein Gesicht!“ • Öffentlicher Auftritt: „Geh nur in dringenden Notfällen aus dem Haus!“
Das Cover zeigt die kleine Abbildung einer vermummten Frau, darunter die große Abbildung einer Maschinenpistole.
Es folgen Geschichten von Witwen, die von den Selbstmordanschlägen ihrer Männer „schwärmen“. „Der Gläubige gewinnt durch das Märtyrertum Sicherheit, Geborgenheit und Glück“, schreibt „Al-Shamikha“.

Die bevorstehende WM des Frauenfußballs findet dagegen in den Medien kaum Resonanz. Die deutsche Frauen-Elf verteidigt hier den Titel! Wo sind die Hochglanzmagazine? Wo die Berichte über die Vorbereitung bei den Frauenschaften.... Wie war das noch während des Sommermärchens 2006...? Das Outfit findet immerhin Erwähnung.
Fußball-WMTrikot der Spielerinnen präsentiert
Im Frankfurter Club `Cocoon` wurde am Donnerstagabend das Trikot der deutschen Frauen-Nationalmannschaft für die Fußball-WM präsentiert: Weiß für „Heimspiele“, rot-schwarz für „Auswärtspartien“.

Dennoch zeigt sich der deutsche Fußball innovativ; denn ausgerechnet im Fußball, bei den Jungs, werden weibliche Elemente im Führungsstil entdeckt: "Kooperation" und "emotionales Führen" verspricht nachhaltigen Erfolg. Partnerschaft statt der Wo-ich-bin-ist-Oben-Strategie und Kritikresistenz. Motivation statt purer Ausbeutung der Leistung. Kurzfristiger Erfolg oder langfristig am Ball bleiben? Das wird in Zukunft zunehmend die Frage sein - nicht nur für Fußballclubs.
Das Ende der Leitwölfe
...In Dortmund hingegen triumphiert ein Modell der Kooperation
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 13. März 2011 Nr. 10 Sport S. 17

Die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen und Dinge sehr komplex zu betrachten, ist die eine Seite der Medaille, die andere: sind Frauen erst einmal auf dem Chefsessel angekommen, ist es zuweilen schnell vorbei mit der weiblichen Kollegialität. Auch ein Haremsproblem: der Konkurrenzdruck ist groß und wird männlich dominiert. Bleibt abzuwarten, ob und inwieweit sich an diesem Verhalten etwas ändert, wenn mehr Frauen an die Spitze gelangen.
Gertrud Höhler hält nichts von Quotenfrauen
Essen/Berlin. Die Diskussion läuft: Soll es eine Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte in der deutschen Wirtschaft geben, damit Frauen an der Macht teilhaben können? Professorin Gertrud Höhler, Beraterin von Wirtschaft und Politik, sagt: „Nein!“

Etwas von dem, was es Frauen so schwer macht in die Alphariege vorzudringen, die lästige Selbstrelativierung, kann gelegentlich viel, viel Geld sparen und wirtschaftlich nachhaltig sein. Wie real ist die Welt der Führungskräfte, die nur Qualität und keine Quote gelten lassen, die sich nur auf  harte Zahlen und Fakten berufen? Was, wenn die Fakten und die Zahlen - nun sagen wir mal -  "reinterpretiert" wurden, weil sie nicht ins Konzept passten, nämlich in das eines gefeierten Managers, der über viel Ausstrahlung und offensives Auftreten verfügt. Eines Managers mit Führungsqualitäten, durchsetzungsfähig und entscheidungsfreudig - nur leider ohne Bodenkontakt. Fehler nur bei anderen zu suchen, sich als Opfer einer Kampagne zu sehen - unabhängig vom persönlichen Handeln - das sind bekannte Muster, die auch auf Thomas Middelhoff zutreffen. Einst gefeiert, jetzt vor Gericht.
Verlust der Realität
....Wenig ist noch übrig vom Glanz des Ex-Arcandor-Chefs....Er selbst versteht die Welt nicht mehr und klammert, sich an sein Selbstbild
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 13. März 2011 Nr. 10 Wirtschaft S. 38

Dennoch fehlen die Erfahrungen mit Frauen in den Chefsesseln und damit die Vorbilder. Sind Chefinnen "zickig", weil sie selber nachschauen ob die Arbeit getan und sich nicht so leicht von Performance blenden lassen. Ließe sich das nicht auch mit Effizienz umschreiben? Oder führen sie komplizierter und anspruchsvoller, indem sie Mitarbeiter in Prozesse und Entscheidungen mehr einbinden und damit auch mehr Ver-Antwortung fordern?
Nur jeder Zehnte will eine Frau als Chef
Wirtschaft und Politik fordern mehr weibliche Führungskräfte. Doch vielen Arbeitnehmern ist laut Umfrage ein Mann an der Spitze lieber.

In der Gesundheitspolitik tut sich 'was. Der Hartmannbund, der Verband der Ärzte Deutschlands mahnt angesichts von 60% Medizinstudentinnen auch mehr weibliche Beteiligung in den Gremien an, in denen gesundheitspolitische Entscheidungen fallen.
Bei der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) nur Männer an der Spitze?
Bühren: Wir brauchen auch in Spitzenpositionen der ärztlichen
Vertretungen mehr Frauen
Den Text der Pressemeldung finden Sie auf der Homepage des Verbandes

Ein Anfang ist gemacht:

Barmer-Chefin wird oberste Pharma-Lobbyistin
Die Vorstandschefin der Krankenkasse Barmer-GEK, Birgit Fischer, wird Zeitungsberichten zufolge neue Chef-Lobbyistin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller. Damit will der Verband sich neu ausrichten.

Auf Bundesebene wird eine gesetzliche Regelung für mehr Gleichstellung noch nicht aufgegeben. Nordrhein-Westfalen prescht mit einem Gesetzesentwurf auf der 881. Plenarsitzung des Bundestages vor.
Entwurf eines Gesetzes zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen (FöGAbUG)
Antrag des Landes Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen möchte den Anteil weiblicher Führungskräfte in der Wirtschaft erhöhen. In den deutschen Wirtschaftsunternehmen sei die Anzahl weiblicher Führungskräfte immer noch verschwindend gering. An hochqualifiziertem weiblichem Nachwuchs bestehe zwar kein Mangel, doch zeige sich auch im Jahr 2010, dass Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Aktiengesellschaften fest in Männerhand seien.

Global:

Gesundheit von Frauen wird schlecht geschützt
Vor allem in den Ländern der sog. Dritten Welt haben Mädchen und Frauen deutliche Nachteile hinzunehmen, wenn sie ärztliche oder pflegerische Hilfe in Anspruch nehmen müssen - Mädchen in Asien haben zu leiden.

Frauenrechte im Nordirak
Zeit zum Umdenken
Auf den ersten Blick hat sich die politische Situation der Frauen im Nordirak verbessert: Fast ein Drittel der Abgeordneten im irakischen Teil Kurdistans sind Frauen. Doch noch immer ist die Zahl der Ehrenmorde und der Selbstverbrennungen hoch, wie Mona Naggar berichtet.

Gegen Patriarch und Pascha
Frauen spielen in den Aufständen im arabischen Raum eine große Rolle. Die Geschichte zeigt aber: Mit der Diktatur endet die Unterdrückung noch nicht.
Eine Koalition von 63 Frauengruppen wehrt sich entschieden gegen erste Versuche, den Frauen im neuen Ägypten den ihnen gebührenden Platz im öffentlichen und politischen Leben zu verwehren... Der wahre Kampf beginnt erst jetzt, damit der Traum von einem freien, gleichberechtigten Ägypten in Erfüllung geht.

Frauen demonstrieren nackt gegen Europas Polit-Machos
Männerkult und Bunga-Bunga-Partys: Mit nackter Haut protestieren ukrainische Feministinnen gegen Staatsmacht und Sextourismus. Nicht nur Männer stört das.
Ihr stärkstes Argument sind nackte Tatsachen.
Seit Wochen sorgt die ukrainische Frauenbewegung Femen mit Oben-ohne-Protesten europaweit für Aufmerksamkeit. Ob sie vor der italienischen Botschaft in Kiew gegen Silvio Berlusconis Bunga-Bunga-Partys demonstrieren, gegen Wladimir Putins autoritären Männerkult zu Felde ziehen oder gegen schlüpfrige Äußerungen ihres eigenen Präsidenten Wiktor Janukowitsch auf die Straße gehen: