Sonntag, 13. März 2011

Das war die 10. Kalenderwoche: 100 Jahre - Paradigmenwechsel?

100. Geburtstag des internationalen Weltfrauentags ....Weiberfastnacht.....Fasching..... Fastnacht.... Aschermittwochskater....und ich übe mich mal in der Fertigkeit, Ideen anderer als die eigenen zu verkaufen. Jawoll! Jetzt plagiiere ich! Heimliche Quelle: Die Jubiläumsausgabe der taz vom Dienstag 08. März 2011.
Unter dem Motto "Wenn ich mir was wünschen dürfte" sind 100 sehr unterschiedliche Frauen befragt worden. The best of:

Perspektivenwechsel:
 Am Morgen vor seiner Vereidigung
ist der designierte Minister für die Zukunft der Emanzipation sehr aufgeregt. Er fragt sich: Wie wird meine Antrittsrede ankommen? Soll ich wirklich die Männerquote fordern? Ja, das mache ich, dann wird es rauschen im Blätterwald. Als er am Abend dann noch mit allen Ministerkolleginnen ein wenig feiert, schickt ihm die Verteidigungsministerin eine SMS: "Hast du heute Abend schon was vor?" Die Finanzministerin fragt: "Bist du Links- oder Rechtsträger?" Die Außenministerin gibt ihm einen Klaps auf den Po und flüstert: "Da wird mir ja ganz anders!" Er fragt die Kanzlerin, was wohl die Presse zur Männerquote schreiben würde. Sie sagt: "Schicke Brille!" Am nächsten Morgen, auf dem Weg ins Amt, sieht er im Vorbeifahren die Schlagzeile des Tages: " Unser neuer Minister: Wie sieht DER den aus?" Im Büro liest er den ersten Onlineleserbrief: "Wieder so ein blondes Jüngelchen, das sich hochgeschlafen hat und jetzt unser Steuergeld kostet!" (Sylvana Koch-Mehrin, 40, Europaabgeordnete (FDP))

Karl Lagerfeld
Übernimmt den 16-Stunden-Arbeitstag einer Näherin einer asiatischen Textilfabrik. Ursula von der Leyen lebt mit Großfamilie von Hartz IV. Josef Ackermann versucht den Alltag einer alleinerziehenden Bankkauffrau zu schultern: Halbtagsstelle, zwei kleine Kinder, pflegebedürftige Tante. Sie alle werden wohl nicht die Zeit finden, die "Bild"-Zeitung in die Hand zu nehmen, wo Kai Diekmann als der hübsche Nackte auf Seite 1 posiert. Das Frauenfußballnationalteam erhält die Tagesgage "unserer Jungs", während sich alle Männer – nur für 24 Stunden – mit der niedrigeren Bezahlung ihrer gleichwertig arbeitenden Kolleginnen bescheiden. Und in der katholischen Kirche weht der Heilige Geist – und das nicht nur an einem Tag! (Maria Theresia Opladen, 62, Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands)

Frauen regieren die Welt.
Sie bekleiden überwiegend politische Ämter. Im UN-Sicherheitsrat beraten mehr Frauen als Männer über Sanktionen und entscheiden über den Einsatz militärischer Mittel. Sie führen DAX-Unternehmen an, der Frauenanteil in den DAX-Vorständen liegt bei 98 Prozent. Sie prägen maßgeblich die Wirtschaft. Sie verdienen – trotz gleicher Arbeit – im Schnitt 23 Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen. In den Nachrichtenredaktionen der Welt haben mehr Frauen als Männer das Sagen, sie bestimmen, welche News wie verbreitet werden. Und so sitzen in der "Spiegel"-Redaktion 32 Frauen und nur 2 Männer.
Am Ziel meiner Träume? Mitnichten, denn es wäre eine ungerechte Welt. Die Umkehrung der Verhältnisse ist keine Lösung. Ich wünsche mir gelebte Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechterdemokratie! Und vielleicht einen Tag mal alles andersrum, nur mal um zu schauen, wie sie ist, die Welt, die von Frauen regiert wird. (Barbara Unmüssig, 55, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung)

So, jetzt mein persönlicher Wunsch – nach bestem Wissen und Gewissen – eigenständig verfasst:
08. März 2021 – pünktlich zum 110. Internationalen Weltfrauentag - wird das Ressort: Familie, Frauen, Jugend und Senioren feierlich abgeschafft. Stattdessen werden die anderen Ressorts um den Zusatz Gesellschaft ergänzt und zu mindestens 30% mit Frauen besetzt. In Zukunft also: Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft; Verteidigung und Gesellschaft; Finanzen und Gesellschaft. Gesellschaft: Kinder, Frauen, Männer, Senioren, Jugend – Reihenfolge nach Belieben.
Schluss mit dem "Gedöns".
"Die Sprache ist äußeres Denken, das Denken ist innere Sprache." (Antoine de Rivarol, französischer Schriftsteller,* 20. Juni 1753 in Bagnols-sur-Cèze,† 13. April 1801 in Berlin)

In Hessen wird über eine ausgewogenere Teilhabe schon nachgedacht:
100. Internationaler Frauentag – An Frauen führt kein Weg vorbei!
Staatssekretärin Petra Müller-Klepper: „Teilhabe an der Verantwortung muss ausgebaut werden – Quote und Quorum weiter erforderlich“

Einstweilen versuchen sich Konzernchefs noch im alten Stil und ignorierten die Einladung der EU-Justizkommissarin Viviane Reding, bis auf Jürgen Hambrecht, scheidender BASF-Chef. Reden und Standpauken helfen wenig, wenn's auch anders geht – nämlich so weiter wie bisher. Wie lange die Geduld der Frauen in Brüssel reicht, wird sich zeigen. Selbst bei den europäischen Vertreterinnen der FDP ist der Faden dieser Geduld kurz vorm Reißen:

Frauen in Führungspositionen
Koch-Mehrin droht mit Brüsseler Quote
"Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche", sagt FDP-Spitzeneuropäerin Silvana Koch-Mehrin. Merkel droht der Wirtschaft ein bisschen, lehnt eine Quote aber weiter ab.
Für deutsche Unternehmen ist es: "fünf vor zwölf, wollen sie die gesetzliche Quote noch stoppen".

Auch wenn wir es in Deutschland nicht "Quote" und schon gar nicht "Frauenquote" nennen wollen – etwas Entscheidungshilfe braucht's schon.....
Mehr Frauen in Chefetagen - aber keine Quote
Die Bundesregierung sucht im Streit um die Frauenquote in Chefetagen offenbar eine Lösung mit der Wirtschaft. Für den 30. März sei ein Spitzentreffen mit den Arbeitsdirektoren der 30 im DAX notierten Konzerne geplant, berichtet die "Passauer Neue Presse".

Gegenwind kommt den Old-Boys auch von Frauennetzwerken entgegen – von qualifizierten, wie dem Deutschen Juristinnen Bund (djb) und dem deutschen Ingenieurinnenbund (dib) http://www.presseschleuder.com/2011/03/managerinnen-und-expertinnen-netzwerke-machen-druck-bei-frauenquote/

Aber glücklicherweise bleibt nichts wie es ist; denn die aktuelle Umfrage des Berufsverbandes Die Führungskräfte (DFK) zeigt, dass sich 87,3% der weiblichen Führungskräfte und 47,9% der männlichen dafür aussprechen, dass mehr Frauen in den Unternehmen mit Führungsaufgaben betraut werden. Ein Blick auf die absoluten Zahlen: 834 Männer und 150 Frauen in Führungspositionen (da gibt es nämlich noch nicht so viele) nahmen an der Umfrage teil; d.h. von den Befragten befürworten 131 Frauen mehr weibliche Führung an und immerhin 399 Männer. Das ist doch was!
Führungskräfte wollen mehr Frauen im Management
Umfrage zur Frauenquote

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zwar keine Quotenfrau, aber sie durfte sich auf einen mächtigen Mentor verlassen: Helmut Kohl. Dabei hat sie vielleicht gelernt, sich zwischen Alphamännchen zu bewegen. Das ist nicht jederfraus Sache. Aber es lässt sich ja ganz zuversichtlich hoffen, dass mit 30-70, 40-60 oder gar 50-50-Besetzung in gemischten Teams, sich auch der Ton ändert.
100. Internationaler Frauentag: Nur Mut
Zweifler sollten sich also einen Ruck geben. Wer schon nicht daran glaubt, dass Frauen Betriebe nach vorne bringen können, muss zumindest akzeptieren, dass sie auf die Unternehmensperformance keine negativen Auswirkungen haben.
Zumindest das ist wissenschaftlich nachgewiesen. von Gaby Schneider-Schelling

Was hält eigentlich die nachwachsende Generation, die in 20 Jahren u.a. Führungsaufgaben übernehmen sollen, aber nun durch Berufs- oder Studienwahl die Weichen stellen müssen.
Gleichstellung, ihre Gesetze und Grenzen
Fit in Politik (Teil 196): Diskussion über die Einführung einer Frauenquote beschäftigt am 8. März auch junge Leute

Etwas zum Status quo aus der Nähe betrachtet:
Hessische Unternehmen
Wenig Frauen auf Chefposten
In Führungsetagen hessischer Unternehmen sind Frauen weiterhin schwach vertreten. Lediglich jede vierte Führungsposition ist derzeit mit einer Frau besetzt. Vor allem Großbetriebe bleiben in Männerhand.


Eine Männerquote muss her. Ach, vielleicht überhaupt Quoten. Schluss mit diskriminierenden Unterscheidungen. Also eine Geschlechterquote für Pflegeberufe. Viel gelobt, aber wenig geachtet. Würde der derzeit 85%-Frauenanteil zugunsten einer höheren Quote an Männern schrumpfen, dürfte sich an der tatsächlichen Wahrnehmung und Wertschätzung dieser Berufsgruppe sicher etwas ändern. Ähnliches würde wahrscheinlich für das Berufsbild Kindergärtner(in) und Grundschullehrer(in) zutreffen.
Frauenberuf "Pflege" in Deutschland Stiefkind von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Der Ausdruck "Rabenmutter" hilft im nichtdeutschsprachigen Raum aus, um die Eigenschaften einer schlechten Mutter zu benennen. Den Rollenstereotyp gibt es nur in Deutschland. Im Interview mit der Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrats, Henny Engels, wird deutlich, dass der Widerstand gegen eine gerechte Teilhabe von Frauen in gehobener Position kulturell tief verwurzelt ist. Wenn sich DIE Wirtschaft in anderen Bereichen ähnlich unbeweglich zeigt, wie bei der selbstgewählten freiwilligen Selbstvereinbarung, hilft der Gesetzgeber ja auch nach. "Doch nur wenn es um die Frauenquote und Frauenpolitik geht, sagt man: 'Man darf die Wirtschaft nicht zwingen.'"
Die Frauen und der große Unterschied "Wie in Zement gegossen"

Noch etwas zur Geschichte:
Kampf für die Rechte von Frauen. Gemeinsame Ziele, aber getrennte Wege kennzeichnen die bürgerliche und die proletarische Emanzipationsbewegung in Deutschland vor 100 Jahren.

Vieles ist schon erreicht. Was in unseren Breiten schon selbstverständlich ist, gehört in vielen Regionen der Erde noch zur Utopie – jedenfalls für Frauen, die in manchen Ländern ums nackte Überleben kämpfen. Manchmal haben sie gar keine Gelegenheit dazu, denn weibliche Föten werden abgetrieben... Aber auch in den eigenen Landen können wir es uns noch lange nicht leisten, uns zurückzulehnen.
100 Jahre Internationaler Frauentag: Die bewegte Frau

100. Internationaler Frauentag: Viel geschafft - Noch viel zu tun

"Wir dürfen jetzt nicht nachlassen!"
"Echte Gleichstellung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist auch 100 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag noch nicht erreicht worden", kommentiert Henrike von Platen, Präsidentin der Business and Professional Women Germany.

Frauen-Aktionstage
Gleich und Gleich verträgt sich gut

IG Metall fordert mehr Gerechtigkeit
Frauen seien nach wie vor schlechter bezahlt als Männer. Politik und Wirtschaft sollten die Ungleichbehandlung beenden.

Sieben von zehn Müttern arbeiten
Erwerbs-Statistik
(dpa) Sieben von zehn Müttern sind in Deutschland erwerbstätig – damit liegt die Bundesrepublik europaweit im Durchschnitt. Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Internationalen Frauentages am Dienstag mitteilte, arbeiteten 2009 rund 72 Prozent aller 25- bis 49-jährigen Mütter mit mindestens einem zu Hause wohnenden Kind unter 25 Jahren – ob Voll- oder Teilzeit, geht aus der Statistik nicht hervor. Deutlich häufiger gehen im EU-Vergleich Mütter in Slowenien (86 Prozent), Litauen oder den Niederlanden (je 79 Prozent) arbeiten.
Wie man berufstätige Frauen stärker in Führungspositionen bringen kann, soll das Thema eines Spitzentreffens von Politik und Wirtschaft am 30. März sein.

Der neue Bürgermeister der freien und Hansestadt Hamburg fordert gleichfalls eine Quote.
Scholz fordert Frauenquote für Aufsichtsräte
Frauentag in Hamburg mit großer Beteiligung - Erster Amtstermin für neuen Bürgermeister
Sozialdemokrat klagt über "zu wenig Frauen an der Spitze öffentlicher Unternehmen"

Und Hamburg soll frauenfreundlichste Stadt werden.
Olaf Scholz: "100 Jahre nach 1. Frauentag ist noch viel zu tun"

Überall im Land wird heftig diskutiert, so fand auch eine spannende Debatte am Bodensee statt:
Business Women Bodensee: Hat Einkommen ein Geschlecht?
Gleiche Bildung! Gleiche Arbeit! Gleiches Geld! Das fordert das Frauen-Netzwerk Business Women Bodensee.

Zukunft:
Es geht auch anders, man muss nur wollen:
Nicht ohne meinen Partner
Bei vielen Akademiker-Paaren verzichtet weder die Frau noch der Mann auf eine Karriere. Deshalb helfen Personaler den Partnern neuer Mitarbeiter bei der Jobsuche

Hier noch etwas auf Youtube:

Sonntag, 6. März 2011

Das war die 9. Kalenderwoche: arabische "feministische Revolution" – Wissenschaft in Deutschland – Quote qua Brüssel?

100 Jahre internationaler Frauentag! Die Franzosen haben die Theorien der Aufklärung sozusagen in die Praxis umgesetzt und vorgeführt, wie menschlich das von König und Adel beanspruchte Gottesgnadentum ist. Egalité, Fraternité und Liberté galten aber anfänglich wohl eher für die Hommes, denn konkrete politische Teilhabe war für die Femmes nicht vorgesehen. Am 19. März 1911 fand schließlich der erste internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen wurde eingefordert.
2011: Revolution in den arabischen Ländern. Vermeintlich allmächtige Regierungschefs werden gezwungen, das Land zu verlassen. Und die Frauen sind dabei. Frauen sind nicht nur Hilfskrankenschwestern im Verborgenen sondern auch Anführerinnen und Organisatorinnen auf der Straße, dem Tahrir-Platz oder im Internet. Demokratie, echte Demokratie kann nur gelingen, wenn Frauen und Männer gleichermaßen daran beteiligt werden, erläutert die ägyptische Genderforscherin Sarah Faraq ihre Beobachtungen während der Demonstrationen. Besonders bemerkenswert erschien ihr, dass Frauen ein ungewohnter Respekt entgegengebracht wird - sie bei den Versammlungen keinen oder wenigstens deutlich weniger Belästigungen ausgesetzt sind, als im vorrevolutionären Alltag. Drücken wir die Daumen, dass dem Land der Schwung der Neuerung dazu verhilft, überkommene religiös motivierte Vorschriften aus den Gesetzesbüchern streichen zu können. Hoffen wir, dass bestehendes Gesetz konsequent angewendet wird: dass schulpflichtige Mädchen ihrer Pflicht nachkommen dürfen und nicht durch frühe Heirat sowie mit Hilfe von Bestechung der kontrollierenden Beamten von Bildung ausgeschlossen werden.
Aber nicht nur Ägyptens Frauen fordern ihren Anteil an Mitsprache in Politik und Gesellschaft. Der Aufstand gegen Diktatoren wie Gaddafi hat gleich eine zweite, implizite Revolution losgetreten. Mit dem Ruf "Democracy now" kämpfen Frauen wie die Anwältin Salwa Bugaighis aktiv am Aufbruch in der arabischen Welt mit. Neben Bugaighi gehören noch zwei weitere Frauen dem Revolutionsrat an. Eine „feministische Revolution des Nahen Ostens“? Im Westen reibt man und auch frau sich die Augen. Vielleicht gilt es, das ein oder andere Klischee zu überdenken und sich neu einzunorden – pardon: einzuosten. Hierfür sei folgende Analyse sehr empfohlen: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/639613/Der-unvermeidliche-Frauenaufstand?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/635829/index.do&direct=635829
Wenn also eine "kritische Masse" an Frauen das Wahlrecht erlangt, gebildet und berufstätig ist, lässt sich das irgendwann am Lebensstandard und an der Stabiltiät einer Gesellschaft ablesen, aber auch an ihrer demografischen Entwicklung. Das ruft Traditionalisten und Gegner einer Frauenquote auf den Plan. Aber ohne geht’s auch nicht mehr, wie die Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V (vbw) „Arbeitslandschaft 2030“ zeigt. Allein Bayern wird es im Jahr 2015 an einer halben Millionen Fachkräfte mangeln und bundesweit sind 600.000 mehr Frauen in Arbeit nötig als heute. Das wird noch mehr Unternehmen veranlassen, ihre Strukturen zu verändern. Diejenigen, die es schon geschafft haben, fahren gut dabei. Nicht etwa weil Frauen besser seien als Männer, betont Dr. Angelika Niebler, Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frau im Europäischen Parlament, sondern weil sie durch eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge den gesamten Entscheidungs-Horizont erweiterten. Und das lässt sich sogar bilanzieren. http://www.b4bschwaben.de/Mittelstand/Regionale-Wirtschaftsnachrichten/Augsburg/arid,60525_puid,1_pageid,13.html
Diese Entwicklung gäbe dem griechischen Vorsokratiker Heraklit Recht, der die Welt in ständiger Bewegung sah. "Alles fließt", so sein Beitrag zur Zitatensammlung. Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft an der TU - Berlin, erkennt in der Forderung nach einer Frauenquote dagegen radikalen Feminismus, will wieder zum "gesunden Menschenverstand" zurückkehren und falsche Denkansätze aufzeigen. "Die eigentlichen Opfer der Frauenquote sind die Frauen", so das Fazit des Philosophen; denn ein Unterschied zwischen Männern und Frauen sei nun einmal, wenn Kinder da sind. Dann seien 80 Stunden-Wochen als Führungskraft gar nicht machbar. Eine der schwierigsten philosophischen Übungen besteht darin, den Prozess des eigenen Denkens zu reflektieren. Das spielt einem so manchen Streich. Norbert Bolz scheint im Unterschied zu Heraklit von der Prämisse auszugehen, dass es sich bei Gesellschaftsstrukturen um unveränderliche Naturgesetze handelt. In- und außerhalb Europas zeigt sich aber, dass eine gerechtere Teilhabe von Frauen zwangsläufig gesellschaftliche Verhältnisse und Werte verändert. Eine zunehmende Anzahl junger Väter wollen z.B. an der Kindererziehung beteiligt sein und würden daher individuelle Teilzeitregelungen begrüßen. Das war nicht immer so. Und dass bei der Berufung von ProfessorEN ausschließlich die Qualifikation zählt – bei rund 50% Uni-AbsolventINnen – nun ja: hier sei ein Zwischenhelau erlaubt ....
Der erfolgreiche Wissenschaftler und sympathischer Gast in Talkrunden, scheint eher den Status quo Universitäten erhalten zu wollen – so lässt seine Argumentation jedenfalls vermuten. Die Einwerbung von Forschungsmitteln erfordert profunde Kenntnis in Revierkämpfen, die rigiden Vorgaben durch Bologna verlangen mehr Bürokratie und Kräfte, die nicht mehr für Weiterbildung und wissenschaftliches Arbeiten zur Verfügung stehen. Inoffiziell geforderte Auslandsaufenthalte und nicht zuletzt die Unsicherheit, zu Beginn einer wissenschaftlichen Karriere, stellen Akademikerinnen vor die Wahl: entweder ein Leben, zu dem auch Familie gehört oder eine wissenschaftliche Karriere. Wer würde eine solche Entscheidung von einem angehenden AkademikER erwarten? Einblick in die Realität der Uni-Frauen gibt Christiane Bender, selbst Professorin an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg: DIE ZEIT, 24.2.2011 Nr. 09 http://www.zeit.de/2011/09/C-Uni-Frauen
Aber: "alles fließt" wie der Bericht des Verbandes der chemischen Industrie zeigt. "Der Nachwuchs in der Chemie ist weiblich", so das erfreuliche Resultat. Die jungen Frauen folgen in die Fußstapfen einer Madame Curie, forschen und wollen Innovationen voranbringen. Allein zwischen 2000 und 2009 sind immerhin 123 Professorentitel an Frauen gegangen.
Damit sich der Anteil an Frauen in den Führungsetagen und auch in anderen Bereichen europäischer Unternehmen erhöht, hat Viviane Reding, Vizepräsidentin der EU-Kommission, Konzernführer zum Gespräch geladen. Fazit: ein drastisch höherer Anteil an Frauen wird sich nicht von heute auf morgen umsetzen lassen, aber um Europa im globalen Wettbewerb zu halten, müssen deutsche, italienische, spanische, französische,... Konzernchefs richtig aktiv werden. Ist die Gnadenfrist verstrichen, setzt es die Quote und zwar durch Brüssel unter Beteiligung demokratisch gewählter Frauen.

Weitere Links:

Immerhin hat der Europäische Gerichtshof Fakten geschaffen
Versicherungs-Urteil des EuGH Männer, Frauen, Menschen

Und auch hier wittert mann Ungerechtigkeit und wirtschaftlichen Unverstand; denn nun müssten Frauen ja einen höheren Betrag zur Autoversicherung leisten. Gerne! Wenn wir dadurch nicht mehr durch höhere Beiträge einer zwingend notwendigen Kranken- und Rentenversicherung für Geburt und eine im Schnitt gesündere Lebensweise abgestraft werden.

Dass es zur wirklichen Gleichstellung noch ein weiter Weg ist zeigt sich schon in der beschämend ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen für die gleiche Arbeit und die insgesamt immer noch spärliche Beteiligung von Vätern an den Familienaufgaben

Für die linken Frauen ist die Gleichstellung noch lange nicht abgeschlossen. Sie fordern daher gleichen Lohn für gleiche Arbeit – das käme auch manchem Mann zugute....

Gewerkschaft baut Führung um

Die Frauenbeauftragte Ingrid Roll erkennt in der aktuellen Quotendebatte, "alte Themen neu verpackt". Kinderbetreuung, Lohngleichheit, Teilzeitarbeit, Altersarmut stehen schon lange auf der Agenda.
Frauenpräsenz ist wichtig

Genau diese Zustände wurden und werden durch die soziale Rolle gepaart mit Steuergesetzen zementiert.
Die Aufholjagd dauert sehr lange

Onkel Tom war eine Frau
Frauen und Männer sind gleichberechtigt - so haben wir es gelernt. Eine Frauenquote ist mit diesem Prinzip nicht vereinbar. Aber heißt das wirklich, dass wir sie nicht brauchen? Die Geschichte eines persönlichen Sinneswandels.
Von Lena Bopp

„Ich möchte heute wieder als Frau auf die Welt kommen!“ zeugt vom Selbstbewusstsein der Stadträtin Gudrun Hellmuth, die zwar die Mängel kennt, aber keine Quote möchte.
Ihre Thesen zur Diskussion beschreiben den derzeitigen Zustand kurz und knapp.

Emotionaler Meinungsaustausch der auch die Differenzen in den Fraktionen zutage treten ließ.
»Gesetzliche Überregelung«
Warten auf Vorschläge
Noch lange nicht am Ziel

Im Nachbarland Österreich ist es um die Anzahl der Führungsfrauen noch schlechter bestellt, hier scheint sich aber die Diskussion eher an der konkreten Praxis zu orientieren.

"Ich mache auch Politik für Männer"
"Quote ist für mich Qualität", sagt die Frauenministerin. Sie kann sich ab 2014 Sanktionen beim Ignorieren der Frauenquote vorstellen.

Empfehlenswert ist auch die Lektüre des Interviews mit Maria Schaumayer. Aus der ehemaligen Quotengegnerin wurde eine Befürworterin, konnte sie doch als weltweit erste Präsidentin einer Nationalbank männliche Führungspraxis aus nächster Nähe beobachten. Aufklärung, ohne globale Frauenrechte ist für sie unvollständig. http://diestandard.at/1297819477917/Ex-Quotengegnerin-Maria-Schaumayer-Mir-fiel-die-Rolle-der-Eisbrecherin-zu

100 Jahre Frauentag Science ORF gibt eine historische Übersicht vom 1911 erfochtenen Wahlrecht –

Die Vision zum Frauentag: "2011 - das war Mittelalter"

Selbst im Motorrennsport tut sich was: Ecclestone denkt an Frau als Nachfolger

Montag, 28. Februar 2011

Das war die 8. Kalenderwoche: Allensbachstudie – Rollenmuster - Vorbilder

"Typisch Frau typisch Mann?" Laut Allensbachstudie reden Frauen bevorzugt über Beziehungen und Kinder. Männer dagegen über Sport, Politik und Computerspiele. Wenn sie überhaupt reden; denn in Sachen Kommunikation ziehen sich junge Männer zurück.
Um  nicht der "Feigheit" bezichtigt zu werden und auch um in der Welt der Aufsichtsräte klar zu kommen, möchte ich heute dem Rollenklischee entgegenwirken und mich auf Zahlen konzentrieren. Schließlich ist ein "Aufsichtsrat (...) kein Kaffekränzchen" wie Gerhard Cromme die "Damen" in einer Dinner Speech informiert. Das war im Jahr 2007, anlässlich einer Corporate-Governance-Veranstaltung zu der der Juristinnenbund eingeladen hatte. Als Folge dieser Aufklärung sind viele der Angesprochenen in den Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR e.V.) eingetreten, dem nun ein neuer Index zu verdanken ist: der in der letzten Woche veröffentlichte Women-on-Board-Index.
In dieser Woche stellte am Mittwoch Prof. Dr. Renate Köcher die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) "Typisch Frau, typisch Mann?" vor. Den Auftrag hierzu erteilte das Unternehmen Jakobs Krönung in Kooperation mit Bild der Frau. Gefragt wurde nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Kommunikations- und Führungsverhalten, nach Rollen- und Selbstverständnis.
63% der Gesamtbevölkerung halten Familie und Beruf für unvereinbar. Bei den Vätern von Kindern unter 18 Jahren sind es 68% und bei den Müttern – wen wundert's - 72%. Hier offenbart sich nicht nur eine mangelhafte bis katastrophale Betreuungsinfrastruktur für den so dringend benötigten Nachwuchs, sondern auch ein tief verinnerlichtes Rollen- und Erziehungsverständnis. Im Gegensatz zum Nachbarland Frankreich glauben die Deutschen, dass Kindererziehung am besten Zuhause stattfindet. Während im Osten der Bundesrepublik eine Ganztagsbetreuung mit 60%-Zustimmung eher positiv gesehen wird, sehen es im Westen nur 24 % der Befragten so.
59% der deutschen Frauen würden sich am wohlsten als "Mutter mit einer Teilzeitbeschäftigung" fühlen. Als "vollberufstätige Mutter" sehen sich lediglich 18%, aber immer noch mehr als die "vollberufstätige Frau ohne Kinder" mit 13%. Immerhin 14% können einem Lebensentwurf als "Hausfrau und Mutter" zustimmen.
57% der von den Meinungsforschern Befragten gaben allerdings an, dass Chef oder ChefIN keinen Unterschied machen würde.
Ist dann aber tatsächlich mal eine Frau UND Mutter ganz oben, schnappt die Rechtfertigungsfalle zu – in Deutschland. Das weiß Virpy Richter zu erzählen, die es in einem mittelständischen Unternehmen zur Vollzeitchefin gebracht hat, unterstützt durch einen Ehemann – selbständig – der das Familienmanagement als gemeinsame Aufgabe begreift. http://www.morgenpost.de/familie/article1555527/Ein-Leben-zwischen-Chefetage-und-Kinderzimmer.html
Auch die Vorstandsvorsitzende der SKW Metallurgie Ines Kolmsee kann sich auf einen Ehemann stützen, der das Thema Kinderbetreuung nicht allein bei der Mutter angesiedelt sieht. Beim ersten Kind versuchte er – ebenfalls Führungskraft – Teilzeit zu arbeiten. Der Arbeitgeber verweigerte die Genehmigung. Unter dem Titel "Wie frauenfeindlich sind deutsche Konzerne?" werden in der aktuellen Ausgabe des Manager Magazins die Hintergründe der im Women-on-Board-Index ermittelten Zahlen beleuchtet. Als Medienpartner von FidAR bringt das Magazin die detaillierte Untersuchung einer breiteren Öffentlichkeit näher und zeigt wie weit der Weg noch ist. Ein mangelhaftes oder gar nicht vorhandenes Kita- und Ganztagsschulsystem ist die eine Wahrheit und resultiert gleichsam aus der anderen, die Klaus-Peter Müller, Vorsitzender der Kodex-Komission, im Interview nennt: "Es gibt darüber hinaus ganz viele Männer von tüchtigen Frauen, die alles tun, um ihren Frauen zu sagen: bis hierher und nicht mehr weiter. Das ist ein gesellschaftlich tabuisiertes Thema bei uns." Noch etwas konkreter: "Aber versetzen Sie doch mal eine Frau ins Ausland, wenn der Mann eine Stelle aufgeben müsste. Da ist was los, und zwar in den eigenen vier Wänden." (Manager Magazin 03/11, S.106)
Kommt es zum Schwur, zeigt sich die real existierende Gleichberechtigung. Gleichgültig, ob 51% der Bevölkerung weiblich ist und 70% der Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden - 0,00% Frauenanteil in den obersten Führungsgremien ist keine seltene Größe im WoB-Index. Als Quintessenz der Untersuchung steht sie hinter 108 von 160 börsennotierten DAX-Unternehmen (M-, S- und TecDax). Richtig spannend wird die Lektüre, wenn diese Zahl mit konkreten Namen in Verbindung gebracht werden kann, ganz links in der tabellarischen Auflistung. Beispiel: Hannover Rückversicherung AG (MDAX), Anteil Frauen AR (Aufsichtsrat) 0%; Anteil Frauen Vorstand 0%; WoB-Index 0,00%.
Weitere Details sind unter http://www.fidar.de.
"Die Herren sind beunruhigt" kommentiert Monika Schulz-Strelow, Präsidentin von FidAR die Reaktion aus einigen der aufgelisteten Unternehmen während eines  Arbeitsgesprächs anlässlich des 100. Weltfrauentages.  Die Veröffentlichung kratzt am Image, ja vielleicht bald sogar an der Reputation in Zeiten von Corporate Governance, CSR und Selbstvereinbarung. Und darauf hofft Schulz-Strelow, indem sie (ganz im Sinne der Führungsmänner) auf nackte Zahlen setzt und nicht auf Anklagen oder moralische Einsicht: "Unser Hauptanliegen ist, Transparenz zu schaffen (...) Welches Unternehmen liest schon gern im manager magazin, dass es zu den 108 Konzernen gehört, die weder im Vorstand noch auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat eine Frau haben." (Manager Magazin, 03/11, S.104) Im Ausland wirken Männerriegen nicht besonders innovationsfreudig. Das Geld von Frauen ist gern gesehen, weibliche Teilhabe am System eher weniger – diese Botschaft kommt auch bei den zahlreicheren ChefINen außerhalb Deutschlands an.
'Es gibt sie ja nicht, die Frauen, die auf die großen Chefsessel passen, mangels genügender Qualifikation', lautet dann die Entgegnung der Traditionalisten. Auch das wäre eine genauere Betrachtung wert. Vorerst bestätigt die Allensbachstudie, dass nach wie vor mehr junge Männer unter den MINT-Fächern das für sie passende Studium wählen, während Abiturientinnen eher auf weiche Faktoren setzen und Fächern mit einem höheren Kommunikationsanteil den Vorzug geben. Das mag mit Veranlagung zu tun haben, ist aber zu einem guten Teil auch der Männerdominanz in den Naturwissenschaften v. a. aber in den technischen Berufen geschuldet.
Landeseigene Betriebe wie die Berliner Verkehrsbetriebe oder dem Gasversorger Gasag können sich hier profilieren und zeigen wie's geht. Die BVG wirbt um weibliche Azubis, auch unter den MechatronikerINen. Immerhin 20% Straßen- und U-Bahnfahrerinnen sind im Unternehmen; bei den Berliner Wasserbetrieben  sind 40% Frauenanteil unter den Führungskräften schon erreicht. Weiterer Druck wird aufgebaut, wenn die Auftragsvergabe vom Anteil weiblicher Führungskräfte beim Bewerber abhängig gemacht wird. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/berliner-wirtschaft/berliner-firmen-setzen-auf-ihre-weibliche-seite/3872034.html
Mädchen oder junge Frauen handeln bei ihrer Berufsentscheidung ebenso ökonomisch wie Jungen oder junge Männer; nur dass ihre "Ökonomie" etwas anders aussieht. Die Aussicht auf eine zukünftige Position oder ein hohes Gehalt, verfängt bei weiblichen Studierenden weniger. Zum einen, weil diese Statussymbole für Frauen weniger interessant sind, und zum anderen ist es ja angesichts der zu erwartenden Unternehmens- und Gesellschaftsstrukturen ohnehin fraglich, ob die angestrebte Position für sie überhaupt realistisch ist. In der Konsequenz dürften sich viele junge Frauen gegen ein sog. MINT-Fach entscheiden. Finden sich dagegen mehr AusbilderINen, ProfessorINen und auch mehr Frauen auf den Chefsesseln – für eine erste Besetzung dürfte es reichen – existierten mehr weibliche Vorbilder. Im Fach Medizin hat es ja schon ganz gut geklappt.
Mein Vorbild war die Physikerin Madame Curie. Ihr habe ich mein Interesse an den Naturwissenschaften und ein Grundstudium der Chemie und Biochemie zu verdanken.


Weitere Links:

Mehr zur Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD): Typisch Frau, typisch Mann?

Weiteres zur Quotendiskussion:

Vereinte Nationen gründen "UN-Women"
Chefin ist die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet „Den Ländern, in denen Frauen mitlernen und mitentscheiden dürfen, geht es besser. Keine Gesellschaft kann auf die Kraft und die Ideen der Hälfte ihres Volkes verzichten.“

Hier zwei Beiträge aus der Ecke der Traditionalisten:
"Mit Männerquote gegen den Ärztemangel?"
Das Neue Deutschland beschäftigt sich mit Vorschlägen zu einer Männerquote im Medizinberuf. Zur Erinnerung: "am 16. Mai 1904 genehmigte der württembergische König in einem Erlass, dass „reichsangehörige weibliche Personen unter den gleichen Voraussetzungen und in der gleichen Weise wie männliche Personen an der Universität Tübingen“ als Studierende immatrikuliert werden. In Preußen wurde das Frauenstudium erst 1908 allgemein erlaubt. Im Jahre 1913 waren etwa 8% aller Studierenden weiblichen Geschlechts; bis 1930 stieg dieser Anteil auf etwa 16%." (Quelle: Wikipedia)

Frauenquote auf Kosten der Männer?
Ein ganz besonderes Forum stellt die Financial Times Deutschland dem Autoren ("Was vom Manne übrig blieb", Aufbau Verlag) und Soziologieprofessor Walter Hollstein zur Verfügung. Die stramme Benachteiligung von Jungen und Männern ist seiner Ansicht nach die Wahrheit. Ob er wohl die Allensbachstudie kennt? Die stellt nämlich fest, dass junge Männer immer weniger an wirtschaftlichen oder politischen Themen interessiert sind, was u.a. auch daran liegt, dass sie weniger Zeitung lesen als junge Frauen. Die Ausbrüche zeigen, dass das traditionelle (Selbst-)Bild von einem Mann, das im Kern auf Ausgrenzung oder Herabstufung des weiblichen Teils der Bevölkerung gesetzt hat und z.T. noch setzt, unaufhaltsam bröckelt. http://www.ftd.de/politik/deutschland/:gleichberechtigung-frauenquote-auf-kosten-der-maenner/60014280.html

Noch heiterer wird es unter:

Sonntag, 20. Februar 2011

Das war die 7. Kalenderwoche: WoB-Index – Bundesbank - weibliche Polemik


Mal ehrlich! Würden Sie ein Verhalten ändern, das Ihnen erst einmal (fast) nur Vorteile bringt? Zum Beispiel mit 50 km/h durch eine Spielstraße fahren? Oder schicke, superbillige Klamotten kaufen?
Wahrscheinlich erst dann, wenn entweder Kontrolle und anschließende Sanktionen ein anderes Handeln erfordern oder - ja, sprechen wir 's aus: erzwingen. Oder wenn das eigene moralische Empfinden der Versuchung, die 9 Euro-Marken-Jeans aus Bangladesh doch zu kaufen, Grenzen setzt. Erst später, manchmal sehr viel später, zeigt sich, dass das Prinzip Survival of the strongest nur selten zu stabilen und nachhaltig leistungsfähigen Gesellschaften führt. (Gerade sehr gut in den arabischen Ländern zu beobachten.)
Manchmal sorgt der Wettbewerb für den erforderlichen Druck, einen Strukturwandel herbeizuführen. Manchmal wollen Verbraucher und Verbraucherin keinen Teppich im Wohnzimmer haben, der von Kinderhänden geknüpft wurde. Gelegentlich schaffen Rankings Wettbewerb. Nun gibt es einen "Women-on-Board-Index", der börsennotierte Unternehmen nach dem Frauenanteil in Führungspositionen auswertet. Das erste Ranking aller DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX – Unternehmen fällt erwartungsgemäß traurig aus: 93,5% Männerquote.
Die Hoffnungsträger: Gfk, Douglas und Deutz erhalten jedoch einen Imagezuwachs. Der neu geschaffene WoB-Index gibt vielleicht in Zukunft darüber Auskunft, welche Unternehmen sich an ihre eigenen freiwilligen Selbstvereinbarungen halten und welche eher auf geduldiges Papier setzen. Die Untersuchung, durch die FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e.V.) initiiert, zeigt bereits, dass schwammige Absichtserklärungen nichts bringen; erst mit der Aufforderung, "konkrete Ziele für einen angemessenen Anteil von Frauen in den Kontrollgremien zu benennen und zu veröffentlichen" wird der Deutsche Corporate Governance Kodex zu einem wirksamen Instrument! http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-02/19397301-women-on-board-index-zeigt-handlungsbedarf-bei-frauen-in-fuehrungspositionen-fidar-erhoeht-druck-fuer-frauenquote-016.htm Unter http://www.fidar.de/index.php?id=92  kann die Untersuchung eingesehen werden.
Der Eklat um Axel Weber hat der Bundesbank eine Frau als VizechefIN beschert. Jens Weidmann, Angela Merkels Wirtschaftsberater, wird den ersten Platz einnehmen und Sabine Lautenschläger hat Franz-Christoph Zeitler als Vize abgelöst. Wer weiß, ob das nicht vielleicht der Quotendebatte geschuldet ist?? http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-02/weidmann-bundesbank-weber
Auch der Pharmahersteller Merck erkennt die Zeichen der Zeit und will seine Frauenquote erhöhen und so Wissen und Potentiale heben. Mit derzeit weltweit 22 Prozent, in Deutschland 17 Prozent weiblichen Führungskräften ist ja durchaus noch Luft nach oben. http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Markt/13894.html
Also es bewegt sich was in der Republik, auch wenn Gegner jeglicher Quote behaupten, dass ausschließlich Qualität und Leistung eine Rolle bei der Personalentscheidung für oder gegen eine Kandidatin spielen. Mit dem Qualität-statt-Quote-Argument kann sich der PR-Berater Marcus Manz sicher sein, dass alles so bleibt wie es ist; offenbart er doch in seinem darauf folgenden Bekenntnis, dass Frauen erst dann "richtige Frauen" seien, die Kinder bekämen und Zuhause bleiben wollten. Worauf eine Bloggerin in der gleichen Sendung ZDF log in kontert: "Der lebt ja noch im Mittelalter." http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/10/0,3672,8212970,00.html?dr=1
Nicht ganz im Mittelalter, aber im späten 19. Jahrhundert scheint Bascha Mika die heutigen Frauen Deutschlands zu verorten. Mit kurzen Sätzen drischt sie auf die Effi Briest in uns ein. Die staccatoartige Polemik blendet große Teile der Realität aus - wie es sich für Polemik eben gehört. Was die Autorin damit bezwecken will, ist nur noch nicht ganz klar; denn als Journalisten sollte sie doch eigentlich um die Anzahl alleinerziehender Mütter wissen, die sich eben nicht in die Abhängigkeit einer bequemen ehelichen Rundumversorgung begeben; die vielleicht nie verheiratet waren oder die vielleicht den vermeintlichen Prinzen als Frosch entlarvt und zurück in den Brunnen geschickt haben. Die aber unter den aktuellen Bedingungen in den meisten Fällen ums Überleben kämpfen. Immerhin sind sie vom moralischen Makel befreit, der die Protagonistin in Theodor Fontanes Roman um Kind und Lebensfreude gebracht hat. Bascha Mika hat offenbar das Bild der omnipotenten Frau vor Augen, die nur zu wählen und entscheiden braucht. Sind aber erst mal Kinder im Spiel ist es nicht mehr weit her mit der freien Wahl. Natürlich hat die ehemalige Chefredakteurin der taz recht, dass das Verharren in der Opferrolle – wenn frau zum 10. Mal an die Glasdecke gestoßen ist - oder in der Bequemlichkeitsfalle keine Alternativen zu einem männlich dominierten Gesellschaftsentwurf sind. Aber das von ihr montierte Luxusweibchen dürfte nicht die Norm sein. In sehr traditionellen Gesellschaften sind es häufig die Frauen die ihre vom rechten Pfad abweichenden Geschlechtsgenossinnen, wieder auf Linie bringen und so einer patriarchalischen Gesellschaftsform dienen.
Bascha Mika verwendet zu Beginn ihres Buches genau jene Rhetorik, die - auch bei heutigen Frauen ihre Wirkung (noch immer) nicht verfehlt: die der eindimensionalen Schuldzuweisung. Viele Frauen lassen sich davon reflexartig in die Defensive treiben. Aber gegen Polemik lässt sich nicht argumentieren. Sie ist kein wirkliches Gesprächsangebot. Vielleicht taugt sie als Anregung, gelegentlich das eigene Handeln genauer unter die Lupe zu nehmen. Die sächsische Zeitung veröffentlicht nun Teile des Buchs unter http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2689106
Immerhin dürfte Bascha Mika mit Italiens Frauen zufrieden sein, die ihrem Ministerpräsidenten deutlich zeigen, was sie von ihm halten. Einer Frauenquote für politische Ämter wie Silvio Berlusconi sie umsetzt, sagen Italienerinnen den Kampf an. http://www.n-tv.de/politik/Berlusconi-im-Delirium-article2603496.html

Weitere Links:
Über veränderte Umgangsformen auf dem politischen Parkett, die der ersten KanzlerIN zu verdanken sind, informiert Eva Quadbeck. Als "Unaufgeregt, sachlich, schnörkellos" kann der Stil Angela Merkels wohl beschrieben werden - auch von politischen Gegnern. Weiblicher Kommunikationsstil sollte jedoch nicht mit Schwäche verwechselt werden: "Im Foyer des Bundestags plaudert der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer mit den Journalisten. Er sagt: 'Wer Frau Merkel unterschätzt, hat schon verloren.' "

Auch in Österreich drängt das Thema Quote:
„Freiwilligkeit bewirkt nichts“
Das ausführliche Interview mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner http://www.profil.at/articles/1107/560/289427/freiwilligkeit

"Indien liegt bekanntlich nicht in Skandinavien, auch nicht aus frauenpolitischer Perspektive" http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2676195/jeder-dritte-sitz-fuer-frau.story

Wie es in Tunesien für Frauen weitergehen wird – hoffentlich – ist aus dem Interview mit Raschid Ghannouchi zu erfahren: " Wir haben 1988 die Gleichberechtigung der Frau anerkannt, dabei bleibt es.
Sollte das Recht auf Abtreibung in Tunesien wieder abgeschafft werden?
Dieses Recht ist Teil des Status quo der bürgerlichen Freiheiten und entspricht dem Willen des Volkes. Wir streben nicht an, diesem unsere Sichtweise aufzuzwingen."
http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E06E5E6FB93294F488D202587B541F234~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Sonntag, 13. Februar 2011

Das war die 6. Kalenderwoche: "Skandal" - 300 Jahre - Bewusstseinswandel


Eigentlich haben wir sie ja schon, die Quote. Kaum werden die Folterwerkzeuge gezeigt, schon bewegt sich etwas. Das Nein der Kanzlerin zu einer gesetzlichen Umsetzung, sollte in den Chefetagen also nicht als Freibrief zum Nichtstun missverstanden werden. Als "Skandal" bezeichnet Angela Merkel die Lage und beginnt Druck auszuüben; will sich sogar persönlich mit den Konzernführern treffen. Die Erfahrung zeigt, dass die Kanzlerin eher zum Handeln neigt als zu langen Reden. Manchmal wird ihr das sogar als Führungsschwäche ausgelegt.
Auch wer möglicherweise bei Kristina Schröder (CDU) eine nachgiebige Haltung Wirtschaftsbossen gegenüber vermutet hat, wird nun eines Besseren belehrt. In der Sendung bei Maybrit Illner wird das eigentliche Problem beim Namen genannt. Abgesehen von familienfreundlicheren und flexibleren Arbeitszeiten, kommt Mann an einem Wandel der Unternehmenskultur nicht vorbei. Denn die meisten Frauen können sich 70-80 Stundenwochen familienbedingt nicht leisten und wollen sie sich auf Kosten ihrer Familie auch gar nicht leisten.  "Präsenzrituale, Hackordnung" und "Machtgerangel" sind für sie uninteressant und können auch durch ein hohes Gehalt, einen Dienstwagen und andere Statussymbole nicht aufgewogen werden. Offensichtlich messen Frauen diesen Prestigegütern nicht den gleichen Wert zu wie Männer.
Im Interview wird die Bundesfamilienministerin deutlicher und schließt das Eingreifen des Gesetzgebers nicht aus, wenn der Prozess ins Stocken gerät. Kanzlerin, Bundesfamilienministerin und Arbeitsministerin sind sich in der Sache einig, wenn auch nicht in der praktischen Gestaltung.
Die Quote, setzt einen längst anstehenden Bewusstseinswandel in Gang. Das Selbstverständnis verinnerlichter, traditioneller Rollenmodelle – aller Emanzipation zum Trotz – wird geschleift. Die Bundesfamilienministerin bekommt das dieser Tage wohl persönlich besonders zu spüren, da die Republik immer noch über eine schwangere Ministerin staunt. Gleichgültig welchen Lebensentwurf frau heute lebt, er ist immer mit dem Makel des Unvollkommenen behaftet. Nur Mutter? Genügt nicht. Nur Berufstätige oder gar Karrierefrau? Egoismus. Berufstätige Mutter? Rabenmutter und nachlässig im Job.
Glücklicherweise wollen inzwischen viele Männer auch Väter sein und manchmal sind auch Unternehmer Väter und dann bereit und in der Lage, Strukturen zu schaffen, die Familie nicht zum Betriebsunfall werden lassen, sondern als Teil des Lebens in den Arbeitsalltag integrieren. Die Berliner Agentur dan pearlman ist 2010 mit dem Berliner Landespreis "Unternehmen für Familie" für seine Kreativität gekürt worden. Statt 80 oder mehr Wochenstunden zu arbeiten, gibt es nun eine firmeneigene Kindertagesstätte und die Möglichkeit, die lieben Kleinen mit ins Büro zu bringen, wenn die externe Betreuung ausfällt. Ist der Nachwuchs krank, bilden Home-office-Tage eine Alternative zur Krankschreibung. Es geht also. http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article12485416/Ihr-Kinderlein-kommet.html
Rainer Brüderle (FDP) – ebenfalls ein Gegner einer gesetzlichen Quotierung – orientiert sich an der Philosophie der Telekom und sieht in Familienfreundlichkeit und Frauenförderung einen Wettbewerbsvorteil. Der Wirtschaftsminister befürwortet sogar ein Gütesiegel für Unternehmen, die hier aktiv werden. Vielleicht vergleichbar zu einer ISO-Zertifizierung. Hier sollten allerdings die Personalbteilungen tätig werden und nicht Marketing. Es geht um Inhalte und eine feierlich unterzeichnete Charta könnte sich rasch als Kommunikationsgag entpuppen.
Das alles wird sich ohne Werte- sprich Bewusstseinswandel kaum nachhaltig verwirklichen lassen, jedenfalls nicht so schnell. Denn solange Platzhirscherei noch mit Qualifikation verwechselt wird, haben es Frauen schwer, manchmal sehr schwer an die Spitze zu gelangen. Bislang scheint die Quote, und sei es als Drohkulisse, erfolgreich zu sein. "Ich hasse jede Art von Quote", bekennt Professor Dr. Cornelia Niederdrenk-Felgner. "Aber ohne Quote werden wir noch 300 Jahre warten müssen, bevor es eine Gleichstellung in Führungspositionen zwischen Männern und Frauen gibt." http://www.swp.de/geislingen/lokales/geislingen/art5573,833447
Mit dem klassischen "Präsenzritual" hat der "ehemalige Politikberater" Michael Spreng bei Anne Will am Sonntagabend versucht, die Auseinandersetzung zwischen Ursula von der Leyen (CDU) und der Sozialdemokratin Manuela Schwesig in Sachen Hartz-IV auf weibliche Inkompetenz zu reduzieren und bedauert, dass nun die MinisterpräsidentEN gefragt seien. Beiden Politikerinnen wirft er vor, der "Sache der Frauen" in der Politik zu schaden. Es blieb leider nicht bei einem Versuch des Machtspielchens Frauen-können's-halt-nicht, der immer wieder an einer sehr präsenten, argumentativ gut vorbereiteten Arbeitsministerin abprallte. Wahrscheinlich durch Erfahrung klug ließ sie sich erst gar nicht darauf ein, sondern strebte immer wieder die Sachebene an; vor allem aber ließ sie sich nicht unterbrechen. Eine Strategie, die Frauen, unter Führungsmännern stets empfohlen wird. Gegenfrage: würden denn die Ministerpräsidenten nicht eingreifen, wenn bei der derzeitigen Stagnation die VerhandlungspartnerINnen, -partnER wären? Das krampfhafte Bemühen, die Auseinandersetzung zwischen den beiden Politikerinnen ausschließlich zu einem Machtkampf zu erklären, zeigt wie tief männlich dominierte Denkschemata greifen und wie sehr die öffentliche Kommunikation dadurch bestimmt wird. Natürlich spielt Macht eine Rolle und die Möglichkeit, die eigene Partei gut zu positionieren. Auffallend bleibt aber, dass selten in einer solchen Talkrunde soviel über Inhalte zu erfahren war; so dass Anne Will eingreifen musste, um von den komplexen Zusammenhängen der Hartz-IV-Regelsätze doch wieder auf den talkshowgemäßen emotionalen Faktor zuzusteuern.
Noch 300 Jahre, bis wir zur einer gleichberechtigten Wahrnehmung von Frauen und Männern kommen? Warum sollen Frauen nicht um Meinungen und Ansichten ringen? Von der Leyen und Schwesig haben sich nichts geschenkt; in der Sache nicht und auch sonst nicht. Schön wäre es allerdings, wenn Politikerinnen jeder Couleur allmählich auf populistische Statements verzichteten. Hier wäre für einen Kulturwandel und für die Wahrnehmung von Politik in der Öffentlichkeit viel gewonnen.
Aber es ist alles nicht so einfach mit dem Bewusstseinswandel.
Die Schweiz, darf sich in diesen Tagen über 40 Jahre Frauenwahlrecht freuen. Nicht jede Frau war von ihrem Recht begeistert, per Wahlschein die Politik des Landes mitzubestimmen; manche empfanden es eher als Last. Diesen Frauen hätte Bascha Mika wahrscheinlich "Feigheit" vorgeworfen. Inzwischen aber wird auch in der Schweiz über eine Quote nachgedacht, denn auch hier sind die Zustände in den Führungsetagen "skandalös". Eine schwangere Ministerin ist sowieso undenkbar.
ItalienerINen haben zwar das Wahlrecht, fühlen sich aber durch ihren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu Sexobjekten degradiert. Für mehr Respekt und für ein dringend zu veränderndes Frauenbild gingen die italienischen Frauen am heutigen Sonntag auf die Straße.
In jedem Fall gilt es zu einem Selbstbild zu gelangen, dass den Namen auch verdient: Selbst-Bild und nicht als Projektionsfläche für was auch immer zu dienen.
"Zwei Quotenfrauen streiten über die Quote" so der irreführende Titel in der FAZ. Tatsächlich sind sie sich einig, dass eine Quote erforderlich ist – auch eine ungeliebte – um überhaupt den notwendigen Prozess in Gang zu setzen. Tatsächlich geht die Auseinandersetzung um das Selbstverständnis von Frauen und liebgewordenen Gewohnheiten.
In welcher Partei hat es frau nun leichter nach oben zu kommen? In der quotenorientierten SPD, die einen Kanzler gestellt hat, der die Belange von Frauen zu "Gedöns" erklärt oder in der CDU, die von Quoten nichts wissen will, dafür aber die erste KanzlerIN stellt.
Unter dem Motto "Heute ist ein guter Tag" lässt sich auf der Webseite von Bündnis 90/Die Grünen Einblick in verschiedene Schicksale nehmen, die ohne ein gesundes weibliches Selbstvertrauen von Mutter oder Großmutter oder auch dem eigenen gar nicht möglich gewesen wären. Zum Teil heiter und zum Teil berührend. Wenn jetzt noch die grünen Männer ihren Beitrag dort einstellen würden....  www.gruene-bundestag.de/frauentag 

Weitere Links:
In Wien werden Frauen am Frauentag für gleichen Lohn für gleiche Arbeit auf die Straße gehen.
In Ägypten demonstrieren Frauen, fühlen sich respektiert und hoffen sehr, dass es so bleibt.
Unternehmerinnen, also Frauen, die es mittels Qualifikation und nicht per Quote dort angekommen sind, wo sie sind, befürworten die Quote als notwendige Starthilfe.

Sonntag, 6. Februar 2011

Das war die 5. Kalenderwoche: indische Verhältnisse - Brüssel hilf!


Verteilung:
  • 55,7% Abiturientinnen
  • 51,0% abgeschlossenes Studium
  • 44,1% Promotion
  • 21,7% Führungsposition
  •  3,2% Vorstandsposten
  • 2,2% (in 30 DAX-Konzernen und den 100 größten Unternehmen)
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht Deutschland in Sachen Teilhabe von Frauen in den höchsten Positionen auf einer Stufe mit Indien und Russland. Sie wagte einen mutigen Vorstoß, als sie der Wirtschaft eine Quote von 30 Prozent androhte – meist im Dissens mit der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Nun hat die Kanzlerin (CDU) gesprochen und die gesetzliche Quote für Frauen ist erstmal vom Tisch. In enger Absprache mit Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) ist Angela Merkel mit dem Koalitionspartner in diesem Thema schnell einig geworden. Unter anderem zeigt sich hier, wie wenig tatsächliche Macht Frauen haben. Soviel vom Lager der bürgerlichen Liberalen.
 Warum müssen Diskussionen in Deutschland sofort und stets ideologisch geführt werden? Im Klartext argumentieren doch die Gegner, wie z.B. die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger im Interview mit dem Stern: entweder Quote oder Qualifikation. Warum denn nicht Qualifikation und Quote? Wer sagt denn, dass ein Unternehmen unter den inzwischen sehr zahlreichen, hoch qualifizierten Anwärterinnen die schlechtesten nehmen muss - nur wegen der Quote. Qualifizierte Frauen brauchen keine Quote. Stimmt! Die meisten qualifizierten Frauen sind trotzdem nicht auf den Posten, die sie einnehmen könnten. Das  Argument Qualifikation versus Quote ist sehr, sehr dünn. Der Personalvorstand der Deutschen Telekom Thomas Sattelberger bringt es auf den Punkt: "Das ist nichts anderes als die Antwort geschlossener Systeme auf Eindringlinge." (Spiegel 5/2011)  
Qualifizierte Männer werden künftig diskriminiert – schwingt häufig beim Contra als Unterton mit. Folglich werden die Toppositionen derzeitig nur von den Besten eingenommen. Männliche Exzellenz wohin man schaut? Weltwirtschaftskrise? Finanzkrise? BP - Bohrinsel? Deutsche Bahn?........
Die in diesen Tagen gern zitierte Studie des amerikanischen Frauenforschungsinstitut Catalyst  zeigt, dass Unternehmen, die über einen hohen Frauenanteil im Vorstand verfügen, eine "bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite erzielen" (Spiegel 5/2011).
Dass Leistungsfähigkeit allein nicht genügt, um in der Karriere voranzukommen, wissen Männer ganz genau. Deswegen gibt es sie ja, die Netzwerke, die Old-Boys-Verbindungen, das sog. Vitamin B. Auch ein junger BerufsanfängER wird auf dem Weg nach oben schnell spüren, dass er ohne Beziehungen nicht auskommt. Im Gegensatz zur BerufsanfängerIN hat er nur deutlich mehr Chancen in einen solchen "Bund" aufgenommen zu werden und dann an die richtig interessanten Stellen zu gelangen, während frau ab einer bestimmten Stufe einfach nicht mehr weiterkommt.
Kurz: Frauen verfügen (noch) nicht über solche Netzwerke, die beim Erklimmen der Karriereleiter erforderlich sind. Da braucht es entweder Unternehmen und TopmanagER, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich tatsächlich aus eigenem Antrieb eine Quote auferlegen. Die Telekom gehört dazu, Eon, ja sogar Bosch und auch Daimler hat ja gerade die erste Frau in den Vorstand berufen und einige mehr. Immerhin! Oder es braucht eben  doch die Quote, die – wie die Erfahrung im Ausland zeigt – ziemlich rasch zu Ergebnissen führt.
Unter Frauen zeigt sich der Streit um die Quote auch als Generationenkonflikt. Jüngere Frauen vertrauen (noch) – unter dem z.T. fördernden Einfluss von Familie, Schule und Uni – auf ihre eigenen Fähigkeiten. Sie empfinden eine Quote als beleidigend. Recht haben sie! Eine Quote haben sie eigentlich nicht nötig. Eigentlich! Ältere Frauen, die in jüngeren Jahren ebenso statt nach dem Geschlecht nach ihrer persönlichen Leistung bewertet werden wollten, zeigen sich mit den Jahren ernüchtert und befürworten zähneknirschend eine solche "Krücke" (Bascha Mirka). Die jüngeren Frauen spielen den Old-Boys ungewollt in die Hände.
Denn eigentlich ist die Quote ja nicht für Frauen, sondern für Männer, die wie Josef Ackermann, eine solche ablehnen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank freut sich jedoch schon, dass in Zukunft mehr Führungsfrauen die Gremien "farbiger und schöner" machen (Handelsblatt 04./05.02.11). Führungsfrauen als Nummerngirls?
Als weiteres Argument dient häufig, das schlichte Fehlen ausreichend qualifizierter Frauen.
Der weibliche Anteil der BWL-Studierenden ist auf erfreuliche rund 50% angestiegen. Natur- und Ingenieurswissenschaften folgen in der Beliebtheit unter weiblichen Studenten und dürften vielleicht auch irgendwann die 50%-Marke erreichen, wenn nach dem Studium auch AbsolventINnen auf adäquate Chancen hoffen dürften. Während meines Grundstudiums in Chemie und Biochemie wurde meinen Kommilitoninnen und mir die Perspektive eröffnet, ohnehin nur bessere chemisch-technische Assistentinnen abzugeben. Dafür studierten wir also. Es braucht eine Menge Humor, Durchhaltevermögen und – ja und: Netzwerke. Laborleiterin? Führungsposition im Vorstand eines Chemieunternehmens? Kein Gedanke!
Die Quote könnte vielleicht auch hier einen Mitnahmeeffekt erzeugen? Da wären sie dann – die leistungsstarken Frauen, um fehlende Fachkräfte zu stellen, nicht nur in der Chefetage.
Der von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) - eher paternalistische – "Pakt für Frauen" basiert wiederum auf freiwilliger Vereinbarung, der – wenn es nicht klappt – gesetzliche Konsequenzen folgen sollen. Wieder reden Männer über Frauen und ihre zukünftige Rolle in der Welt. Ein Klassiker! Die Bundesregierung will nämlich zuerst mit den Vorständen der großen Unternehmen in einem Gipfel über das Thema beraten. Wie viele Frauen da wohl dabei sein und mitreden werden?
Bleibt alles wie es ist, nämlich bei der freiwilligen Selbstvereinbarung, ohne wirklich spürbare Konsequenzen, dann dürfen wir mit einem durchschnittlichen Zuwachs von ca. 1% in 10 Jahren bei der weiblichen Besetzung der höchsten Posten rechnen. Ein Frauenanteil von 40 % und einige damit einhergehende Veränderung dürfte ich dann nicht mehr erleben und meine Vizetochter könnte schließlich im Alter von 62 endlich jubeln.
Die Beharrungskräfte in diesem Land sind groß. Brüssel hilf!!

Aber es geht aber auch anders:
Männer verzweifelt gesucht. http://www.welt.de/politik/deutschland/article12461429/Fuer-diese-Jobs-werden-Maenner-verzweifelt-gesucht.html

Weiteres zum Thema:
"Was die Quote angeht, bin ich hin- und hergerissen", sagt Ulrike Zeidler, die seit 2008 im Rathaus die Verdener Stadtplanung verantwortet.
 http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis+Verden/316988/Verdener+Chefinnen+kommentieren+Frauenquote.html

Die Angst vor der Frauenquote
http://www.welt.de/debatte/article12458448/Die-Angst-vor-der-Frauenquote-sorgt-fuer-Bewegung.html

Renate Künast bekennt sich...
http://www.bild.de/BILD/politik/2011/02/06/renate-kuenast-interview/ich-bin-eine-quotenfrau.html 

FIlm:
Hüllen, Dokumentarfilm von Maria Müller (CH 2010) erscheint im Kino
Lobende Erwähnung
Filmfestival Max Ophüls Preis 2011, Saarbrücken
Wettbewerb Dokumentarfilm
Begründung der Jury
Der Film erzählt die Geschichte von Emel Zeynelabidin, die als Ehefrau, Mutter von 6 Kindern, Kämpferin für den ersten islamischen Kindergarten in Deutschland nach über 30 Jahren entscheidet, ihren Schleier abzuwerfen. Sensibel liebevoll und vielschichtig erzählt der Film, was dies für Emel, ihren Ehemann, ihre Mutter und ihre Tochter bedeutet....

http://www.huellenfilm.ch/