Sonntag, 6. Februar 2011

Das war die 5. Kalenderwoche: indische Verhältnisse - Brüssel hilf!


Verteilung:
  • 55,7% Abiturientinnen
  • 51,0% abgeschlossenes Studium
  • 44,1% Promotion
  • 21,7% Führungsposition
  •  3,2% Vorstandsposten
  • 2,2% (in 30 DAX-Konzernen und den 100 größten Unternehmen)
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht Deutschland in Sachen Teilhabe von Frauen in den höchsten Positionen auf einer Stufe mit Indien und Russland. Sie wagte einen mutigen Vorstoß, als sie der Wirtschaft eine Quote von 30 Prozent androhte – meist im Dissens mit der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Nun hat die Kanzlerin (CDU) gesprochen und die gesetzliche Quote für Frauen ist erstmal vom Tisch. In enger Absprache mit Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) ist Angela Merkel mit dem Koalitionspartner in diesem Thema schnell einig geworden. Unter anderem zeigt sich hier, wie wenig tatsächliche Macht Frauen haben. Soviel vom Lager der bürgerlichen Liberalen.
 Warum müssen Diskussionen in Deutschland sofort und stets ideologisch geführt werden? Im Klartext argumentieren doch die Gegner, wie z.B. die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger im Interview mit dem Stern: entweder Quote oder Qualifikation. Warum denn nicht Qualifikation und Quote? Wer sagt denn, dass ein Unternehmen unter den inzwischen sehr zahlreichen, hoch qualifizierten Anwärterinnen die schlechtesten nehmen muss - nur wegen der Quote. Qualifizierte Frauen brauchen keine Quote. Stimmt! Die meisten qualifizierten Frauen sind trotzdem nicht auf den Posten, die sie einnehmen könnten. Das  Argument Qualifikation versus Quote ist sehr, sehr dünn. Der Personalvorstand der Deutschen Telekom Thomas Sattelberger bringt es auf den Punkt: "Das ist nichts anderes als die Antwort geschlossener Systeme auf Eindringlinge." (Spiegel 5/2011)  
Qualifizierte Männer werden künftig diskriminiert – schwingt häufig beim Contra als Unterton mit. Folglich werden die Toppositionen derzeitig nur von den Besten eingenommen. Männliche Exzellenz wohin man schaut? Weltwirtschaftskrise? Finanzkrise? BP - Bohrinsel? Deutsche Bahn?........
Die in diesen Tagen gern zitierte Studie des amerikanischen Frauenforschungsinstitut Catalyst  zeigt, dass Unternehmen, die über einen hohen Frauenanteil im Vorstand verfügen, eine "bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite erzielen" (Spiegel 5/2011).
Dass Leistungsfähigkeit allein nicht genügt, um in der Karriere voranzukommen, wissen Männer ganz genau. Deswegen gibt es sie ja, die Netzwerke, die Old-Boys-Verbindungen, das sog. Vitamin B. Auch ein junger BerufsanfängER wird auf dem Weg nach oben schnell spüren, dass er ohne Beziehungen nicht auskommt. Im Gegensatz zur BerufsanfängerIN hat er nur deutlich mehr Chancen in einen solchen "Bund" aufgenommen zu werden und dann an die richtig interessanten Stellen zu gelangen, während frau ab einer bestimmten Stufe einfach nicht mehr weiterkommt.
Kurz: Frauen verfügen (noch) nicht über solche Netzwerke, die beim Erklimmen der Karriereleiter erforderlich sind. Da braucht es entweder Unternehmen und TopmanagER, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich tatsächlich aus eigenem Antrieb eine Quote auferlegen. Die Telekom gehört dazu, Eon, ja sogar Bosch und auch Daimler hat ja gerade die erste Frau in den Vorstand berufen und einige mehr. Immerhin! Oder es braucht eben  doch die Quote, die – wie die Erfahrung im Ausland zeigt – ziemlich rasch zu Ergebnissen führt.
Unter Frauen zeigt sich der Streit um die Quote auch als Generationenkonflikt. Jüngere Frauen vertrauen (noch) – unter dem z.T. fördernden Einfluss von Familie, Schule und Uni – auf ihre eigenen Fähigkeiten. Sie empfinden eine Quote als beleidigend. Recht haben sie! Eine Quote haben sie eigentlich nicht nötig. Eigentlich! Ältere Frauen, die in jüngeren Jahren ebenso statt nach dem Geschlecht nach ihrer persönlichen Leistung bewertet werden wollten, zeigen sich mit den Jahren ernüchtert und befürworten zähneknirschend eine solche "Krücke" (Bascha Mirka). Die jüngeren Frauen spielen den Old-Boys ungewollt in die Hände.
Denn eigentlich ist die Quote ja nicht für Frauen, sondern für Männer, die wie Josef Ackermann, eine solche ablehnen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank freut sich jedoch schon, dass in Zukunft mehr Führungsfrauen die Gremien "farbiger und schöner" machen (Handelsblatt 04./05.02.11). Führungsfrauen als Nummerngirls?
Als weiteres Argument dient häufig, das schlichte Fehlen ausreichend qualifizierter Frauen.
Der weibliche Anteil der BWL-Studierenden ist auf erfreuliche rund 50% angestiegen. Natur- und Ingenieurswissenschaften folgen in der Beliebtheit unter weiblichen Studenten und dürften vielleicht auch irgendwann die 50%-Marke erreichen, wenn nach dem Studium auch AbsolventINnen auf adäquate Chancen hoffen dürften. Während meines Grundstudiums in Chemie und Biochemie wurde meinen Kommilitoninnen und mir die Perspektive eröffnet, ohnehin nur bessere chemisch-technische Assistentinnen abzugeben. Dafür studierten wir also. Es braucht eine Menge Humor, Durchhaltevermögen und – ja und: Netzwerke. Laborleiterin? Führungsposition im Vorstand eines Chemieunternehmens? Kein Gedanke!
Die Quote könnte vielleicht auch hier einen Mitnahmeeffekt erzeugen? Da wären sie dann – die leistungsstarken Frauen, um fehlende Fachkräfte zu stellen, nicht nur in der Chefetage.
Der von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) - eher paternalistische – "Pakt für Frauen" basiert wiederum auf freiwilliger Vereinbarung, der – wenn es nicht klappt – gesetzliche Konsequenzen folgen sollen. Wieder reden Männer über Frauen und ihre zukünftige Rolle in der Welt. Ein Klassiker! Die Bundesregierung will nämlich zuerst mit den Vorständen der großen Unternehmen in einem Gipfel über das Thema beraten. Wie viele Frauen da wohl dabei sein und mitreden werden?
Bleibt alles wie es ist, nämlich bei der freiwilligen Selbstvereinbarung, ohne wirklich spürbare Konsequenzen, dann dürfen wir mit einem durchschnittlichen Zuwachs von ca. 1% in 10 Jahren bei der weiblichen Besetzung der höchsten Posten rechnen. Ein Frauenanteil von 40 % und einige damit einhergehende Veränderung dürfte ich dann nicht mehr erleben und meine Vizetochter könnte schließlich im Alter von 62 endlich jubeln.
Die Beharrungskräfte in diesem Land sind groß. Brüssel hilf!!

Aber es geht aber auch anders:
Männer verzweifelt gesucht. http://www.welt.de/politik/deutschland/article12461429/Fuer-diese-Jobs-werden-Maenner-verzweifelt-gesucht.html

Weiteres zum Thema:
"Was die Quote angeht, bin ich hin- und hergerissen", sagt Ulrike Zeidler, die seit 2008 im Rathaus die Verdener Stadtplanung verantwortet.
 http://www.weser-kurier.de/Artikel/Region/Landkreis+Verden/316988/Verdener+Chefinnen+kommentieren+Frauenquote.html

Die Angst vor der Frauenquote
http://www.welt.de/debatte/article12458448/Die-Angst-vor-der-Frauenquote-sorgt-fuer-Bewegung.html

Renate Künast bekennt sich...
http://www.bild.de/BILD/politik/2011/02/06/renate-kuenast-interview/ich-bin-eine-quotenfrau.html 

FIlm:
Hüllen, Dokumentarfilm von Maria Müller (CH 2010) erscheint im Kino
Lobende Erwähnung
Filmfestival Max Ophüls Preis 2011, Saarbrücken
Wettbewerb Dokumentarfilm
Begründung der Jury
Der Film erzählt die Geschichte von Emel Zeynelabidin, die als Ehefrau, Mutter von 6 Kindern, Kämpferin für den ersten islamischen Kindergarten in Deutschland nach über 30 Jahren entscheidet, ihren Schleier abzuwerfen. Sensibel liebevoll und vielschichtig erzählt der Film, was dies für Emel, ihren Ehemann, ihre Mutter und ihre Tochter bedeutet....

http://www.huellenfilm.ch/

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